Wilhelmshavener Tageblatt

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Sonntag, den 1. September 1912.

38. Jahrgang.

Die heutige Nummer umfaßt 16 in unserem Volke der Wille lebendig bleibt, im Kampfe für selben liegt, ist für den Erholungsurlaub der einzelnen Res­das Vaterland das Leben als der Güter höchstes nicht zu be- fortminister zum Teil maßgebend gewesen. Ein großer Teil Seiten; außerdem liegt unser Illustriertes werten, sondern es freudig zu opfern, so wird Deutschland von von ihnen wird bereits mit Anfang nächsten Monats die dem Plaze an der Sonne, auf den Sedan den Anspruch ge- Dienstgeschäfte wieder aufnehmen. Per Landwirtschaftsmi­Sonntagsblatt Nr. 35 bei. geben hat, nimmermehr verdrängt werden.

Sedan.

So lange wird ein Bolt groß bleiben und Großes zu leisten vermögen, als es fähig, sich am Großen zu begeistern, an großen Männern und großen Taten. Auf Sedan, den Tag vor 42 Jahren angewendet, wird dieser Satz also lauten: Das deutsche Volk wird so lange die Erinnerung an Sedan in Ehren halten und wahre Sedanbegeisterung haben, als es für die Lehren von Sedan empfänglich ist, sie betätigt und die Kräfte behauptet, die den Sedansieg bereitet haben. Ein wirk­liches, wirkendes Nationalfest bleibt Sedan, wenn es das deutsche Volk begeisterungsfrisch und waffenfroh erhält, frei von Mait- und Weichherzigkeit, start im Willen, Großes zu vollbringen, bereit, wenn die völkische Ehre es gebeut, mit dem Schwert in der Hand zu sterben, um zu leben, um zu siegen. Ein geschichtliches Bild und Beispiel ohne gleichen, das zu Begeisterung erhebt, das zur Treue am Vaterlande erzieht, ist Sedan. Große Männer und ein steghaftes Volf in Waffen führt es vor Augen. Kaum jemals hat ein Volk an seiner Spige eine solche Fülle und in solcher Vollendung große Män­

Deutfches Reich.

nister Frhr. v. Schorlemer ist bereits in Berlin eingetroffen, und der Kriegsminister von Heeringen dürfte am 1. Sep­tember sein Amt wieder antreten. Anfang September, also in der nächsten Woche, werden sowohl der Staatssekretär des

München, 30. August. Der Prinzregent hat den Reichsschazamts Kühn wie der Kultusminister von Trott zu Reichskanzler eingeladen, auf der Rückreise nach Schloß Lin- Solz nach Berlin zurückkehren, und Großadmiral von Tirpis, dershof zu kommen und einige Zeit der Hochwildjagd ob- dieser Zeit wieder hier eintreffen. Am 15. September werden der Staatssekretär des Reichsmarineamts, wird gleichfalls zu zuliegen­dann der Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. Lisco und Der Kaiser wieder in Berlin. der Minister für Handel und Gewerbe Sydow zurüderwartet, Berlin, 30. August. Das Kaiserpaar und die Prin- und um dieselbe Zeit will auch der Minister des Innern von zessin Viktoria Luise sind heute Nachmittag 5 Uhr 50 Minuten Dallwitz die Amtsgeschäfte wieder übernehmen. Nach hierher im Sonderzuge auf dem Potsdamer Bahnhof eingetroffen. gelangten Mitteilungen soll sich das Befinden des Miniſters Zum Empfange waren das Kronprinzenpaar mit den beiden von Dallwiß, das vor seinem Urlaub bekanntlich zu wünschen ältesten Prinzensöhnen, Prinz Eitel Friedrich und Prinz übrig ließ, erfreulicherweise gebessert haben, so daß mit seiner August Wilhelm mit Gemahlin sowie die Prinzen Oskar persönlichen Teilnahme an den Parlamentsdebatten gerechnet und Joachim erschienen. Prinz Eitel Friedrich überreichte merden kann. Der Staatssekretär des Innern, Dr. Delbrück, Der Kaiserin als Willkommensgruß einen prachtvolleri Rosen ist bis zum 22. September nach Groß- Tabarz beurlaubt, und strauß. Das Kaiserpaar wurde auf der Fahrt vom Bahnhof der preußische Justizminister Dr. Beseeler, der vor nicht langer nach dem Königlichen Schlosse von einer großen Menschen Zeit erst seinen Urlaub antrat, wird erst gegen Ende Sep­menge stürmisch begrüßt. tember in Berlin eintreffen. Der Minister der öffentlichen Die Reise nach der Schweiz. Arbeiten von Breitenbach allein weilt schon seit Ende Juli 3ürich, 30. August. In der gesamten Presse der in Berlin; er hat einen längeren Erholungsurlaub bereits Schweiz herrscht einmütige Freude darüber, daß der in den absolviert. Der Reichskanzler dürfte sich voraussichtlich nach letzten Tagen so sehr gefährdete Besuch des deutschen Kaisers Rückkehr von seinen Reisen zunächst abwechselnd in Hohen= nun doch zur Ausführung kommt. Man verhehlt sich nicht, finow und Berlin aufhalten. Ende September werden somit daß die völlige Absage eine außerordentliche Enttäuschung sämtliche Minister wieder auf ihren Posten zurückgekehrt sein, gewesen wäre. Es trägt zur Sympathie, die Kaiser Wil- was zum Teil mit Rücksicht auf die Beratungen des Bundes­helm in der Schweiz ohnehin schon genießt, nur bei, daß er rats geschehen dürfte, da diesem, wie wir hören, eine Anzahl entgegen den Vorstellungen der ärztlichen Ratgeber an sei- dringender Vorlagen gleich nach seinem Zusammentritt zu­nem Vorhaben so entschieden festgehalten hat. Da und dort gehen soll, so daß es nicht ausgeschlossen ist, daß er hereits drüat man die Hoffnung aus, daß der Kaiser das Berner schon Ende September seine Tätigkeit aufnehmen muß. Oberland sowie andere Teile des Schweizerischen Hochgebirges Das welfische Sedanfest. vielleicht bei einem anderen Anlaß kennen lernen könne. Die Vorbereitungen zum Empfang in Zürich nehmen ihren Berlin, 30. August. Fast die gesamte bürgerliche deut­Fortgang. An der Spalterbildung werden sich auch reichs- sche Presse hat mit Entrüstung jene schmachvollen Beleidigun­deutsche Militär- und Kriegervereine beteiligen. Das schlechte gen des preußischen Heeres zurückgewiesen, mit denen welfi­Wetter hat aufgehört und nach dem allgemeinen meteorologischer Fanatismus in Gestalt zweier lebender Bilder das schen Dafürhalten ist für die ersten Septembertage gutes Sedanfest" des hannoverschen Kriegervereins, Ortsgruppe Wetter zu erwarten, was dem gesamten Programm außer- Hannover, zu verherrlichen" gedachte. Unter jenen Blättern ordentlich zustatten kommen würde. Die Beteiligung von aber, die eine energische Kritik an der welfischen Unverfroren­auswärtigen Zuschauern in Zürich und Bern scheint nach den heit üben, fehlt, soweit wir beobachten konnten, einmal die vorliegenden Nachrichten ungeheuer zu werden. Inzwischen Zentrumspresse, die ihrer dicken Welfenfreundschaft eingedenk, hat sich auch die Einstellung der einberufenen Soldaten voll- die Angelegenheit mit dem Mantel der Nachsicht verhüllt, zogen. Die eigentlichen Manöver werden wohl erst in der dann aber charakterischer Weise die agrarische Presse des Bun­Nacht vom Dienstag auf Mittwoch beginnent. des der Landwirte, die Berliner sowohl als auch die hanno­

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ner gehabt, wie wir vor Sedan. Um nur die erſten zu nennen: Wilhelm den Großen, Kronprinz Friedrich Wilhelm, den spä­teren zweiten Kaiser, Kronprinz Albert von Sachsen, den nach­herigen König, Bismard, Moltke, Roon. Vorbildlich jeder in seiner Art, gottbegnadete Helden, wie geschaffen, ein Volf, das um sein Höchstes, ſeine Einheit und Selbständigkeit zu den Waffen gegriffen hat; durch Blut und Eisen zum Sieg zu führen. Große Zeiten schaffen große Männer. Aber ebenso wahr ist: große Männer schaffen große Zeiten. Und zu großen Männern, die große Zeit schaffen, gehört ein großes, ihnen ebenbürtiges Bolf, das die Kräfte hat, den Tatwillen seiner Führer zu Großem zu verwirklichen. Sedan fonnte uns zuteil werden, weil das deutsche Volk solcher Helden wie der ge­nannten wert und würdig war, beseelt von dem Gedanken, für des Vaterlandes Ehre und Ruhm den edelsten, ehrenvollsten Tod zu sterben. Bernhard Rogge erzählt in seinen Erinnerungen aus dem Kriegsjahre 1870/71, das er bei der Garde als Feldprediger mitgemacht hat, von dem Tode, den vor Sedan die Söhne des Kommandierenden Generals von Kirchbach und des Kriegs­ministers von Roon erlitten, und wie heldenhaft die Väter den Heldentod ihrer Söhne hingenommen haben. Von der Beerdigung des Sohnes des Generals von Kirchbach, dem mit zwei anderen Offizieren des Garde- Füsilierregiments auf dem Kirchhof von Givonne das Grab bereitet wurde, sagt er: Das Los ist mir gefallen aufs liebliche, mir ist ein schön Erbteil geworden. Dieses Wort Davids fonnte hier mit gutem Recht auf die Gefallenen angewendet werden. Denn wenn Solda­ses Schweigen der sonst so kernpreußischen konservativen tentod überhaupt ein schöner und lieblicher ist, wenn er mit Presse allerdings recht bezeichnend. Auch den empörenden Ver­Die Dresdener Festtage. Recht in Lied und Spruch des Volkes gepriesen wird, so traf hegungen welfischer Agitation gegenüber schweigt sich der Dresden, 30. August. Nach einem heute vom Ober- Bund der Landwirte geflissentlich aus, hetzt aber desto kräf­das gewiß hier zu, wo die Palme eines solchen Sieges die Gräber überschattete. General von Kirchbach wohnte der Be- hofmarschallamt ausgegebenen Bericht hat der König bei der tiger gegen die bösen" Nationalliberalen. Der Grund liegt erdigung seines Sohnes bei, und seine tapfere und freudige gestrigen Paradetafel im Residenzschloß noch ausgeführt: Ich offen zutage. Nicht umsonst sandte man welfische Abgeordnete Ergebung war für alle Umstehenden die erbaulichste Grab- Armee in angenehmster Erinnerung sein möchten. Nachdem mit bündlerischer Hilfe in den Reichstag. Man will bei den Ergebung war für alle Umstehenden die erbaulichste Grab hoffe, daß diese Tage uns allen und ganz besonders meiner offen zutage. Nicht umsonst sandte man welfische Abgeordnete Der zweite Sohn des Kriegsministers von Roon, aber Ihre Kaiserliche Hoheit, eingedenk der Traditionen Landtagswahlen dafür Ernte halten und sich die welfischen der als Hauptmann und Batteriechef im Garde- Feldartillerie- hrer Vorfahren, meiner Armee Jhr freundliches Interesse Sympathien nicht durch Beteiligung an der entschiedenen Ver­regiment gestanden, war am 1. September tötlich verwundet bewiesen und heute gesehen haben, was sie leisen kann, habe urteilung welfischer Heißspornigkeit verscherzen. Der H. C. worden und starb am 3. September Rogge lag die Pflicht ich, begeistert durch die Eindrücke des heutigen Tages, be- sieht sich veranlaßt, diese Tatsachen hier feſtzunageln, um wie: ob, dem im Hauptquartier weilenden Vater die Todesnach- schlossen, Ihre Kaiserliche Hoheit in eine engere Beziehung der einmal zu zeigen, in welche nationale Grundsatzlosigkeit richt, auf die er bereits vorbereitet war, zu überbringen. Er zu meiner Armee zu bringen, indem ich Sie am heutigen sich der Bund der Landwirte und seine konservativen Freunde berichtet hierüber: Mit schwerem, aber doch tapferem Herzen Tage à la suite des 3. Ulanenregiments Nr. 21 gestellt habe, durch seinen fanatischen Haß dem Liberalismus gegenüber hatte der Vater vom Sohne Abschied genommen, vollkommen welches Ihren erlauchten Hern Vater seit vielen Jahren als verrannt hat. Im übrigen stand zu erwarten, daß der blöde darauf gefaßt, daß er ihn nicht wiedersehen würde. Aber bei Chef hat und welches in der kurzen Zeit seines Bestehens Fanatismus der welfischen Kriegervereinler selbst Wider­der Nachricht von dem zur Wirklichkeit gewordenen Verluste bewiesen hat. dak es den alten Regimentern voll ebenbür- spruch im eigenen Lager finden würde. So meldet sich Ritt­übermannte ihn doch einen Augenblick der Schmerz, und er tig ist. meister 3. D. v. Plate- Altenwisch, der erste Vorsitzende der fiel mir, noch ehe ich ein Wort gesagt hatte, mit lautem hannoverschen Kriegervereine, zum Wort und teilt mit, daß Rund 6 Millionen Mark Nationalflugipende Schluchzen um den Hals. Hatte er doch gerade an diesem er sofort nach Erscheinen des Festprogramms, also vor Druck­Sohne mit ganz besonderer Liebe gehangen. Dann aber faßte Berlin, 30. August. Das Ergebnis der Nationalflug- legung der verschiedenen Zeitungsartikel, die Ortsgruppe er sich auch gleich wieder und ließ sich mit voller Gelassenheit spende beträgt, wie das B. T." von informierter Seite er- Hannover auf die ungeschickte und seines Erachtens unpassende Auswahl der zu stellenden lebenden Bilder aufmerksam ge= über die letzten Stunden des Heimgegangenen von mir Bericht fährt, rund sechs Millionen Mark. macht und das Weitere veranlaßt habe. Das hannoversche erstatten, den größten Trost in der Zuversicht findend, daß der Der neue russische Botschafter. Sohn im vollen Glauben selig entschlafen sei. Wo so viele Berlin, 30. August. Der neue russische Botschafter Welfenblatt weist zunächst mit findlicher Naivität aufs Väter ihre einzigen Söhne hätten hingeben müssen, sagte er, wie dürfe er sich da beklagen, daß auch von ihm dies Opfer Staatssekretär des auswärtiger Amtes Herrn von Kiderlen- gruppe des Hannoverschen Kriegervereins beabsichtigt hätte, wie dürfe er sich da beklagen, daß auch von ihm dies Opfer Swerbejew ist hier eingetroffen und stattete gestern dem schärfſte den Vorwurf zurück, als ob der Vorstand der Orts= gefordert wäre. Dabei fügte er noch hinzu: Gott ist gerecht, Wächter in Begleitung des Botschaftsrates Bronewsti einen preußische Krieger durch die geplanten lebenden Bilder zu darum hat er Gericht gehalten über Napoleon und uns den Besuch ab, welchen Herr v. Riderlen- Wächter heute auf der verunglimpfen. Dann aber bemerkt das Blatt: Dagegen er­scheint uns ein Punkt der Kritik des Hann. Cour." beach­Sieg geschenkt in seiner Barmherzigkeit; aber um unserer russischen Botschaft erwiderte. tenswert. Wir sind erst auf Grund der Preßpolemik veran­Sünde willen hat er so schwere Opfer von uns gefordert und laßt, die Inhaltsangabe der lebenden Bilder unserseits zu uns den Sieg so teuer werden lassen." prüfen, und müssen selbst gestehen, daß das erste Bild historisch zweifelhaft ist und im ganzen nicht sehr anmutend wirkt. Daß der Vorstand von dem wir nicht wissen, woher er die

Bern, 30. August. Der Bundespräsident Dr. Forrer versche. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß der preußischen hat sich von seinem Gichtanfall so weit erholt, daß er heute Armee kaum eine schmählichere Herabwürdigung zuteil wer­Vormittag an einer Bundesratssigung teilnehmen konnte.[ den kann, als sie mit jenen frivolen historischen" Bildern Boraussichtlich ist der Bundespräsident beim Eintreffen des der staatsfeindlichen Welfen beabsichtigt wurde, so bleibt die­Kaisers in der Schweiz wieder vollständig hergestellt.

rede."

Rückkehr der Minister vom Urlaub. Berlin, 30. August. Die verhältnismäßig fleine Zeit Auch solches verdient, am Sedantage ins Gedächtnis ge­rufen zu werden. Auch das sind herrliche Zeugnisse des Hel- spanne, die in diesem Jahre zwischen der Beendigung der densinnes, der unserem Volke Sedan beschieden hat. Wenn| Parlamentsverhandlungen und dem frühzeitigen Beginn der

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