heiten der Rhederei die Beschlüsse der Mitrheder maßgebend, welche nach der Mehrheit der Stimmen gefaßt werden, und ist die Mehrheit dann vorhanden, wenn denjenigen, welche für einen Beschluß gestimmt haben, mehr als die Hälfte des ganzen Schiffes gehört. Es machen hiervon zwar diejenigen Beschlüsse eine Ausnahme, welche eine Abänderung des Rhederei-Vertrages bezwecken, indem für diese, der Natur der Sache entsprechend, Einstimmigkeit gefordert wird, und könnte darnach es scheinen, als ob P., als Vertreter der Mehrheit, dem Beschwerdeführer die Führung des Schiffes nicht habe nehmen können, wenn diesem dieselbe in dem Rhederei-Bertrage, wie nicht unwahrscheinlich, zugesichert worden. Allein auch in einem solchen Falle ist die Rhederci befugt, durch einen Mehrheitsbeschluß den Mitrheder als Schiffer zu entlassen, vorbehaltlich seiner Entschädigungs-Ansprüche und des Rechts, die Uebernahme seines Antheils am Schiffe gegen den Schätzungswerth zu verlangen (Kaltenborn a. a. O. S. 142, Allgem. D. H.-G.-B. Art. SIS, S22). Es mußte demnach dafür gehalten werden, daß der Schiffsbaumeister P. als Vertreter der Mehrheit der Rhederei des Schiffes P. berechtigt- war, dem Beschwerdeführer die fernere Führung jenes Schiffes zu entziehen.
Wenn dieses -richtig ist, so konnte der Beschwerdeführer aber auch nicht die von ihm in seiner Eigenschaft als Schiffsführer dem Consu- laragenten B. übergebenen Schiffspapiece (Seepaß und Musterrolle) zurückfordern, nachdem jene seine Eigenschaft erloschen, weil sie nicht ihm persönlich zustanden, sondern zum Schiffe gehörten, als dessen Führer er sie übergeben hatte, und der Consularagent B. war so wenig berechtigt wie verpflichtet, die in amtlicher Eigenschaft ihm übergebenen Schiffspagiere dem Beschwerdeführer zurückzugeben, sobald er wußte, daß dieser nicht mehr Führer des fraglichen Schiffes sei. Hätte der Schiffsführer ein persönliches Recht an den Schiffspapieren, so würde er durch das Zurückhalten derselben die obenerwähnte Be- fngniß der Rheder, ihn zu entlassen, ohne Weiteres wirkungslos machen können. (Magazin für die Staats- und Gemeinde-Verwaltung im Großherzogthum Oldenburg.)
Ver m ischtes.
Darmstadt, 7. Januar. Der „Hess. Ldsztg," wird aus Bolkskehlen, 6. Jan., geschrieben: Während des Sturmes heute Morgen stürzte nach 10 Uhr der hier neuerbaute Kirchenthurm ein und verletzte den übrigen Theil der Kirche dermaßen, daß der Schaden wohl auf mehr denn 4000 fl. geschätzt werden kann.
Nürnberg, 6. Jan. Der „Nürnb. C." schreibt: „Heute Mittag gegen 1 Uhr entlud sich über unserer Stadt unter heftigem Schneetreiben plötzlich ein starker Blitz mit unmittelbar darauf folgendem Donner. Eine halbe Stunde später züngelte aus dem Dache des nördlichen Thurmes der Lorenzerkirche, fast zunächst der Spitze, eine Flamme hervor. Um 2 U 4 Uhr stürzte die oben angebrachte Kugel mit dem großen Wetterhahn zusammen, ohne jedoch an dem Dache des Kirchenschiffes Schäden zu thun. Die Flamme setzte ihr verzehrendes Werk von oben herab allmälig fort, und im Augenblick, wo wir diese Zeilen schreiben, ist fast die Hälfte des Daches abgebrannt.
Nach dem „Journal do Commercio" von Lissabon herrscht dort eine strenge Kälte, die um so empfindlicher ist, als die dortigen Wohnungen keineswegs für den Winter eingerichtet sind. In diesem Jahrhundert hat es nur zweimal in Lissabon geschneit: am 22. Februar 1813 und am 2. Januar 1837.
Wer kann da noch selig werden! Der heilige Vater Pius IX. hat in seiner jüngsten Encyclica den ganzen Erdkreis, bis auf 3—4 Millionen Auserwählter, verflucht und zu ewiger Höllcn- strase verdammt. Dazu gehören: 1) alle „Heiden", deren Zahl sich
ohngefähr auf 667 Millionen beläuft; 2) alle „Ketzer und Freigeister", die nach eigener Facon selig werden wollen; d. i. alle Nazarener, Nikolaiten, Gnostiker, Saturninianer, Basilidiauer, Karpskratianer, Valentinianer, Morcionitcn, Ophitcn, Talianisten, Severianer, Enkra- titen, Sakophorcu, Hydorparastaten, Doketen, Phantasiasten, Manichäer, Priscillianisten, Mclchisedekiten, Montanisten, Novatianer, Donalisten, Meletianer, Qnatuordecimaner, Audianer, Messalianer, Autitrinitarier, Mouarchianer, Patripassianer, Sabellianer, Paulianistcn, Arianer, Semiarianer, Macedouianer, Aloger, Antidikvmarianiteu, Nestorianer, Monophsiten, Tritheisten, Jakobiten, Melchiten, Armenier, Kopten, Maroniten, Adoptianer, Jkonoklasten, Paulicianer, Separatisten, Katharer, Albingeuser, Waldenser, Bcttelsackträger, Begumen, Loll- harden, Apostelbrüder, Adamianer, Flagellanten, Wulesitcn, Hussiten, Calixtiner, Horebiten, Taboriten, Böhmischen Brüder, Jansenisten, Strigolniken, Roskolniken, Philipponeu, Duchoborzi, Anabaptisten, Unitarier, Socinianer, Schwenkfeldianer, Zwingliauer, Calvinisten, Remonstraten, Collegianten, Hugenotten, Synkretisten, Presbyterianer, Puritaner, Independenten, Quäcker, Methodisten, Sandemauianer, Dunkers, Herrenhuter,Swedenborgianer, Theophilantropen, Abrahamiten, Philalethen, Gichtelianer, Pietisten, Chiliasten, Pöschölianer, Lutheraner, Protestanten, Neformirte, Nongeaner, Juden, Freimaurer rc. Ihre Zahl beläuft sich ohngefähr auf 170 Millionen; 3) alle Katholiken, welche sich in den römisch-tridentinischeu Principen noch nicht zurecht
gefunden, nämlich alle, welche viel denken und wenig glauben. Alle, welche die Unfehlbarkeit des Statthalters Christi und die unbefleckte Empfängniß Mariä bezweifeln, den Gottseibeiuns leugnen, den Beichtstuhl nicht oder nicht fleißig besuchen, keinen Peterspfennig bezahlen, keinen Ablaß gewinnen, — und wer das leichtfertige Gesindel sonst noch ist. Ihre Zahl beläuft sich ohngefähr auf 160 Millionen. Gnade haben gefunden: alle ächt römisch katholischen Christen, deren Häuflein zwar klein, die aber gleichwohl alle vorhergenannten räudigen Schafe an Frömmigkeit und Gottesfurcht hundertfältig überwiegen. (N. A.)
Aus London vom 23.December wird der Augsburger „All. Ztg." geschrieben: „Den Freunden einer englisch-deutschen Allianz können wir die befriedigende Mittheilung machen, daß die Propaganda des deutschen Weihnachtsbaums in England erfreuliche Fortschritte macht, nud trotz des „Morning Avvertiser", der altenglischen Bier- und Branntweinwirthe gegen diese nnpatriotische Nachahmung deutscher Sitte warm protestirt, gerade in diesem Jahre glänzende Triumphe feiert. Tausende von Christbäumen werden jeden Morgen in Conventgarden zu Markte gebracht und verkauft, In allen Frucht- und Conditoreiläden findet man dieselben festlich geschmückt zum Verkauf ausgestellt. Schulen und Wohlthätigkeitsvereine vrrlangen Subscriptionen, um ven Kindern der Armen Weihnachtsbäume anzünden zu können. Für die königliche Familie ist ein förmlicher Tannenwald mit großen und kleinen Bäumen hergerichtet worden, um zu ihrer Weihnachtsfeier in tausend buntfarbigen Lichtern aufzuleuchten. Der „Morning Advertiser" mag sagen was er will: der kerzenstrahlende und waldduftige Weihnachtsbaum ist doch ein viel poetischeres Symbol der nationalen Zusammengehörigkeit als der Plumpudding."
Ein Triester Geschäftsmann, Herr Kalister, der, als armer Bauer in Unterkrain geboren, durch Thätigkeit und angebornen Spekulations- geist ein Krösus geworden war, ist nach einer langwierigen Krankheit kinderlos verstorben. Es gibt gewiß wenig Leute in Oesterreich, welche in der Lage wären, ein solches Testament zu machen. Er, der im Jahre 1838 noch mit einem Glase Wein und einem Stück Brod von einem seiner Brodgeber fetirt werden konnte, hinterläßt jetzt ein Vermögen, welches über vier Millionen beträgt. Die Universalerben sind zwei Neffen. Seiner Wittwe verschrieb er 500,000 fl. baares Geld und drei große Steinhäuser, zwei unehelichen Kindern jedem 50,000 fl. und ebensoviel der dortigen Kirche, den beiden Nachbar-Gemeinden Adelsberg und Prestraneck ebenfalls jeder 50,000 st. Mehrere ähnliche Legate finden sich in seinem Testamente vor. Die Geschäftsthätigkcit dieses Mannes übersteigt alle Begriffe, sie erstreckte sich auf die verschiedensten Länder und Geschäftszweige; so hatte er zuletzt alle Weindaze im Lombardisch-Venetianischen gepachtet — und er übersah Alles bloß in seinem Kopfe ohne Buchführung. Seinen einfachen Gewohnheiten blieb er bis znm letzte!: Augenblick getreu.
(Korrespondenz aus Coburg.)
Die Ziehung der Lotterie zum Beste» Notyleidender in Schleswig-Holstein betreffend.
Nachdem in Folge mehrfacher Störungen, namentlich aber weil in einzelnen Staaten die Erlaubnis) zum Loosvertrieb theils erst sehr spät ertheilt wurde, theils binnen Kurzem erst noch zu erwarten ist, eS nicht möglich war die stipnlirte Loosanzahl noch im Laufe des Jahres 1864, wo die Ziehung beabsichtigt war, unterznbriugen, so ist nun vom Herzog!. Staatsministerium, selbst für den Fall, daß nicht alle Loose abgesetzt werden sollten, im Interesse der bisherigen Loosinhaber der Ziehungstag unwiderruflich auf Donnerstag, den 1. Juni 1865 festgesetzt worden.
Die Ziehung findet unter Aufsicht des Magistrats und im Beisein des zur Controle der Lotterie bestellten Comitees statt. Die Veröffentlichung der Gewinnliste erfolgt spätestens am 15. Juni 1865.
Außer 3 Haupttreffer im Werthe von 3000, 1000 und 500 Thlr. resp. 5250 Fl., 1750 Fl. und 875 Fl. S. W. oder auf Wunsch den baaren Geldbetrag im vollen Nennwerthe, bietet hier das Schicksal noch andere zahlreiche, zum Theil kostbare Gewinne, als goldene Uhren, Brillantringe, goldene Dosen, vorzügliche Oeldruck» bilder rc. als Preis und Belohnung patriotischen Mitgefühls und fehl- in keinem deutschen Hause, in keiner deutschen Familie die Aussicht auf solche Belohnung, doch nicht um dieser, sondern um der Nothe leidenden Schleswig-Holsteins willen.
XL. Auch die Nebengewinne sind sämmtlich solider Natur und durchaus nicht mit unliebsamen Gewinnen der Schillerlotterie in Parallele zu stellen.
DE" Loose ä 15 Sgr. sind fortwährend bis Anfang Mai von den allerorts errichteten Agenturen, bis Sonnabend, den 27. Mai 1865 vom Hauptdepot bei Albert Hoffmann in Leipzig und bis Dienstag, den 30. Mai 1865 vom Bureau der Lotterie in Coburg zu beziehen.
JE" Die von den Commissions-Depots nicht abgesetzten Loose lind spätestens bis Mitte Mai zurückzusenden.
Loose sind in der Expedition d. Bl. zu haben.
