In den Jahren von tSOL —1513 gebar Elisabeth ihrem Gemahl 2 Söhne und 3 Töchter. Als ein Zeichen ehelichen Glückes kann es igelten, daß ihr Gemahl noch im Jahre 1508 mittels einer zweiten Urkunde „ans besonderer Liebe, Freundschaft und Zuneigung, so wir zn Ihrer Lieb r>mgen", nicht allein ihr das im Jahre 1502 verschriebene Leibgedinge bestätigte, sondern durch Anweisung der Jagd zum Amte Spandau noch erweiterte.
Leider hatte auch dieses Eheglück keine Dauer; es scheiterte indessen nicbt an einer gemeinen Klippe, sondern an der verschiedenen Meinung der beiden gleich entschiedenen Ehegatten über die höchsten und heiligsten Dinge. Kurfürst Joachim war ein eifriger Anhänger der alten, der katholischen Kirche. Nicht so aber seine Gemahlin Elisabeth. Bon Wittenberg aus hatte sich Luthers reformatische Lehre nicht allein in den der Mark benachbarten Ländern verbreitet, sondern sie war auch schon siegreich in die Mark selbst cingedrnngcn. Biele Mitglieder des brandenbnrgischen Avels, sowie die Mehrzahl der Bürgerschaft in den märkischen Städten, bekannten sich zu Luthers Ansichten, und sogar im bänSlichen Kreise des Kurfürsten gewann die neue Lehre Anhänger. Die eigene Gemahlin Joachims, Elisabeth, hatte, wie das olden- burgische Haus, aus welchem sie stammte, die Lehre Luthers früh schon mit aufrichtigem Herzen ergriffen und die Keime derselben ihren Kindern cingepflanzt.
Obwohl dieß mir heimlich geschehen, so konnte es dem Kurfürsten auf die Länge der Zeit doch nicht verborgen bleiben, und mußte ihn mehr und mehr gegen seine einst so innig geliebte Gemahlin erkälten.
Doch vergingen noch mehrere Jahre, bevor der innere Zwiespalt der Gemüther auch äußerlich zmn Bruch wurde. Noch im Jahre 1523 sehen wir den Kurfürsten der vermittelnden Fürsprache seiner Gattin nachgcben.
(Schluß folgt.)
Ber m ischtc s.
In der letzten MontagSsitznng der Gesellschaft für Heilkunde, düst ch namentlich durch einen sehr regen Verkehr mit vielen bedeutenden k orrefpondircnden Mitgliedern im Auslands auszcichnet, brachte der Geb. Rath I)r. Bewend die ihm eingcsaudte höchst interessante Mit- theiluug des On. Decaisne in Antwerpen zum Vorträge, wonach das Petroleum als Einreibung sich gegen jede Art von Ungeziefer aus thie- rischen Körpern, bei Menschen also gegen Krätze, Kops- n. Kleiderläuse :c. Vorhallen bisher bekannten Mitteln bewährt hat. Die Methode ist ebenso ungefährlich wie einfach und billig, und steht zu erwarten, daß sehr bald auch in Deutschland der Werth derselben von compctmter Seite ..festgestellt werden wird.
In den Madrider Hofkreisen herrscht großer Uamiith «Ser den Skandal, welchen die Herrath des Herzog v. Frias, Granden erster Klasse, mit „Fräulein" Balfe, der geschiedenen Gattin Sir I. Cramptoms, englischen Gesandten am spanischen Hofe, veranlaßt hat. Die Königin soll dem Herzoge in vcsscn Adern das reinste „mriaKwa nrmM (Aznr- Llut) fließt, zu wissen gcthan haben, daß sie die Herzogin nicht empfangen könne, weil sie dein Gesandten einer Großmacht nicht der Unannehmlichkeit anssetzen wolle, mit seiner ehemaligen Gattin zusammen zu treffen. Als der Herzog diese Mitheilung erhielt, schickte er der Königin sofort alle seine Orden, sowie seinen Kammcrherrnschlnffcl zurück. Fräulein Balse, Tochter des berühmten Componist.-n dieses Namens und eine der beliebtesten Sängerinnen der Oper in Petersburg, hatte sich mit Sir I. Crainpton, damaligen Gesandten Englands "beim Czaren Alexander, vermählt. Nach zweijähriger Ehe, welche ihren berechtigten Erwartungen nicht entsprach , strengte Ladh Cranipton gegen j ihren Mann einen Scheidungsprozeß an, bei dem cs zu scaudalösen Enthüllungen kam und den sie daher leicht gewann. Sir John Erampton blieb dessenungeachtet in seiner diplomatischen Stellung, ohne zu ahnen, daß eine zweite Ehe seiner Frau mit einem spanischen Granden ihm neue Verdrießlichkeiten bereiten werde.
Abbä Richard, der Quellenriecher, hat sich in Liegnitz gründlich blamirr. Die Oncüen, die er innerhalb der Stadt nachgcwiescn, sind zwar zum whcck ansgedeckt worden mW haben, wen« auch reicht das verheißende trinkbare, doch Wasser geliefert, der Bericht aber über die lBvhrversnche außerhalb der Stadl lautet: 1. Bohrstellc: Wegen der ungünstigen Wlttcrnugsverh,Müsse kein bestimmtes Resultat; dock, vor- -anssichtlich k. Wasser. 2. Rohrsklle: kein Wasser. 3. Bohrstellc: sehr wenig Wasser. 4. Bohrstellc: dv. do. 5. Bohrstellc : keinWasscr. 6. Bohrstellc': sehr wenig Wasser. 7. Vvhrstclle: wegen offenbarer Erfolglosigkeit gar nicht erst untersucht. 8. Bohrstelle: ohne Wasser. 9. Bohrstellc: k-'in Wasser. 10. Bohrstelle: statt Wasser trockener Sand. 1!. Bohrstellc: sehr wenig Wasser. l2. Bohrstellc: wenig Wasser. 13. Bohrstelle deSgl. Dies das großartige Resultat der "Forschungen des Herrn Abbe, Richard. Unser tüchtiger Röhrmeister Schädlich (schreibt ein Liegnitzer) hätte für ein Billiges jedenfalls Besseres geleistet. — Liegnitz steht durchweg auf Bruch- und Moorboden und cs hält daher
nicht schwer, zu behaupten, daß an jeder beliebigen Stelle Wasser zu finden sei. — Nur in der Tiefe, in welcher dieses der Fall und in der Beschaffenheit des Wassers hat sich Herr Abbe Richard hauptsächlich geirrt: daß er nebenbei auch Stellen als Quellenergibig bezeichnet, wo gar kein Wasser zu finden ist, läßt noch mehr an seiner Unfehlbarkeit zweifeln.
Bensbcrg, 12. Januar. Während der Weihnachtstage erlebten wir hier in der benachbarten Gemeinde Herkenrath einen Auftritt höchst interessanter .Kirchenpolizei. Der katholische jVikar, welcher eben predigte und bemerkte, daß einige seiner Zuhörer sich plaudernd unterhielten, warf sein Baret nach denselben, traf jedoch, wie er von der Kanzel herab versicherte, die Unschuldigen. Man zweifelt, ob die nächsten Predigten ein Publikum haben werden, da sich Jedermann vor ähnlichen Würfen fürchtet.
(Ein Pröbchen von eommunalen Styl.) DieSilesia theilt folgende Vorladung vom Gemcindevorstande zu Schönbrunn in Schlesien an einen GntSvcrwalter. als Cnriosum wortgetreu mit: Vorladun an löbliche Grasten Bolmüchtigte Gntsverwalter inhPoruba -Herr Kposchiez am Dccembcr d. I. 1864gden 30. um 3 Uhr Nachmittag Kreczmer- wiezhause (Wirthshause) snb Nr. 56 Gemeindeausschußsitzung unten bestätigte bittet nnterthänigsftzu dieser siczung chorzukommen." Bolks- ! schulen! Volksschulen!
^ Daß Spanien von seinen alten barbarischen Vergnügungen nicht zu lassen gesonnen ist, beweist nachstehende Correspondenz: Schon werden für die Stierkämpfe des nächsten Sommers Vorbereitungen getroffen, i Jetzt ist die Zeit, wo die TorreroS für die großen Hetzen, welche um j Ostern beginnen, ansangen sich mit Notariatsurkunden in großen Stäv- i teu für- gewisse Tage zu verpflichten. Düse Contracte werden von den j Schwertsechtcrn (empmclns) abgeschlossen, welche ihre Banderilleros und ! Picadores zu stellen haben. Diese letzteren bilden überhaupt dasmiter- Leordnetc Gefolge der EspadaS, und wenn einer von diesen Maestros anSgeht, hat er einen oder ein paar von diesen Trabanten zur Begleitung, welche ehrerbietig hinter ihm herschreiten. Eine höchst anziehende Variation werden die diesjährigen Stiergesechte dadurch erhalten, daß auch ein Ewphant sich daran zu betheiligen hat, der schon früher an- derswärts, zuletzt im November in Huesca (Arragonicn) die Spanier beglückte. Der erste Stier, der ihm dort zu Leibe gehen sollte, wich aber dem Kampfe feige ans, so daß. man sich genöthigt sah, denselben, durch einen Torrcro erstechen zu lassen. Der Elcphant ist beim Kampf angebunden und kann nur eine gewisse Strecke weit sich bewegen. Der zweite Stier stürzte sich heldenmüthig auf das fremde Ungcthnm, der E ephant aber warf ihn bald zu Boden und zertrat ihn
jämmerlich. Man hielt den Stier stir todt, alserPlötzlich aufstand nnd
abermals mit Umgestüm. jedoch wieder ohne Erfolg, ans den Elephan- tcn tossnhr.
AnS der Pfalz, 16. Jan. Gestern tagte injKaiserslantern der
Anssckmß des pfälzischen SchntzenbundeS. Unter Andern! wurde bei
dieser Gelegenheit die nach Bremen.zu spendende Ehrengabe besprochen und beselsiossen, hierzu aus der Bundcscasse einen Werth von 200 st. znm Ankäufe entsprechender Gaben zu verausgaben. Wegen des diesjährigen allgemeinen deutschen Schützenfestes wurde das Heuer projcctirte pfälzische Bnndesschüßcn für nächstes Jahr in Aussicht genommen. In Bremen dürste die Pfalz, wie überall, wo cs gilt, eine deutsche Lache zu fördern, auch entsprechend vertreten sein.
Speyer, 11. Jan. Durch den in der Pfalz hockgeachteten und als ungemein geschickter Augenarzt bekannten Professor Dr. Röder in Heidelberg wurde dieser Tage eine ungemein merkwürdige, ja wob! gewiß einzig dastehende Operation anSgcführt. Er machte an cmcin Llljährigcn Mädchen ans dem benachbarten Berg, das blind geboren war, den Versuch, demselben durch eine unendlich schwierige Operation das Augenlicht zu geben, und dieser Versuch wurde auf so überaus glückliche Weise vom Erfolg gekrönt, daß das arme Mädchen jetzt schon mit Hilfe des SchullchrerS lesen zu lernen ansangen kann. Eine sehr rührende Scene soll cs gegeben haben, als daS Mädchen bei der Heimkehr aus der Anstalt seine Eltern nnd Geschwister zum ersten Male mit sein Augen zu sehen bekam. (Bayer. Z )
In Homburg stand kürzlich eine Gattin nnd Mutter mit ibreS Bruders Kind vor der geschlossenen Barriere am Uebergange beim Locomotivschuppen. Die Barriere besteht bloS anS einem vorgeschobenen Baume. Das Kind läuft darüber weg, um noch vor der heran- braufenden Locomotive den Uebcrgung zu überschreiten. Die Tante sicht die Gefahr nnd springt herbei, um das Kind zu retten. Sie fand aber, gräßlich verstümmelt, den Tod, während das Kind, imirr der Locomotive liegend, nur leicht am Fuße verletzt wurde.
Die Hamburger Brigg „Auguste," Capitän Bendel, Halle im November vorigen Jahren ans der Fahrt von England nach der Havanna, unweit der Azoren, einen anßcrwöbnlich luftigen Organ ;n bestehen. Der Sturm, fünf Tage lang wüchcnd, nahm dem Schisse Segel und Raaen, riß einen Theil dcS Deckes ans und wusch dabei das große Boot, obgleich eS festgeschranbt, herunter. Die Brigg trieb endlich',, da eine Landung in Frankreich und Spanien mißglückte, nach England zurück. Dort im Hasen von Darimonth, besserte llc wochenlang die erlittene Havarie. Auch daS verlorene Boot wurde durch ein neuer ersetzt:. Bei der ersten Probefahrt s " WOftbe plötzlich, nnd nn- '..-ft I-'-
