Auf eine directe Frage schwerlich! Nein, Feodor, besorge Dir einen Platz in jener Loge. Dann suchst Du ein Gespräch mit den Damen anzuknüpfen und"

Und so weiter das begreif' ich. Aber, Freund Oginskoi, wenn nun die Loge besetzt wäre, will sagen, für die ganze Saison gemiethet?"

Dann erkundige Dich nach dem Namen des Miethers."

Und wenn man diesen mir nicht nennen will?"

So rufst Du den wachthabenden Polizei-Offizier im Hause zu Hülfe. Als Hetmann, der sein im Kaukasus erworbenes Kreuz mit Ehren trägt, schlägt die Polizei Dir einen so unschuldigen Wunsch nicht ab. Auch vergiß nicht, daß wir Militärs von Rang überall allmächtig sind!"

Ueberall, Herr Graf?" warf der bejahrte und meist beobachtend sich verhaltende Offizier hier ein.Das mochte ich doch gegenwärtig stark in Zweifel ziehen. Der Regierungswechsel hat Vieles geändert und mehr noch dürfte schon in nächster Zeit anders werden. Der Kaiser liebt und protegirt z. B. weder die Polizei, noch diejenige Fraction des Adels, welche von Aufhebung der Leibeigenschaft nichts hören mag! Dem Militärstande läßt cr vollkommene Gerechtigkeit widerfahren, bevorzugen aber und höher stellen als den rechtlichen Ci- vilisten wird er ihn schwerlich. Wozu wollen Sie sich überhaupt mit der Polizei befassen?"

Weil sie in Rußland allwissend ist und sehr zugänglich." Der Graf machte eine Geste, die von Niemand mißverstanden werden konnte.

Geben Sie es auf, Herr Graf, die fragliche Dame kennen lernen zn wollen! Es wäre verlorene Mühe!" sagte der bejahrte Offizier.

Der Gras lachte.

Ich warb noch niemals vergebens," rief er mit Stolz und heraus­fordernden Blicken.

Um so schmerzlicher würde cs Ihnen sein, eine solche Erfahrung zu machen."

Kennen Sie denn meine Angebetete in der Loge Nummer 10?"

Ich glaube es fast."

Und Sie sitzen uns gegenüber wie ein geheimer Polizist und las­sen uns Pläne machen, wie wir es am geschicktesten anzufangcn haben, um Namen, Stand und Wohnung der Schönen zn erfahren?"

Die Sachlage rechtfertigt mein Verhalten. Jene Dame ist Ihnen nicht ebenbürtig, Herr Graf."

Was frage ich nach Ihrem Stammbaum? Ihr Blick hat mich bezaubert! Ich ruhe nicht, bis ich sie gesprochen habe und in ein näheres freundschaftliches Verhältniß mit ihr getreten bin."

Wäre verlorene Mühe, Herr Graf! Die junge Dame ist verlobt."

Verdammt!" murmelte OgmSkvi, und seine Angen funkelten zor­nig. Schnell aber nahm er wieder eine gleichgültige Miene an und sagte:Ich bin Ihnen sehr rankbar, Herr Major. Sie haben mich durch diesen Wink abgehalten eine Thorheit zu begehen. Da sie nun aber doch mit den Verhältnissen der Dame, die ich jetzt nicht einmal in Gedanken verehren und anbcten darf, will ich nicht gegen das Ge­setz verstoßen, vertraut zn sein scheinen, so werden Sie mir jetzt gewiß ihren Namen nicht länger verschweigen."

Die erwähnte Loge gehört dein Kausmanne Alexander Vabanoff."

Auf Wassili-Ostrow?" fiel der Hetmann ein.

Demselben. Er ist ein sehr vermögender Mann, welcher das Glück hat, Herz und Hand der einzigen Tochter des verstorbenen Ra- thes Eliander zu gewinnen. Im nächsten Frühjahr soll die Vermäh­lung der Liebenden stattfinden."

Die Wittwe deS Rathes ist kürzlich ebenfalls verstorben, nicht wahr?" fragte Ogmskoi.

Bor zwei Monaten."

Also eine vater- und mutterlose Waise? Armes Mädchen!"

Die Liebe wird sie den erlittenen Verlust leichter ertragen lassen,"

»rkte der Major.

Wessen Schutze aber hat man das verlassene Geschöpf anvertraut?" E'- Oginskoi.

, chnt in dem LoaiS der verstorbenen Eltern, bei ihrem forschte O. ^ " ' ' '

Sie rm Bruder HeMm,

im Heere. Jener Offizier in der Loge ist ^^ Er^dient' wie'Wr» Eliander, ein wackerer Mann, Len Alle, die Bruder von Kathinka ' ward im kaiserlichen Cadettenhause erzo-

ilm kennen hockachtcn. Er i^jn wird.

wie Klmen aewiß bekanNi llzngeuane Kcuntmß der Petersburger ^ ' Da 'trauen Sie mir eins a. ^ spöttischem Tone der Graf. Verhältnisse zu," versetzte in eMa. -h nicht die Ehre, Näheres über Nein lieber Major, rch habe wrrKw- whvrt zu haben. Eine Ent- viese vortreffliche Rathssamiiie Eirunder ^ hegt für mich wohl i sämldigung wegen dieser argen UnkenntnH. stell m den letzten

Umstande daß ich immer nur auf sthr km§,e n-der ^ meinen Be «n die Hauptstadt besuchen konnte, da n Feinde a

Lungen im Süden lebte, oder als guter Nutze de.

^Mit diesen Bemerkungen ließ Ogmskm das L witech^lt.Ing der

K-esprächSthema fallen, mischte sich lebhaft

nn.

-gere Eliander eine Anstellung?" fragte anshorchcnd

in dem letzten Jäh- nincu gegenüber

übrigen adeligen Herren, von denen Keiner ihm ganz unbekannt war, und schien die Dame in Schwarz, deren Stand und Namen zu ermit- ! teln ihm wider Erwarten, obwohl verbunden mit einer fatalen Ent- ; täuschnng, geglückt war, ganz vergessen zn haben. Erst als die Ge- j sellschaft sich ziemlich spät in der Nacht trennte, flüsterte er dem Ko- - sackenhetmcmn leise ins Ohr:

Nach der Parade! In meinem Privatcabinet!" s

(Fortsetzung folgt.)

Knrfürstin Elisabeth von Brandenburg.

Gemahlin Kurfürsts Joachim I. von Brandenburg

Die jetzt vielgenannte Knrfürstin Elisabeth, deren Porträt eben in Berlin wieder verkauft wird, ist eine Stammmutter des jetzigen königlich preußischen Hauses; aber nickt allein eine leibliche, denn m gewissem Sinne ist auch der Geist der herrlichen Frau in 'ihren Nach- ' kommen lebendig gewesen bis ans diesen Tag; sie ist es zugleich, durch welche das Hans Brandenburg feine angeblichen Ansprüche aus die Herzogthnmer Schleswig-Holstein gewann. ,

Es dürfte daher unfern Lesern nickt uninteressant sein, etwas Näheres über diese Fürstin zn erfahren, die für ihre Nachkommen nicht nur, sondern auch für das ganze Land von so hoher Bedeutung ^ und Wichtigkeit geworden ist. s

Elisabeth, im Jahre 1485 geboren, war die Tochter Johanns I., Königs von Dänemark, Norwegen nnd Schweden, sowie Herzogs von Schleswig-Holstein, und der Königin Christum, einer geborenen Herzogin zu Sachsen.

Elisabeth erblühte zn großer Schönheit, und sehr glücklich entwickelten sich auch frühzeitig die reichen Gaben ihres Geistes. Kaum 15 Jahre s alt, wurde die Prinzessin am St. Dorothccntage (6. Februar) zn i Kiel mit dem 16jährigen Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg i verlobt. Die Vermählung wurde erst zwei Jahre darauf, im Frühlings ^ des Jahres 1502, unter prachtvollen und glänzenden Festen, weil in > Berlin noch die Pest wüthete, in der Stadt Stendal gefeiert; es fand s daselbst eine Doppelhochzeit statt, denn cs vermählte fick auch der k Bruder des Königs Johann von Dänemark und Oheim Elisabeths, ; Herzog Friedrich von Schleswig-Holstein, der Beherrscher des Gottorper h AntheilS der genannten Herzogthnmer (von welchem die königliche ? Linie des oldenburgischen Hauses stammt), mit der Markgräsin Anna, der Schwester des Kurfürsten Joachim I. Die,Trauung, vollzog ^ein-- Oheim Elisabeths, der Erzbischof Ernst von Magdeburg, ein geborener H^zog zu Sachsen. Als Mitgift erhielt die Knrfürstin Elisabeth 30,000 rhein. Gulden, wogegen sie mit Zustimmung ihres Gemahls,. des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg, kurz nach der Hochzeit, Mittwochs nach dem Sonntage UissrieorcHn eiowirri oder am 13. ' April 1502, alsgeborne Königin von Dänemark, Schweden und Norwegen" so nennt sie sich selbst in der Urkunde eine Ver- zichtlcistnng auf die Fürstenthnmer, Lande, Leute, Schlösser, Dörfer , nnd das sonstige Erbe ihres Vaters ausstellte., außer in dem Fall, l wenn derselbe ohne männliche Lcibcs-LehnSerbcn versterben sollte, für f welchen Fall sie sich nnd ihren Erben daS Erbrecht ausdrücklich vpr- ( behielt. G

An demselben Tage erklärte auch ihr Vater, König Johann, in s' einer besonderen Urkunde, ans freundlicher Zuneigung zn derKnr- ich fürstin" für sich, seine Erben- und Nachkommen, kraft königlicher ? Willensmeinnng, daß, im Falle er (König Johann) und sein Sohn ; (Kronprinz Christian) - nicht männliche Leibeslehnerbcn, sondern mir s i Töchter hintcrließen, alsdann die Knrfürstin Elisabeth nnd ihre Leibes- ' ^ erben solche Berzichtleistuug an ihrem Erbtheile (Landen, Leuten, ! ! Städten, Dörfern, ihrer Znbchvruug und allen und jeglichen be- l l weglichcn und unbeweglichen Erbgütern, und allem dem, was ihr nach s l Gewohnheit und landläufigem Rechte zukommc) unschädlich sein und > keinen Nacktheit und Abbruch bringen sollte. ss ^

Elisabeths Bruder, der damalige Kronprinz und nachmalige König h Christian II. von Dänemark, hatte bereits in der Verlobungs-Urkunde j l vom Jahre 1500 seine ausdrückliche Zustimmung zu den Anordnungen HZ seines Vaters in Bckrcff des eventuellen Erbrechts seiner Schwester gegeben.

Kurfürst Joachim Hatto seinerseits schon am 12. April 1502 der ß) Knrfürstin eine Anweisung ans ihr Witthum erthcilt. Es lautete ans ft Schloß, Amt und Stadt Spandau als fürstlichen Wohnsitz ; außerdem , ; wurden ihr Renten ans den AeMtern Knstrin, Oderberg, Bötzow (dem ft! späteren Oranienburg) Liebcmvat.de, Zossen und Sarmund und die - l Einkünfte ans den Zöllen zn Lossow nnd Müllrose überwiesen. (fti

Auch alö Knrfürstin leuchtete Elisabeth zunächst durch ihre hohe j Schönheit. Im Jahre ISIS glänzte sie unter allen Frauen, welche ( , dem berühmten Turnier zu Neu-Ruppm beiwohnten, als die schönste ^ Krone; eS war nur Eine Stimme, daß die erste Frau im Lande auch e die schönste sei. ß"