Die Ausgaben an Armen-Unterstütznng betragen demnach:
636 Thlr 24,; gs. mehr als im Jahre 1858/39 ,593 „ 1 „ „ „ „ „ 1859/60
387 „ 2,^„ „ „ „ 1860 61
dagegen 232 „ 18 „ weniger als im Jahre 1861/62.
Hiernach haben nun zwar die Ausgaben an Armemmterstützung die Höhe des vorhergehenden Jahres nicht erreicht, allein das vorhergehende Jahr (1861/62) war in Folge der Mißernte ein durchaus ungünstiges, es erforderte zur Linderung der Noth außerordentliche Mittel und muß deshalb bei einer Vergleichung der Ausgaben unberücksichtigt bleiben. Eine Vergleichung der Ausgaben des JahreS 1862 auf 1863 mit denen der Jahre 18SNS9, 1839/60 und 1860/61 ergiebt aber von Neuem wieder eine Steigerung der Armenlast und mahnt Armeucommission und Gemeinderath, auf Mittel und Wege zu sinnen, wie der immer weiter um sich greifenden Verarmung Einhalt gethan werden könne.
Die Äusdingungsgelder sind für 36 Arme bezahlt worden, die Mouatsgelder an 22 Arme; die Nahrungsmittel für SO Familien bezw. einzeln lebende Personen, die Kleidungsstücke an 41 Personen; die Feuerung an 43 Arme; die Heuergclder für 45 Arme; die Krankenpflege für 27 Arme; Unterricht für 63 Kinder; sonstige Unterstützungen au resp. für 6 Kinder.
Es sind überhaupt unterstützt worden:
g.) 96 Arme, welche regelmäßige Unterstützungen erhalten haben,
I) 69 außerordentliche Arme, welche wirkliche Unterstützungen erhalten.
Die Ausgaben der Armencasse an eigentlicher Armm-Unterstützung betragen auf den Kopf der Bevölkerung, diese nach der Volkszählung vom 3. Deebr. 1861 zu 2637 Seelen angenommen, 1 Thlr. 1 HI gs. gegen 1 Thlr. 4 gs. im Jahre 1861/62,
„ - , 29'/, „ „ „ 1860/61,
„ - „ 28-/2 „ „ „ 1859/60,
„ - „ 27-/2 „ „ „ 1658/59,
„ 1 „ 2 „ „ „ 1857/58,
und es sind 12 Monate Classen- und Einkommerstever als Armen- Beitrag erhoben worden.
Bon den Ansverdnngenen ist einer im Kloster Blankenburg; ein anderer befand sich in der Strafarbeitsanstalt in Vechta; ferner befinden sich unter den Ansverdnngenen 1 Taubstummer, 5 Geisteskranke und 3 gebrechliche Personen, 12 alte arbeitsunfähige Leute und 2 verkommene Snbjecte, die übrigen sind Kinder, worunter 6 gebrechliche. So weit irgend thunlich, werden die ansverdnngenen Armen bei Verwandten untergebracht, und die Armen-Commission ist nach wie vor bemüht, dieselben nur ordentlichen Leuten, die Kinder namentlich nur solchen Personen anznvcrtrauen, von welchen man erwarten darf, daß sie dieselben angemessen beschäftigen, gehörig in die Schule schicken und zu nützlichen Mitbürgern der christlichen Gesellschaft erziehen.
Die Mouatsgelder sind alten Leuten und Wittwen verabreicht und werden nur bewilligt nach vorgängiger sorgfältiger Prüfung der in Betracht kommenden Verhältnisse; nur wo eine augenblickliche Noth zu lindern ist, tritt der Armcnvater selbstständig handelnd ein.
Die verabreichten Nahrungsmittel bestehen in Brod, Mehl und. Grütze, in einzelnen Fällen auch in Kartoffeln, kranken Personen wird auch Kaffee, Weißbrod rc, verabreicht.
Ein Kranker ist in- P.-F.-L.-Hospital untergcbracht gewesen; sechs Arme sind verstorben.
Den Industrieschulen ist auch in diesem Jahre wieder eine Beihülse gewährt worden, und zwar zu Harrierwurp, Saudfeld und Oberhammelwarden von 10 Thlr. Gold und zu Hammelwarden von 15 Thaler Gold.
Um diejenigen Armen, welche Lust zur Arbeit haben, solche aber nicht finden können, zu beschäftigen, dagegen aber die Arbeitsscheuen von der Armencasse fern zu halte», ist auch in diesem Jahre wieder Flachs äugeschafft und den Leuten zum Spinnen gegeben worden, die desfälligen Ausgaben haben betragen 66 Thlr. 18,gs., und aus dem verkauften Garn ist ein Erlös erzielt worden von 73 Thlr. 9,2 gs.
Hammelwarden, 1864 Dccbr. 5.
Die Armcncommission.
R. Mehcr.
V e r m i s ch t e s.
Ein Münchener Locolblatt erzählt: Am 4. d. Früh 4 tlhr entstand in Weilheim bei dem Advvcaten Meipner durch Torfaschc eine Feuersbrnnst, welche Wohnung und Bureau desselben 'cinäscherten. Bei dwscr Gelegenheit ereignete sich etwas, das an die sogenannten „Weil- heimcc (Hirschauer) Stücke" erinnert. Herr Dr. Meixuer soll nämlich um den Inhalt seines SchrcibkastcnS bekümmert gerufen haben.: „Wenn ich nur meinen Sccrctair draußen hätte! Holt doch meinen Sccretär heraus!" Da stieg ein Bauer ans die Leiter zu dem be
zeichnten Fenster und rief hinein: „Herr Secretär, gehn's 'raus; Es brennt!"
Fräulein Luise Braun auf dem Menberge bei Köln, welche einen Knaben, der auf dein Eis eingebrochen war, vom Tode gerettet hat, als selbst die anwesenden Männer die Rettung nicht wagten, hat von der Königin ein goldenes Medaillon mit dem Doppelbildniß des Königs und der Königin erhalten. Dasselbe war von folgendem Handschreiben begleitet: „Eben vernehme ich die Thal aufopfernder Nächstenliebe, durch welche Sie Mnth und Geistesgegenwart bewiesen haben. Es gereicht Meinem landesmütterlichen Herzen stets zur Freude, wenn Ich eine solche anerkennen kann, um so mehr, wenn sich der weibliche Beruf in seinem vollen Werth durch edle Beispiele kundgiebt. Empfangen Sie mit dem Ausdruck Meiner Theilnahme beifolgendes Andenken Augusta."
Wiesbaden, 16. Januar. Vor nicht langer Zeit hat sich, wie der ,,D. A. Z." von hier aus geschrieben wird, ein Fremder im Spielsaal erschossen, so daß sein Gehirn und Blut über den Roulette- Tisch spritzte. Man wechselte den Spieltisch und spielte weiter.
Kürzlich starb in Mailand eine fast 90jährige Dame, Francesca Scanagatta. Nach einer von ihr hinterlasscnen, von der „Perseve- ranza" mitgetheilten Selbstbiographie hatte sie in ihrer Jugend, von Tasso's Clorinde begeistert den Entschluß gefaßt, in die kriegerische Laufbahn cinzutretcn. In Beglcitnng ihres Vaters kam sie 1794, als Jüngling verkleidet, nach Wim und trat als Francesco Scanagatta in die Akademie, wo sie sich anszeichnew. Im Jahre 1797 zum Fähnrich ernannt, blieb sie drei Jahre in österreichischen Diensten ohne daß Jemandjeinc Ahnung von ihrem Geschlechts hatte. Erst als der Vater ihren Vorgesetzten die Wahrheit enthüllte, wurde sie ehrenvoll entlasten ! und erhielt eine Pension, Im Jahre 1804 vermählte sie sich mildem ! Capitän Spini und verlebte mit diesem eine glückliche Ehe bis zu seinem ; 1831 erfolgten Tode.
! Chicago ist in Betreff des Pökelgcschäfts eine große Rivalin von Cincinnati geworden, und beansprucht die „Gartenstadt' gegenwärtig, die wahre „Procopolis" zu sein. Im Jahre 1863 wurden in Chicago 904,959 Stück Schweine eingcpökelt, 1864 wurden daselbst seit dem Beginne der Saison von: 1. Oktober zum 4. December 504,214 Schweine zugcführt; verschifft wurden in derselben Zeit 131,655 Stück, so daß zum Einpörcln 372,559 Stück verblieben. Chicago beansprucbte aber auch den ersten Rang unter den westlichen Städten in Betreff des Einpökel,is von Rindfleisch, da im letzten Jahre daselbst über 70,000 Stück Rindvieh im Werthe von mindestens 4,000,000 Dollars cin- gepökelt wurden.
In einer Gesellschaft von den Amerikanern wurden viele haarsträubende Jagd- und Reiseabenteuer erzählt. Ein Sportsman schien den anderen anderen überbictm zu wollen. Der Gentleman, an den die Reihe zuletzt kam, s agtc: „Drei Indianer mit blitzenden Tomahawkes in den Händen, jagten mich ans einer Prairie. Ich lief was ich nur laufen konnte, sah jedoch, das; ich kaum eine Aussicht hatte, den Schnell- süßen ans die Länge zu entrinnen. Da bemerkte ich, zurückblickend, daß einer meiner Verfolger den zwei anderen weit voransgeeilt war. Diviüo ot ims/sru, dachte ich, ließ ihn herankommen — furchtbarer, aber kurzer Kampf — ich erschlug ihn und lies weiter. Nach einer Weile kam auch der zweite Indianer mir auf den Leib, auch er mußte ins Gras beißen. Aber nun begann mir die Kraft znmRennncn wie znm Raufe» anSzugeheu. Der dritte Indianer war wie ein Tiger hinter mir drein — schon fühlte ich seinen Athem auf meinen Nacken, da — „Schlugen Sie auch ihn todt?", fragten die ungeduldigen Zuhörer. — „Nein, cr schlug mich todt!" schloß der Erzähler ruhig.
Gerichtözcrtrmg.
Amtsgericht Brat c.
Ordentliche Polizeigcrichtssitzung am 7. Februar 1865, Vorm. 10 Uhr.
GcrichtSschöffen: Herr Proprietär Jacob Schumacher Oberhammelwarden,
Herr Küpcrmeister G. AlbcrS zu Brake.
Die Verhandlungen werden betreffen:
1. Beleidigung, und Werfen mit Steinen,
2. Verunreinigung deS öffentlichen Weges und Platzes bei der s. g. Blocks Schlcnge,
3. Desgleichen.
