Die Ausgaben im Jahre 1862'63 betragen nach der Armcnrcchnnng im Ganzen 2015 Thlr. 3gs.
darunter an Vorschüssen für andere Gemeinden 17 „ 17,,
bleiben ftöll?" ,Z ftöhZ
und an nicht eingekommencii Armenbeiträgen 53 „ 20 „
bleiben 1943 „ 2V „
In dem Rechnungsjahre 1881/62 sind dagegen
nur verausgabt 1518 ,, —„
mithin pro 1862/63 425 ,, 20 ,,
mehr als im vorigen Jahre 1861/02.
In Betreff dieser bedeutenden Mehrausgabe muß jedoch noch bemerkt werden, daß
n) u, der Rechnung pro 1802/63 2!6 Thlr. 20 gs. Ausgaben enthalten sind, welche vom vorigen Jahre hcrrühren und pro 1861/62 unbcrichtigt geblieben waren,
Ich pro 1862,63 ausnahmsweise ganz hohe Unterstützungen haben verabreicht werden müssen, namentlich:
an den blinden Arbeiter Hcinr. Meyer zn Klippkaunc und dessen Familie 113 Thlr.,
an Wittwe Schmeyer- für sich und namentlich für ihren Svhn, welcher zur Wiederherstellung seiner verwachsenen Füße längere Zeit in Oldenburg sein mußte, 110 Thlr. an Catharinc Behrmann, welche am Veitstanz litt und auch sonst krank War, 104 Thlr.
Die Ausgaben der Armencasse an eigentlicher Armcnnnterstützung betragen pro 1862/83 nach Rubrik V. Pag. 26. der Rechnung 1598 Thlr. 24 gf., wovon auf den Kops der 1389 Seelen betragenden Bevölkerung 1 Thlr. 4'/, gs. fallen.
Zur thcilweiscn Deckung der Armcnausgabeu sind an Armenbei- trägen ausgeschrieben worden:
nach der früheren Schätzung
j)NO 1856/57 für
12
Monate 1498 Thlr.
25 gs.
.1857/58 „
16
„ 1844
„
-7V- ÜI-
1858 59 „
12
„ 1566
20 „
1859/60 „
12
„ 1595
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nach der Classcn- unt
) Einkoinmcnstciier .
pro 1860/61 für
9
Monate 1087
28ft4 „
1861/62. „
12
„ 1364
„
llhft „
1862/63 „
15
„ 1707
,,
„
Ein löpsündiges Brod hat im Rechnungsjahre 1862/63 gekostet:
!3'-/I; gs. nnd 14-chr gs.
Im Rechnungsjahre 1862/63 betrugen die Ausgaben an Armeu- Unterstütznng im Ganzen 1598 Thlr. 24//,., gs. und nach den einzelnen Abtheibnngen der Rechnung in diesem und den vorhergehenden vier Jahren:
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Mit Ausnahme der AuSdiugimgSgclder, welche in dem letzten Jahre weniger sind, als früher, sind fast alle Rubriken in, letzten Rechnungsjahre nach dieser Uebersicht mehr oder weniger in. ihren Beträgen leider gestiegen.
Durch diesen Bortrag glaubt die Unterzeichnete Armencommission den Zustand des Armeuwescns dargelegt, mithin die ihr obliegende des- sällige Aufgabe vollständig erledigt zu haben und bittet sie schließlich noch um möglichste Mitwirkung zur Verbesserung und Erleichterung der Armenpflege. Zur Entgegennahme jeglicher darauf Bezug haben, der Vorschläge erklärt sie sich gerne bereit.
Armen-Eommission zu Golzwarden,
1864 April 4. A. Kloppenbnrg.
TKrldrrLrbArisch.
In oft übersehenen Winkeln politischer Zeitungen, die sich in der ! Regel mit den geist- und fleischlosesten Nachrichten und Gerüchten und ! Ansichten füllen müssen, fand sich auch neuerdings eine wissenschastlich-
! praktische Notiz über „Fl e i sch - Exta c t" d. h. die wesentlichsten
! und nahrhaftesten Bestandtheile des Fleisches ausgezogen, befreit von l den werthlosereu und festeren, schweren und nur viel Fracht kostenden ! Bestandtheile. Dieses Fleisch-Extract, von Liebig untersucht, läßt sich ! aus dem in Südamerika jetzt huudcrtcentnerweise in Meer und Fluß ! geworfenen frischen Rindfleische leicht nnd in großen Massen gewinnen nnd in Europa zn billigen Preisen als kräftiges Nahrungsmittel bieten. Es ist bekannt, daß in den furchtbaren Ebenen und Haciendas Südamerikas ungeheuere Rinder- und Büffel-Hcerden mnherlaufen, von denen an bestimmten dazu eingerichteten Orten oft Hunderte ans einmal in die Enge getrieben und getödtet werden, bloS um ihrer Häute willen.
Höchstens schneidet inan ihnen die Zunge aus, die getrocknet Schisfsla-
l dnngSwcise nach England kommen, wo sie manchmal wie ungeheuere Haufen Knüppelholz oder ausgerottctc junge Baumstämme aufgehänft liegen nnd anfgeweicht und gekocht eine delicate Nahrung liefern. In Deutschland habe ich noch keine solche Zunge bemerkt, geschweige Haufen derselben. Vielleicht kann man solche Zungen in Delikateßkellern für fabelhaften Preis bekommen, aber nicht als Bereicherung unserer volkSthnuilichen Nahrung.
Nun macht uns die Wissenschaft Aussicht aus Extract aus diesem jetzt meist nmkvmmenden prächtigen Wild-Rindfleisch Südamerikas, d. h. auf eine dickflüssige Masse, ziemlich thener, aber in sofern billig, als mau von einem Pfunde Extract zwanzig und mehr Pfund gute Suppe machen, könne Das sicht nach etwas aus; aber erstens ist's in uiiscrm lieben, politisch cnmiyirtcu und vernergelten Deutschland von der Wissenschaft zur Praxis ungeheuer weit, nnd zweitens bleibt Suppe Suppe und wird kein Fleisch. Wahrend man uns wissenschaftlich auf Fleisch-Extract-Suppe den Mund wässrig gemacht, hauen die Engländer schon tüchtig in das Fleisch selbst ein. Im dichtesten Gewühl der City-Hauptstraße zn London, 153 Cheapside, in LecdS nnd anderen i Orten, liest man: --Loutsi Tmorioun. LsL-EoiupLr,)-" »Look «t ! tlirso pt-uov psi- pouncl" — „Südamerikanische Rindfleifch-Com- ! pagnie — Rindfleisch zn drei Pence oder 2hft Sgr. per Pfund" —
! und ohne Knochen und so dicht und derb, daß jedes Pfund anfgeweickt f zn 2—3 Pfund saftigen, frischen Fleisches wird.
1 Also daS wirkliche Fleisch n 1 Sgr. für s Pfund statt des in
> Aussicht gestellten syrnpariigcn Extracts, der, wenn ich nicht irre, viel i über 1 Thaler Pro Pfund kosten soll und dann doch mir Suppe lic-
fern kann.
! In der Lheuersien dichtesten Geschäftsgegend Londons hat die süd- i amerikanische Rindfleisch-Compagnie ihre Hauptnie/erläge zum Verkauf : in, Großei, ctablirt, große Räume und Säle vcllgepackt bis an die j Decke mit imgcheurrcn Paketen n 112 Pfund. Diese dicht übereiuau- ^ dergepacktm, soliden Pakete enthalten ganz Licht ziifammenprcßtes, frisches,
> solides, südamerikanischeS MnSkrl-Rindslcisch, das in. Ganzen ck 2'/,
- Silbergroschen pro Pfund au eine Menge Kleinhändler, Wiederverkäufen j und Restaurateurs verkauft wird.
! Es wird in Südamerika an Ort.und Stelle sofort in Scheiben l zerschnitten und an der Sonne getrocknet, wodurch es nichts Wesenl- l licheS verliert, als seine Wasser-Bestandtheile, die sich also sofort i überall wieder ersetzen lassen. Die so getrockneten Stücke werden dann l durch eine mächtige Presse so dicht und fest zu einer Masse znsammen- j gedrängt, daß sie vcrhältuißmäßig nur wenig Raum rinnchmen und j keine erhebliche Fracht kosten So kommt cs, daß die Engländer, die ! bereits schon längst mehr als doppelt so viel stickstoffhaltige, sabstan- I tielle Nahrung zn sich nehmen, als die Deutschen und Franzose»! nun auch schon die Wohlchat deS südamerkkauifchcn Fleischüberflnsfes ü 2 Hst Sgr. pro Pfund genießen, worauf uns erst die Wissenschaft eine entfernteste Aussicht in noch fraglicher Ferne eröffnet.
Auch das frische Fleisch als solches wird gepökelt impor tirt und ist eben so billig zn haben. In Glasgow u. s. w. hat man bereits gewisse öffentliche Bangncts veranstaltet , um den ärmeren und arbeitenden Classcn die neue, wohlseile Nayrnng auf die praktische Weise durch Kosten und Sclbsteffen zn empfehlen j ES liegt uns deshalb nahe, auch gleich praktisch anzufangen, statt auf den von der Wisteuschast in Aussicht gestellte!! Extract zn warten. Mau konnte zunächst Probc-Ccutner von der Londoner Compagnie beziehen und dann znsehen, ob sich nicht Capital und Unternehmungsgeist vereinigen lasse, ganze Schiffsladungen von Südamerika selbst szu im- portiren. Das wäre doch wohl eiwaS Anderes, als unsere.trockene uud- trostlose Politik.
