hier zu erwarten. Er kann mich dann nach Hause geleiten. Isidor war mein Schirm und Schutz auf dem Herwege.
„Dann nimmst Du bei-mir den Thee, Schwesterchen", versetzte Kathinka. „Hermann ist heute in dienstlichen Angelegenheiten mehr beschäftigt, als gewöhnlich, und kommt wahrscheinlich etwas später als sonst."
Sie zog die Glocke und befahl ihrer ehemaligen Amme, die sogleich nach dem Begehr ihrer jungen Gebieterin sich erkundigte, sie solle den Ssammowar bringen und für ein frugales Abendbrod sorgen.
Heiter plaudernd, blieben die Freundinnen einige Stunden beisammen. (Forsetznng folgt.)
Ein Lied vom Salz. *)
Aus Preußen.
Noch immer starben die Luculle nicht,
Noch immer wiegt auf Rosen sich der Prassen.
Das Brod heißt „Auster," das der Reiche bricht;
Im Blut der Rebe perlt für ihn das Wasser;
Ihm dient das Roß, ihm fliegen die Corrossen,
Und sein Daheim durchglüht des Goldes Licht Und hat ihm Wonnen sonder Ziel erschlossen —
Noch immer starben die Luculle nicht!
Vom Berg zum Thale führt ein steiler Pfad,
Doch steiler nicht wie vom Palast zur Hütte,
Wo Elend schuf das Proletariat,
Wo Krankheit haust, wo Freude hemmt die Schritte.
Dich schrecken die Gestalten bleich und hager —
Nach Arbeit schreit der Mann, das Kind nach Brod ;
Zum Heiland schreit das'Weib vom Krankenlager —- Der Heiland in den Hütten ist der Tod!
Der Reiser Gluth verräth die Mittagsstund',
Es brodelt matt die karge Gottesgabe;
Fürwahr, zu wenig für des Reichen Hund Und doch so vieler Lippen milde Labe!
Die Lust der Sinne läßt die Noth zerstieben,
Dem Armen ist der Hunger Fleisch und Wein;
Und von des Reichen Mahl ist ihm geblieben Der Erde Thräne nur, das Salz allein!
Wie tief das Elend auch den Menschen stürzt,
Er athmet auf bei seinen trocknen Bissen,
So lang' noch Salz das Brod der Armnth würzt. — Erbarm' es Gott, auch das wird ihm entrissen!
Der Staat — de- Salzes Hüter und Gebieter —
Wirft auf das Salz der Steuer Doppellast!
Des Reichen Scheffel wohl drückt sie nicht nieder —
Des Armen Körnlein — ach, erdrückt sie fast!
O, wollt ihr Blühten, wollt ihr Früchte schau'n,
So geht zum Weinstock, beugt die stolze Palme Und sangt den Duft der Blume auf den An'n —
Verlangt nicht Fruchte vom verdorrten Halme!
Mit Steuern trefft des Luxus eitle Gabe:
Livree, Earrosse, Gold und Edelstein;
Belastet nicht des Elends letzte Habe:
Das Salz des Arme» muß euch heilig sein!
Was segnend guillt ans unsrer Heimath Born,
Das will uns Gott als unser Erbe zeigen!
DeS Landes Most des Landes Salz und Korn,
O, gebt's dem Volke unverkürzt zu eigen!
Zn lange währt des Elends dumpfes Schweigen,
So Tönt' ein Schrei empor zum Haupt des Staates;
O, mög' es donnernd bis zum Throne steigen,
Das Lied vom Salz des Proletariaets!
(Gartenlaube.)
Darlegung des Zustandes des Armemveseus in der Gernemde Golzwarden für dr-s Rechnungsjahr rwM 2. Mai 2882 bis ZO. April 2888.
Nach geschehener Feststellung der Golzwardcr Armenrcchnung pro
1. Mai 1862 bis 30. April 1863 wird von der Armencommission zufolge Art. 167. der Gemeinde-Ordnung über den Zustand des Ar
ft Zu besserem Bcrständniß theilen wir unfern Lesern mit, daß das Salz in Preußen nicht allein mit einer ungeheuren Steuer belastet ist, sondern auch von der Regierung bestimm wird, wie viel davon jede Haushaltung verbrauchen muß. Zur Controlc des Verbrauchs hat jede Haushaltung ein Buch, wviinftdie Niederlagen das Quantum, welches jeweilig geholt wird, zu verzeichnen haben. T. Red.
menwescns in der Gemeinde Golzwarden die nachfolgende Darlegung ^ ; gegeben.
I. DaS Personal zur Besorgung der Armenpflege bc- '
treffend.
Die Armencommission besteht aus folgenden acht Personen: i
1. anS den: Gemeindevorsteher Kloppenbnrg zu^ Klippkanne als Vorsitzenden,
2. aus den Gemcinderathsmitgliedern I. H. Töllner zu Golzwarden und A. Janssen zu Schmalenfletherwurp,
3. aus den vier Annenvätern: '
Luder Coldewey zu Golzwarden,
U. Lübben zu Schmalenfletherwurp,
D. G. Coldewey zu Boitwardm und R- Dierksen daselbst.
4. aus dem Herrn Pastor Eggerking zu Golzwarden.
Als Gemeinde-Rechmmgsführer fimgirt der Rechnungssteller Ho- ting in Rodenkirchen, und als Armenbote der Arbeiter I. H. Schulz ^ zu Schnappe.
II. Die Geschäftsordnung betreffend.
Die Arniencomimssion hält am ersten Mittwoch Nachmittage eines jeden Monats in Kleine's Gasthause zu Golzwarden regelmäßig eine öffentliche Sitzung ab.
Die Ansdmgiing der Armen, des Brodcs und der Särge für die Annen geschieht jährlich in der Regel im Monat März. ^
III. Die Rechnungsführung betreffend. 1
Die Armenrechnung wird im Aufträge des Gemeinderaths von den - ^ beiden Mitgliedern desselben U. Lübben 8sru zu Golzwarderwurp und I. C. Fischbeck zu Boitwarden jährlich monirt und ist die letzte Armenrechnung pro 1862/63 denn auch von diesen beiden Monenten revidirt und sodann von dem Gemeindcrathe festgestellt worden.
Die erforderlichen Hebungen und Auszahlungen beschafft der Rech- nnngsführer nur nach vorheriger Anweisung von dem Gemeinde-Vorstände zufolge des festgestellten Voranschlags.
IV. Den Zustand des Armen-Vermögens der Gemeinde betreffend.
Das Armen-Vermvgen der Gemeinde besteht mir in den zinstragend ausstehenden Capitalien ucl 2935 Thlr. 7,, gs. Gold. ^ ^
Immobilien besitzt die Armengemeinde nicht.
V. Die Armen und die denselben verabreichten l A
Unterstützungen betreffend. ' Kj
Die in dem rnbricirtcn Rechnungsjahre überhaupt unterstützten 154 ^
Armen der Gemeinde Golzwarden stellen sich, wie folgt,-zusammen: u) ans 116 Armen, welche regelmäßige Unterstützungen erhalten haben, worunter i
34 Tvtalarme und r
120 Partialarme,
ss) aus 38 außerordentlichen Armen, welche wirkliche Unterstützungen erhalten haben.
Von den Total-Armen sind 14 Kinder — darunter 8 uneheliche — und 8 Erwachsene in Kost und Pflege gegeben und von de» Partial-Armen 6 Kinder und 3 Erwachsene ansverdnngcn gewesen.
Unter den Ausverdnugencn befinden sich eine geisteskranke und eine / blinde und lahme Person. /
Die durchschnittliche Ausgabe für ein schulpflichtiges Kind, ausser : den Ausgaben in Krankheitsfällen hat betragen ca. 10'/ft Thlr. und -
für ein noch nicht schulpflichtiges Kind, gleichfalls außer den Ausgaben ft
in Krankheitsfällen ca. 20'/ft Thlr. - ft
Für die nicht ansverdungen gewesenen Totalarmen sind durch- ft schnittlich ü. Person 23 Thlr. bezahlt. ft
Die Partialarmen sind namentlich durch Bezahlung des Schul- ss geldes und der Arznei sowie durch Bcihülfen zur Miethe re. unterstützt ^ worden.
Schenkungen, Vermächtnisse und freiwillige Beiträge sind der Armen- casse nicht zu Gute gekommen.
Monatliche Gelvunterstützungen sind an 3 Familien und S einzeln- lebende Personen verabfolgt. -
Die angeschafftr» 32 Fuder Torf erhielten 6 Familien und 1L ft einzelnlebende Personen. ss
9 Familien und 14 einzelnlebenden Personen erhielten Bcihülfeznr ft Miethe. -
ES sind S uneheliche Kinder ansverdnngcn gewesen und dafür im ft^
Ganzen 191 Thlr. bezahlt.
Im Jahre 1861/62 sind für 12 uneheliche Kinder 230 Thlr. und im Jahre 1860/61 für 15 uneheliche Kinder 251 Thlr. verausgabt, wonach also die ahl der unehelichen Kinder jährlich abnimmt.
Für jede der drei Industrieschulen werden jährlich. 1-.6'/, Thaler Courant Unterrichtskosten bezahlt.
Ja
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