Heimatbeilage für Leer und Reiderland
Folge 1
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Leerer Anzeigeblatt
vereinigt mit
3ur Ostfriesischen Tageszeitung
Allgemeiner Anzeiger
Sonnabend, den 2. Januar
Leer Stadt und Land
Leer, den 2. Januar 1937.
Gestern und heute
otz.„ Die Neufahrnacht still und klar, deutet auf ein gu tes Jahr", wahrsagt ein altes Wort, das ein freundlicher Mann einem Kalender als Wahrspruch für den ersten Tag des neuen Jahres mitgab. Die Neujahrsnacht, in der hell der Mond schien und die still und klar sich über das Land breitete, darf also als gutes Zeichen gedeutet werden das bißchen Knallerei ringsum und das Einläute des neuen Jahres haben die Stille nicht weiter gestört. Den Neujahrstag verlebten wir dann, o Nordseeküstenwinter, bei Regen. Doch haben wir es weiter icht tragisch genommen, denn Regenwetter gehört bei uns ja sozusagen dazu. Frohen Mutes und gewappner mit guten Vorsägen und starkem Willen zum weiteren Einsat für Bolt und Vaterland treten wir den Marsch ins neue Jahr an. Zwar ist die erste Arbeitswoche" etwas furz geraten- fie umfaßt ja nur den heutigen Tag, an dem viele nur bis Mittag, andere überhaupt nicht arbeiten aber dafür gibt es gewiß später um so mehr zu tun. Nun woh, lwir sind bereit. Morgen vormittag wird, wir wiesen bereits zum Jahresschluß kurz darauf hin, der Kreisleiter im Rahmen einer wichtigen, bedeutsamen Arbeitstagung in Leer die für unser Kreisgebiet maßgebenden Richtlinien für die erfolgreiche Durchführung des Vierjahresplanes in grundlegenden Ausführungen bekanntgeben und uns allen damit das Ziel in unserm Bezirk für die Arbeit in der nächsten Zu Tunft zeigen.
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Die Reihe der dieswinterlichen kulturellen Veranstaltungen wird in der kommenden Woche bereits fortgesetzt mit einem Kammermusikabend des ZernickQuartetts am 8. Januar. Weitere Veranstaltungen folgen in nächster Zeit.
Den ersten Beweis unseres Opferfinns fönnen wir heute und morgen in diesem Jahre schon bei der 4. Reich 3= straßensammlung erbringen. Die„ eiserne Rose" soll den schönsten Schmuck für uns alle am Anfang des Jahres 1937 bilden.
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otz. Bestandene Prüfung. Ter Verwaltungsanwärter Ene gelbert Schrader in Bremen, gebürtig aus Leer, ehemaTiger Oberfeldwebei beim L.P..R. 27 Bremen, bestand am 15. Dezember 1936 an der Heereszahlmeister- Schule in Mün chen seine Prüfung zum Reg.- Inspektor. Schrader wird zum 4. Januar 1937 als Reg.- Inspektor zur Luftwaffe nach Sie! versetzt.
otz. Der gestohlene Kraftwagen wieder aufgefunden. Am Donnerstag berichteten wir über die Entwendung eines Kraftwagens. Es handelte sich um einen DKW- Wagen, der einem auswärtigen Kraftfahrer gehört. Den Nachforschungen der Polize behörden ist es gelungen, den entwendeten Wagen ausfindig zu machen. Man fand ihn auf der Strecke Oldenburg- Bremen jetzt in beschädigtem Zustande auf. Die Täter waren offenbar mit dem Wagen, der sich überschlagen hatte gegen einen Baum gefahren. Von den Autodieben, die zwei fellos bei dem Unfall irgendwelche Verlegungen davongetra gen haben müssen, fehlt bis jetzt jede Spur. Es hat sich bestä tigt, daß der in der Georgstraße in Leer aufgefundene Ersatzreifen von den entwendeten Krafwagen herrührt, den die Täter vor ihrer Abfahrt mit einem neuen Reifen verseher hatten. Auch das aufgefundene Fahrrad, das wahrscheinlich aus einem Diebstahl herrührt, ist von den Autodieben hier hinterlassen worden.
Ein 70jähriger tödlich verunglückt
Bon einem Kraftwagen überfahren
1937
otz. Am lezten Tage des alten Jahres ereignete sich auf der Straße Lammertsfehn Selverde ein schmmeter Berkehrsunfall, dem leider ein Menschenleben zum Opfer fiel. Der 70 Jahre alte Einwohner Ferdinand aus Schwerinsdorf wurde von einem Kraftwagen erfaßt und derart heftig zu Boden ge: schleudert, daß er nach furzer Zeit an den Folgen der erlitte. nen Verlegungen verstorben ist.
Auf Anfrage erfahren wir zu diesem Unfall, daß nach den Ermittlungen der Gendarmerie höchstwahrscheinlich der tödlich verunglückte Ferdinand falsch auf der Straße gegangen. ist; das Auto hat vorschriftsmäßig gefahren.
otz. Tödlicher Ausgang eines Verkehrsunfalls. Am Miite woch vergangener Woche wurde, wie wir berichteten, in der Heisfelderstraße ein Radfahrer aus Leer von einem Kraftwagen angefahren und dabei derart schwer am Kopf verletzt daß seine Ueberführung in das Kreisfrankenhaus notwendig wurde. Der Schwerverlette ist am Silvesterabend, nachdem er mehrere Tage ohne Bewußtsein gelegen hatte, an den Fol gen der erlittenen Verlegung verstorben. Bei dem auf so tra
otz. Der Verkauf der Glücksschweinchen ergab in der Leer gische Weise aus dem Leben gerissenen Manne handelt es sich 604,19 M.
otz. Wegen groben Unfugs festgenommen. In der Silvesternacht sind, wie die hiesige Polizei mitteilt, mehrere Feſtnahmen wegen groben Unfugs vorgenommen worden. Leider fennen viele Volfsgenossen bei freudigen und festlichen Anlässen nicht die Grenzen des Erlaubten und lassen ihre Fre denstimmung in Unfug aller Art ausarten. Daß die Aufsichtsorgane wirklich mit Recht den Unfugstistern im Interesse
um den Kaufmann Löhmann, der im besten Mannesalter von etwa 30 Jahren stand; er hinterläßt Frau und dre Kinder.
der allgemeinen Ordnung, Ruhe und Sicherheit in entschiede ner Weise den„ Betries" legen muß, das beweisen einige Fälle von grobem Unfug, die sich ebenfalls in der Silvesternacht an anderen Stellen unseres Kreises zugetragen haben.
Zahlen, die uns zu denken geben
Das Leben in der Stadt Leer 1936 in der Polizei- Statistit.
Die standesamtlichen Erhebungen sind bereits zum Jahresschluß in allen Einzelheiten veröffentlicht worden, über die Bevölkerungsbewegung unserer Stadt Leer werden wir noch Bevölkerungsbewegung unserer Stadt Lecr werden wir noch nach Abschluß der amilichen Erhebungen berichten, so daß heute zunächst
die polizeiliche Statistik
das Wort hat mit ausschlußreichen und interessanten Zahlen über Anzeigen, Unfälle, Uebertretungen, Strafsachen trimineller Art und andere Angelegenheiten, die von der Polizeibehörde bearbeitet werden.
Im Vordergrund unserer Betrachtung steht die Ver= kehrsunfallstatistik, die eine Steigerung der Unfallmeldungen aufweist, und zwar ist die Zahl der im Stadtgebict Leer zu verzeichnen gewesenen Verkehrsunfälle
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von 23 im Jahre 1935 auf 33 im Jahre 1936 gestiegen. Wenn man auch bei dieser Steigerung den in stetem Anmachsen begriffenen Verkehr und die nicht allerorts als aus reichend zu bezeichnenden Verkehrsverhältnisse in unserer Stadt in Betracht ziehen muß, so darf man doch nicht an der Tatsache vorübergehen, daß die Verkehrsunfälle fast ausnahmslos auf die Nicht beachtung der Ver fehrsvorschriften seitens der Beteiligten zurückzuführen sind. Bei den Verkehrsunfällen waren diesmal leider 16 Körperverletzungen zu verzeichnen und darunter wieder eine Reihe Verlegungen schwerer Natur, wie Arm- und Beinbrüche und Gehirnerschütterungen. In einem Falle verlief sogar die Kirperverlegung mit tödlichem Ausgang, während 1935 fein tödlicher Verkehrsunfall sich zuge= tragen hat. Die Verkehrsunfälle hatten in vielen Fällen auch Sachbeschädigungen im Gefolge. 601998
Reichs- Straßen- Verkehrs- Drd=
Zur Regelung der Fetiverforguna in Leerend der Polizei- Verordnung wurden 1936 mit 190
otz. Vonseiten der Stadtverwaltung ist auch für unser| Städtisches Gemeinwesen eine Bekanntmachung über die Regelung der Fettversorgung erlassen worden, zu deren Erläuterung uns nachstehende Ausführungen zur Verfügung gestellt
werden.
Fettversorgung für die minderbemittelte Bevölkerung. Um den minderbemittelten Volfsgenossen die Deckung des notwendigen Speisefettbedarfs zu angemessenen Preisen zu sichern, werden die bisherigen Maßnahmen der Reichsregierung zur Verbilligung der Speisefette für die minderbemittelte Bevölkerung in den Monaten Januar, Februar und März 1937 in folgender Weise fortgeführt und ergänzt:
Stammabschnitte mit Reichsverbilligungsscheinen für Speisefette.
Für die nach den bisherigen Bestimmungen zum Bezug der Reichsverbilligungsscheine berechtigten Personen werden wie berum Stammabschnitte mit 6 Reichsverbilligungsscheinen ausgegeben. Die Stammabschnitte gewährten bisher durch die Reichsverbilligungsscheine" B" einen Anspruch auf bever zugte Zuteilung von 1½ kg Konsummargarine im Vierteljahr. Dieser Anspruch wird vom 1.1.1937 an auf 2% fg Strn fummargarine im Vierteljahr erhöht. Der Stammabschnit enthält demgemäß einen Reichsverbilligungsschein„ A" sowie 5 Reichsverbilligungsscheine„ B", die einen Anspruch auf Zuteilung von je ½ fg Konsummargarine gewähren. Der Bestellſchein lautet dementsprechend über 2½ kg Konsummargarine, von denen je 1 kg in den Monaten Januar und März sowie ½ bg im Monat Februar 1937 lieferbar ist.
Stammabschnitte mit Bezugsscheinen für Konsummatgarine ohne Berbilligung.
hält, ihre Ghefrauen und unterhaltsberechtigten minderjährigen Kinder.
Ueber Art und Umfang der Berechtigung ist folgendes zu sagen. Die Stammabschnitte enthalten vier Bezugsscheine über je ½ tg Konsummargarine zum normalen Verkaufspreis; der angeheftete Bestellschein lautet demnach über 2 bg Konsummargarine. Die Gültigkeitsdauer von drei Bezugsscheinen ist auf je einen Monat begrenzt je ein Bezugsschein entfällt hierbei auf den Monat Jannar, Februar und März 1937, der vierte Bezugsschein kann nach Belie ben in der Zeit vom 1.1. bis 31.3.1937 werwendet werden Die Stammabschnitte sind auf grünem Wasserzeichenpapier Gedruckt.
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Der Bezugsschein gewährt dem Inhaber einen Anspruch au Buteilung von ½ tg Konsummargarine zum vollen Verkaufs preis, sofern er den Stammabschnitt sofort nach Empfang der Verkaufsstelle zum Abtrennen des Bestellscheins vorlegt.
Auf den Bezugsschein kann nur Konsum margarin bezogen werden. Der Schein gewährt feinen Anspruch au Buteilung anderer Margarinejorten oder anderer Waren. Eine Verwendung des Bezugsscheins vor Beginn oder nad Ablauf der aufgedruckten Gültigkeitsdauer ist unzulässig. Zur Annahme der Bezugsscheine sind die zur Einlösung der Reichsverbilligungsscheine berechtigten Verkaufsstellen beingt Bei der Vorlegung des Stammabschnitts hat die Verkaufsstelle den Bezugsschein sofort abzutrennen. Der Bezugs schein wird damit ungültig. Der Stammabschnitt iſt dem Käu schein wird damit ungültig. Der Stammabschnitt ist dem Käu fer zurückzugeben. Auf Bezugsscheine, die nicht mehr mit einem Stammabschnitt zusammenhängen, darf keine Konjum margarine, verasfolgt werden. Die abgetrennten Bezugs scheine sind von der Verkaufsstelle zwei Monate nach Ablau ihrer Gültigkeitsdauer zu Kontrollzween aufzubewahren und dann zu ver nichten. Die zuständigen Verwaltungsbehörden haben die Durchführuga durch Stichproben zu überwachen. Die untere Verwaltungsbehörde ist ermächtigt, Verkaufslich Bezugsscheine außerhalb der aufgedruckten Gültigkeitsdauer beliefern, von der Einlösung der Scheine nach vorheri ger Androhung im Wiederholungsfalle auf bestimmte Zeit oder dauernd auszuschließen.
Anzeigen gegenüber 374 im Jahre 1935 erstattet. Unter diese Fälle, in denen durchweg eine Bestrafung durchgeführt werden mußte, rechnen auch die Anzeigen wegen groben Unfugs, Stehenlassens der Mülleimer und Nichtreinigung der Straße. Man fönnte im Hinblick auf den Umstand, daß die Verminde rung der Uebertretungsanzeigen von 661 im Jahre 1934 auf 190 im Jahre 1936 eingetreten ist, geneigt sein, an eine verstärkte Diszipliniertheit der Bevölkerung im Verkehr zu glauben, wenn nicht auf der anderen Seite die Zahl der ge= bührenpflichtigen Verwarnungen, die seit dem 1. Oftober 1935 in Straft getreten sind und im letzten Viertel des gleichen Jahres 1936 nicht weniger als 1246 erreicht hätte. Diese 1246 gebührenpflichtigen Verwar nungen beziehen sich ausschließlich auf Verstöße gegen die Reichsstraßenverkehrsordnung, und zwar hat der Uebertretende in jedem Falle innerhalb 8 Tagen 1 Mark an die Polizeibehörde zu bezahlen, sofern er nicht sofort nach Begehung des Verstones die Gebühr entrichtet. Die vielen gebührenpflich figen Verwarnungen sind ein deutlicher Beweis dafür, daß die Polizei mit allem Nachdruck bemüht ist, die Verkehrssicherheit zum Wohle der Allgemeinheit aufrecht zu
erhalten. Wo es im allgemeinen Interesse notwendig er scheint, greift die Polizei auch zu schärferen Mitteln, und zwar hat sie in drei Fällen bei Verkehrsunfällen den beteiligten Kraftfahrern den Führerschein sofort
entzogen.
Die Zahl der Polizeigefangenen ist zwar mit 178 im Jahre 1936 gegenüber 103 im Jahre 1935 gestiegen, bleibt aber weit unter dem Stande von 1934, wo noch 200 zu verzeichnen waren, und erscheint verhältnismäßig günstig, wenn berücksichtigt wird, daß auf die Gesamtzahl der Polizeigefangenen allein 86 Durchgangsgefangene entfallen. Die verbleibenden 92 Polizeigefangenen wurden u. a. wegen Trunkenheit, Bettelns, Landstreichens, Devisenvergehens, Be truges, Unterschlagung, Urkundenfälschung, Schmuggelei, Körperverlegung, Sittlichkeitsverbrechen, Diebstahl und fahr
Zum Personenkreis, den diese Regelung besonders angeht, wird folgendes mitgeteilt. Für Bollsgenossen, die nachstellen, die diesen Anordnungen zuwiderhandeln und namentlässiger Brandstiftung in Gewahrsam genommen. ihrer wirtschaftlichen Lage auf den Bezug von Konsummargarine angewiesen sind, ohne daß bei ihnen die Vorausseßun gen für die Gewährung der Verbilligungsscheine erfüllt sind werden vom 1.1. 1937 an Stammabschnitte mit Bezugsscheinon für Konsummargarine ohne Verbilligungs. sch ein eingeführt. Die Margarinebezugsscheine erhalten hier 5 beren und er öffen nach Volksgenossen, deren Lohn und sonstiges Einkommen fich in der Nähe des doppelten Richtsatzes der öffentlichen Fürsorge
In der seit dem 1. Januar 1935 geführten Statistik über Kriminal- Bolizei- Sachen", die Vergehen, Strafsachen w Verbrecher trimineller Natur umfassen, sind 766 in Leer bearbeitete Fälle verzeichnet, während ihre Zahl im Jahre 1935 643 betrug. Von Kapitalverbrechen blieb Leer erfreu Bekanntlicherweise im verflossenen Jahre verschont und bei den bearbeiteten Fällen handelt es sich um einfache und schwere Diebstähle, fahrlässige Brandstiftungen, Münzbergehen, Heh
Die Ausgabezeiten für die Verbilligungs- und Bezugsscheine sind aus der schon eingangs erwähnten ma chung des städtischen Wohlfahrtsamtes in der Ausgab: unserer heutigen Zeitung zu ersehen.
