Wilhelmshavener Tageblatt
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№ 202.
Sonntag, den 29. August 1909.
Die heutige Nummer umfaßt 14 Seiten.önende Funten weniger von magnetischen und anderen Stö- erfolgte.
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35. Jahrgang.
tionen kann dadurch völlig ausgeschlossen werden. Auch sind[ toria zur Bahn, wo die Abreise nach Berlin gegen 2 Uhr rungen der Atmosphäre abhängig. Das Telefunkensystem Berlin, 27. August. Der Kaiser und die Kaiserin hat außerdem den Vorteil, daß es etwa die dreifache Reich- sowie die Prinzessin Viktoria Luise sind heute Abend 7.45 Uhr Unserer Unserer heutigen nummer liegt bei: weite wie das Marconisystem besitzt, wie durch die Apparate auf dem Potsdamer Bahnhof eingetroffen. auf den Schiffen der Hamburg- Amerika- Linie erwiesen wor..llustriertes Sonntagsblatt" Nr. 35. den ist. Die Marconi- Einrichtungen müssen endlich von Be
Deutsche und ausländische Funken=
Telegraphie im Seeverkehr.
amten der Gesellschaft bedient werden, während die Bedie: Die Fahrt des„, 3eppelin 3" nach Berlin.
nung der deutschen Apparate so einfach ist, daß sie von der Schiffsbesagung selbst erfolgen fann.
So= Gunzenhausen, 27. August, 11.45 Uhr vorm. eben wird gemeldet, daß das Luftschiff„ 3. 3" bei Ostheim in Mittelfranken behufs Wasseraufnahme gelandet ist.
Die amerikanische Union hat fürzlich das Gesetz erlassen, daß auf allen Dampfern, die mehr als 50 Personen befördern Gunzenhausen, 27. August. Aus der Umgegend und amerikanische Häfen anlaufen, drahtlose Telegraphen- strömen große Menschenmassen herbei. Die Bauern fahren Der Gefahr der Monopolisierung der drahtlosen Tele- stationen errichtet werden müssen. Zur Verhütung größerer eifrig Wasser an. Die Maschinerie ist völlig intakt. graphie durch die Marconi- Gesellschaft sollte durch Artikel 3 Seeunfälle erscheint diese Maßregel sehr empfehlenswert für des am 1. Juli 1908 in Kraft getretenen„ Internationalen uns an der Nordsee, die eine verhältnismäßig hohe Zahl von Luftschiffsbaugesellschaft ließ sich sofort auf die erste Kunde Nürnberg, 27. August. Ingenieur Schwarz von der Funkentelegraphenvertrages" vom 3. November 1906 vorge- Strandungen aufweist. Bei Erlaß eines ähnlichen Gesetzes von dem Unfall mit dem Telegraphenamt Gunzenhausen verbeugt werden. Dieser Vertrag verpflichtet alle Küsten- und für Deutschland wäre es erwünscht, die Einführung des Tele- binden und von da mit der Fernsprechstelle Spielberg, die der Bordstationen zum gegenseitigen Austausch von Funken- funkensystems für Schiffe obligatorisch zu machen, um der Landungsstelle am nächsten liegt. Von dort wurde ein Mann telegrammen ohne Unterschied des funtentelegraphischen Sy- weiteren Ausbreitung des Marconimonopols einen Damm an die Landungsstelle geschickt, um Erkundigungen einzuziestems, dessen sie sich bedienen. Deutschland hat dadurch völ- entgegenzusetzen. Haben erst alle deutschen Personen- See- hen. Graf Zeppelin jun. ließ erklären, daß er Hilfe von terrechtlichen Anspruch auf die Bedienung durch die Marconi- dampfer Telefunkenstationen, so ist es mit dem Marconimono- Nürnberg nicht benötige, daß er um 1 Uhr wieder abfahre stationen Englands, Italiens usw. erlangt, während diese pol vorbei, zumal auch die nordamerikanische Union demfel- und um 3 Uhr in Nürnberg nochmals landen werde, da das von den deutschen Telefunkenstttionen bedient werden müssen. ben abhold ist und auch Frankreich danach strebt, sich von Luftschiff reparaturbedürftig sei. Dagegen ist eine völkerrechtliche Verpflichtung, nach der auch Marconi freizumachen. Daß die Einführung des Telefunkenalle Schiffe untereinander, gleichgültig, mit welchem funken- systems auf allen deutschen Schiffen im Ernstfalle für die telegraphischen System sie ausgerüstet sind, miteinander ver- Kriegsmarine von größtem Vorteil sein würde, bedarf keines tehren müssen, nicht vereinbart worden. England und Italien Wortes. glaubten im Interesse der Marconi- Gesellschaft, an die sie durch langfristige Verträge gebunden sind, nicht auf die Freigabe des funkentelegraphischen Verkehrs zwischen Schiffen eingehen zu können. Infolgedessen ist die Marconi- Gesellschaft imstande, ihre Monopolbestrebungen auch jezt noch Essen, 27. August. Die Blättermeldungen, daß die unbehindert fortzusehen, so weit der funtentelegraphische Ver: Firma Krupp den Preis des Selterwassers für ihre Arbeiter tehr der Schiffe untereinander in Frage kommt. erhöhte, um den Ausfall des verringerten Bierfonsums einDie Marconi- Gesellschaft hat schon lange vor der von zubringen, find völlig aus der Luft gegriffen. Deutschland im Jahre 1904 angeregten Telegraphenkonferenz an den Hauptschiffahrtswegen in England, Italien, Ägypten, Kanada u. a. D. Funkenstationen angelegt, eine größere Zahl von Passagierdampfern funkentelegraphisch ausgerüstet
Deutsches Reich.
Hofnachrichten.
Gnozheim, 27. August. Graf Zeppelin jun. tele: graphierte an das Süddeutsche Korrespondenzbureau in Stuttgart von 1 Uhr nachmittags:„ Vorderes Zylinderpaar von verderem Motor ist defekt. Die Landung in Nürnberg ist erforderlich."
Gunzenhausen, 27. August. Das Luftschiff„ 3. 3" ist wieder aufgestiegen und hat den Ort um 2.30 Uhr passiert. Roth a. Sand, 27. August. Das Luftschiff„ 3. 3" ist von hier aus in Sicht und befindet sich zur Zeit über Helmsaurach. Das Luftschiff fährt in der Richtung Schwabach direft auf Nürnberg zu.
fann.
Schwabach, 27. August, 3.58 Uhr. Das Luftschift. 3. 3" fährt über unsere Stadt. Es fährt in 100 Mtr. Höhe. Nürnberg, 27. August, 5.10 Uhr. Die Landung des Rinteln, 27. August. Das Kaiserpaar mit der Prin- 3. 3" ist bereits um 4.15 Uhr auf dem etwa 600 Meter hinter dem Duzendteich mitten im Walde befindlichen Landungsund in Betrieb genommen. Sie gewann dadurch nach und zessin Viktoria Luiſe und dem Prinzen Oskar traf halb 1 Uhr plage, einer großen Waldlichtung, glatt erfolgt. Augenblicknach nahezu ein Funkenmonopol für den Seeverkehr. Die im Hofzuge von Wilhelmshöhe tommend hier ein und fuhr im englischen Küstenstationen am Kanal sind sämtlich mit Mar- offenen Wagen unter Glockengeläute nach dem Stift Fischbed, lich wird noch an der Verankerung gearbeitet. Im Laufe des coni- Apparaten ausgerüstet. Bei der Wichtigkeit dieser Fahr: wo nach altem Zeremoniell die übergabe des übtissinnenstabes Abends soll der neue Daimlermotor eintreffen und wird dann straße für deutsche, in den Atlantischen Ozean gehenden Schiffe an die älteste Stiftsdame Frau v. Buttlar durch den Kaiser sofort eingesetzt werden, so daß noch im Laufe der Nacht oder mußten sich leider auch die deutschen großen Schiffsgesellschaf- erfolgte. Nach der firchlichen Feier pflanzte der Kaiser auf sogar spät abends die Weiterfahrt nach Bitterfeld erfolgen ten Lloyd und die Hamburg- Amerika- Linie dazu entschließen, dem Gutshofe des Stiftes eine Linde. In den festlich ge- Nürnberg, 27. August, 4.30 Uhr. Amtliche Melstatt des deutschen das Marconisystem auf ihren Schiffen ein- schmückten Straßen bildeten Schulkinder des Kreises Rinteln zuführen, um bei der Kanalfahrt und im Ozean auf der und Kriegervereine Spalier. Der Kaiser hielt bei der über- dung.„ Luftschiff„ 3. 3“ glücklich gelandet. Hat Motorde= Amerikareise nicht isoliert zu bleiben und mit anderen reichung des Äbtissinnenstabes an die Äbtissin des adligen torengesellschaft kommt um 8 Uhr mit einem Zylinder, welfeft. Sonst fehlt weiter nichts. Monteur von Daimlermo= Schiffen verkehren zu können. Damenstifts Frau v. Buttlar folgende Ansprache:„ Meinem Speziell bewog der Zusammenstoß zwischen den Damp- lebhaften Interesse an dem adeligen Damenstifte Fischbed mit cher ausgewechselt wird. Sobald dies geschehen, nimmt LuftNürnberg, 27. August, 4.40 Uhr. 3. 3" ist um fern Republik“ und„ Florida" im Februar d. I. den Bre- seiner fast tausendjährigen sagenumwobenen Geschichte und schiff seinen Weg wieder auf. Gez. Ingenieur Schwarz." mer Cloyd dazu, seine sämtlichen großen Passagierdampfer seinen wechſelvollen Schicksalen habe ich bereits vor fünf Jah- 4.30 Uhr auf dem Duhendteich in Nürnberg glatt gelandet. mit drahtloser Telegraphie auszurüsten und dazu das bisher ren Ausdruck geben können, als ich in Gemeinſchaft mit Ihrer Um 4.28 war die Verankerung beendet. Nachdem der junge für Schiffe gebräuchliche System Marconi zu wählen. Mit Majestät der Kaiserin und Königin, meiner Gemahlin, hier Graf seinen Fahrtgenossen die nötigen Anweisungen gegeben diesem System sind im ganzen zurzeit etwa 150 Fahrzeuge an der Jubelfeier des Stifts und der Wiedereinweihung der hatte, begab er sich in die Stadt. Zuvor hatte Regierungsausgestattet, denen nur 18 deutsche und 8 andere Ozeanfahrer altehrwürdigen Stiftskirche teilnahm. Damals habe ich, wie präsident v. Graul ihm seine wärmsten Glückwünsche ausgemit einst König Otto I., später der erste Kaiser der deutschen Na sprochen. Der unfreiwillige mehrstündige Aufenthalt in Ostgegenüberstehen, die mit dem Telefunken- oder
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dem englischen de Forest- System ausgerüstet sind. Auch der tion, durch seinen Gnadenbrief vom 10. Januar 985, das Stift heim wurde von den Ingenieuren des Luftschiffes benutzt, Österreichische Lloyd hat vor kurzem englische Funkenapparate unter meine besondere landesherrliche Schirmherrschaft ge- um eine genaue Untersuchung der Motoren und der Propeller eingeführt, um im telegraphischen Seeverkehr nicht isoliert ſtellt. Heute bin ich in Ihrer Mitte erschienen, um Ihnen vorzunehmen. Es stellte sich heraus, daß an dem einen Pro= zu bleiben. Die Hamburg- Amerika- Linie hatte auf der einen neuen Beweis meiner Huld und Gnade zu geben. Ich peller eine Schraubenloderung stattgefunden hatte, und „ Deutschland" anfänglich Telefunkenapparate angebracht, habe beschlossen, dem Stifte einen Äbtissinnenstab zu verleihen, gleichfalls der Zylinder eines Motors gesprungen war. Die mußte sie aber wieder entfernen, weil jeder Verkehr mit den welcher von der jedesmaligen übtissin bei feierlichen Gelegen Schraube wurde wieder fest angezogen und dann die WeiterMarconischiffen ausgeschlossen war. So ist leider das Han heiten als Zeichen ihrer Würde getragen werden soll. Nehmen fahrt um 1.50 Uhr mit einem Motor angetreten. Infolgedelsinteresse der Marconi- Gesellschaft ein Hindernis für die Sie, hochwürdigste Frau Äbtissin, aus meiner Hand diesen dessen betrug die Fahrgeschwindigkeit nur 20 Kilometer per Regelung eines hochwichtigen Zweiges des internationalen mit meinem kaiserlichen Wappen und demjenigen des Stiftes Stunde. Trotz alledem manöverierte das Luftschiff, als es Verkehrs geworden. Augenblicklich befinden sich, den B. geschmückten Stab. Möge er Ihnen und den Ihrer Leitung über Nürnberg hinwegfuhr, ganz vorzüglich und ließ sich in N. N." zufolge, Bordstationen für drahtlose Telegraphie auf anvertrauten Damen wie allen Ihren Nachfolgern ein Sinn- elegantem Bogen schließlich langsam auf dem Duzendteich deutschen Handelsschiffen 43. Der Heimathafen für 30 von bild sein des göttlichen Steckens und Stabes, dessen wir alle nieder, woselbst 120 Soldaten des 14. Bayerischen Infanterieihnen ist Hamburg, für 8 Bremen, für 3 Kiel, für je 1 Nor- auf unserer Pilgerfahrt zur ewigen Heimat so dringend be- Regiments die Verankerung vornahmen. denham und Kurhaven. Davon sind nach dem Telefunken- dürfen. Möge Gottes Segen alle Zeit auf dem Stifte und system und nach Marconi je 18 ausgerüstet, 7 Schiffe der seinen Insassen ruhen. Das walte Gott!" Hamburg- Amerika- Linie führen de Forest- Apparate. Der Schirmvogt, Staatsminister Feilitsch, dankte nach der Daß die deutsche Funkentechnik nicht mehr Erfolge im bereits gemeldeten Ansprache des Kaisers namens der übtissin telegraphischen Seeverkehr erzielt hat, ist um so auffallender, in kurzer Rede, nachdem die hochbetagte Äbtissin selbst mit weals sich das deutsche System leistungsfähiger und einfacher in nigen Worten ihren allerinnigsten Dank ausgesprochen hatte. der Bedienung erwiesen hat, und abgesehen von England, Das Niederländische Dankgebet schloß die Feier. Beim VerBitterfeld, 27. August. Da die Nachfüllung in Frankreich und Italien, bei den Armee-, Marine- und Post- lassen der Kirche bot erst die Kaiserin, später der Kaiser der behörden aller zivilisierter Länder zur Einführung gelangt Äbtissin den Arm. Nach der Feier besichtigten die Majestäten Bitterfeld ca. 10 Stunden dauern wird, ist es fraglich ge= ist. Mehr als 800 über die Erde zerstreute Funkenstationen den schönen, erneuerten Kreuzgang der Abtei, nahmen einen worden, ob der„ 3. 3" überhaupt zur festgesetzten Stunde in bedienen sich deutscher Einrichtungen, während die verschiede: Imbiß bei der Äbtissin, wobei Staatsminister Feiligsch ein Berlin eintreffen wird. Anderseits verlautet, daß das Luftnen ausländischen Systeme im ganzen nur 1000 Stationen Hoch auf die Majestäten ausbrachte. Weiß gekleidete Schü- schiff jetzt direkt von Nürnberg nach Berlin fahren wird und aufweisen. Deutschland selbst hat 137 Küsten- und Bord- lerinnen überreichten der Kaiserin und der Prinzessin Vit erst auf der Rückfahrt die Nachfüllung in Bitterfeld vorstationen, davon 113 mit dem Telefunkensystem. Nach Ein- toria Luise Blumen. Junge Bäuerinnen in der reichen Braut- nehmen soll. führung der tönenden Funken beim Telefunkensystem ist eine tracht der Gegend überreichten ein Trachtenalbum. Der neue Halle a. G., 27. August. Auf der Eisenbahnfahrt nach genaue Abstimmung der Wellen ermöglicht und die Reich- Äbtissinnenstab ist nach dem Entwurf des Professors Rohloff Bitterfeld war Graf Zeppelin überall Gegenstand begeisterweite fann auf bestimmte Entfernungen eingestellt werden. angefertigt. Unter andauernden Kundgebungen der Bevölke- ter Huldigungen. Besonders große Menschenmengen hatten Ein unbefugtes Mitlesen der Telegramme durch andere Sta- rung fuhren die Majestäten, Prinz Oskar und Prinzessin Bit- sich in Erfurt, Weißenfels und Halle angesammelt. Graf
Nürnberg, 27. August, 10 Uhr abends.„ 3. 3" liegt noch fest verankert auf seinem Ankerplaz hinter dem Dugendteich. Die Monteure sind eifrig daran beschäftigt, die Ersatzteile einzumontieren. Friedrichshafen, 27. August. Graf Zeppelin jun. hat entgegen der ersten Meldung doch an der Fahrt nach Berlin teilgenommen.
