Wilhelmshavener Tageblatt

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Alleiniges Publikations- Organ der Kaiserlichen Marine Behörden für Wilhelmshaven. Amtsblatt für die Königlichen Behörden und die Stadt Wilhelmshaven.

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Sonntag, den 4. April 1909.

35. Jahrgang.

Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten. halten wissen und, wenn das Vaterland ruft, es den Vätern anderen Regierungen ſich dem deutſchen Gedanken ange­

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menter sich auch in der Zukunft meine Zufriedenheit zu er-| Recht hatte, dafür spricht, daß nach einigem Zögern auch die und Vorvätern in Treue, Hingebung und Tapferkeit gleich schlossen haben. Ein Grund zu Verdächtigungen Deutschlands tun werden." In der Antwort des Herzogregenten heißt es: oder Rußlands kann in dem ganzen Vorgange also absolut Unserer heutigen Nummer liegt bei: Ew. Majestät danke ich von ganzem Herzen für die mir in nicht gefunden werden. Es hat keine Spur von Drohungen dem gnädigen Handschreiben übermittelten Glückwünsche. Ew. stattgefunden, und es konnte auch keinen Drohungen nachge­,, lustriertes Sonntagsblatt" Nr. 14. Majestät huldvollen, anerkennenden Worte sind von beiden geben werden. Wir hoffen, daß die Polemiken aus Anlaß Regimentern mit tief empfundener Dankbarkeit aufgenommen dieses Vorganges, der sich in der Form freundschaftlicher Aus­worden. Ich werde der festen überzeugung Ausdruck geben sprachen abgespielt hat, aufhören. Wer darin fortfährt, sett dürfen, daß, wenn der oberste Kriegsherr ruft, die Regimenter, sich dem Verdacht unlauterer Verhegung aus. wie jeder Braunschweiger, im Geiste der Väter freudig für unser deutsches Vaterland eintreten werden."

Deutfches Reich.

Breslau, 2. April. Der Landrat des Kreises Ohlau, Dr. v. Strempel, wurde an Stelle des zum Landeshauptmann von Ostpreußen gewählten Herrn v. Berg in das kaiserliche Zivilkabinett berufen

Sofnachrichten.

Berlin, 2. April. Herr v. Kiderlen- Wächter, der seit fünf Monaten im Berliner Auswärtigen Amte gearbeitet hat, wird, der, N. Fr. Korr." zufolge, sich am Montag wieder auf seinen Posten in Bukarest begeben. Am Mittwoch hat Herr v. Kiderlen sich vom Kaiser verabschiedet.

Der chinesische Sondergesandte Tangschaoni wird in der nächsten Woche vom Kaiser empfangen werden. Tangschaoyi dürfte sich ungefähr zwei Wochen in Berlin aufhalten. Gestern Abend konferierte er mit dem hiesigen belgischen Gesandten und machte am Nachmittag Besuche im Auswärtigen Amt.

Husland.

Österreich und Serbien.

Lärmszenen in der römischen Kammer.

Rom, 1. April. Heute war die Kammer wieder einmal Biarriz, 2. April. Das von auswärtigen Blättern der Schauplay von Kämpfen. Der Sozialist Defelie wollte gemeldete Gerücht, daß der König von England einen leichten die Regierung wegen des Verhaltens der Behörden im Wahl­Der Unterstaatssekretär Schlaganfall erlitten habe, ist unbegründet. Der König, der freis Militello interpellieren. sich der besten Gesundheit erfreut, unternahm heute einen Facta lehnte aber die Beantwortung ab, worauf alsbald zwi­schen der Bergpartei und der Regierungsmehrheit ein lieb­Spaziergang am Strand und hierauf eine Automobilfahrt. liches Wortgefecht entstand. Erst durchflogen Kosenamen, pie ,, Knechtsseelen!", bezahlte Lakaien!", die Luft, dann rief der Sozialist Podrecca mit Stentorstimme dem auffallend fleinen Ministerialflerifalen Longinotti zu: Komm doch Wien, 2. April. In der heutigen Sigung des Ge- raus, kleiner Kerl, und ich zerbreche dir alle Knochen im meinderats stellte Vizebürgermeister Dr. Neumayer folgenden Leib!" Dies war die Losung zu einer allgemeinen Schlacht. Antrag: Der Bürgermeister wird gebeten, in geeigneter Weise Die Mehrheit drang mit erhobenen Fäusten auf allen Seiten eine Huldigung der Bevölkerung der Stadt Wien vor dem von unten her gegen die Zitadelle der äußersten Linken vor, Kaiser anläßlich des erreichten Friedenswertes durchzuführen. während die Sozialisten, Republikaner und Radikalen wie Der Gemeinderat der Stadt Wien entbietet gleichzeitig der antife Krieger von den Zinnen herab auf die Gegner ein­kaiserlichen und königlichen Armee, welche bereit war, mit schlugen. Nach beinahe halbstündigem Kampfe, der selbst Gut und Blut einzustehen für den Ruhm und die Ehre Öster- nach Aufhebung der Sigung noch andauerte, erlahmten die reichs, seinen Gruß und Dank. In der Begründung des An- Kämpfer, und es trat Waffenstillstand ein.( B. T.) trages führte Dr. Neumayer u. a. auch aus, dankbar müsse bei diesem Anlaß der wahrhaft deutschen Bundestreue des deut­schen Kaiserreichs und Kaiser Wilhelms II. gedacht werden. Das zweite Tschuschima Rußlands", Der Antrag wurde mit lebhaftem Beifall angenommen. Petersburg, 1. April. Die Duma verhandelte heute Belgrad, 2. April. Der deutsche Gesandte Prinz über den Militäretat. In der Hofloge waren die Großfürsten Die Dauer der Schulpfplicht. Ratibor gab dem König Peter am vergangenen Montag in Nikolai Nikolajewitsch und Sergius Michailowitsch anwesend. Berlin, 2. April. Im Abgeordnetenhause haben die Privataudienz den Rat, ein ehrliches, gutes Einvernehmen Die Tribünen waren voll besetzt. Die Verhandlungen verlie­Nationalliberalen zur zweiten Beratung des Kultusetats fol- mit Österreich- Ungarn zu suchen, da die Interessen der Dynastie fen äußerst erregt, weil verschiedene Redner die auswärtige genden Antrag Dr. Gottschalt eingebracht: Das Haus der Karageorgewitsch so am besten gewahrt werden könnten. Abgeordneten wolle beschließen, die Staatsregierung um die Die englischen Bestrebungen, einen Thronwechsel in Serbien Borlegung eines Gesezentwurfs zu ersuchen, durch den für den herbeizuführen, werden immer offenkundiger. Umfang der Monarchie a. die Dauer der Schulpflicht nach Belgrad, 2. April. Gestern wurden die eingerückten einheitlichen Gesichtspunkten, jedoch unter Berücksichtigung be- Reserven entlassen. rechtigter Sonderverhältnisse der einzelnen Landesteile ge= regelt, b. einheitliche Bestimmungen über die Folgen der un­Berlin, 1. April. Die Nordd. Allg. 3tg." schreibt: gerechtfertigten Schulversäumnis, die Voraussetzungen ihrer Die russische Regierung hat sich vor der jüngsten Note der Strafbarkeit, den Kreis der verantwortlichen Personen, die Mächte bereit erklärt, auf Grund der türkischen Vereinbarung Art und Höhe der Strafen und das Strafverfahren getroffen mit Österreich- Ungarn über die Annexion von Bosnien und

Des Reichskanzlers Osterurlaub. Berlin, 2. April. Reichskanzler Fürst Bülow wird seine Reise nach Norditalien bereits am Sonntag früh an­treten. Die Rüdkehr nach Berlin erfolgt gleich nach den Oster­ferien. Der Reichskanzler behält während dieser Zeit die Geschäfte.

werden.

Politik berührten. Der Referent der Budgetkommission, Füh=

rer der Oktobristen, Gutschkow, beantragte die Bewilligung des gesamten Betrages der Militärverwaltung in Höhe von 512 625 793 Rubel. Er erklärte in seiner Rede, Rußland durchlebe jetzt Tage nationaler Trauer, und forderte die An­spannung aller nationalen Kräfte. Der Kanzleichef des Kriegsministeriums berichtete dann über eine Reihe teils durchgeführter, teils geplanter Heeresreformen: die Reor­ganisation des Obersten Kriegsrats, Unterstellung des Mobi= der Herzegowina der dadurch bedingten Abänderung des Ar- lisierungskomitees unter den Generalstab, Neueinteilung der tikels 25 des Berliner Vertrages ihre Zustimmung zu geben. Festungen, Reform der Kriegsakademie, Neuordnung des Trotz wiederholter gegenteiliger Feststellung in deutschen Truppenwirtschaftsdienstes u. a. General Bobienski( Kadett) Blättern wird in einem großen Teile der ausländischen Presse verglich die Zahlen des deutschen Militäretats mit denen des die Fabel aufrecht erhalten, der Entschluß der russischen Re- russischen, und behauptete, der russische Staatsbürger zahle Berlin, 1. April. Zu dem Kapitel von der unge- gierung jei das Ergebnis einer Pression Deutschlands ge- für Heereszwede 2%, mal soviel als der deutsche. Das rus­nügenden Einkommenbesteuerung der Grundbefizer sei noch wesen. Es wurde jogar die groteste Behauptung aufgestellt, fische Heer sei an Zahl stärker, das deutsche aber besser aus­der nachstehende bezeichnende Fall mitgeteilt: Ein Ritter- Deutschland habe mit der Mobilmachung gedroht. Demgegen- gerüstet. In ersterem seien die Stäbe überfüllt, 10 Prozent gutsbesitzer in der Provinz Posen, der ca. 3600 Morgen Land über find wir ermächtigt, den Hergang authentisch und end- aller Offiziere in Bureaus beschäftigt, gegen 4 Prozent im besitzt, zahlt- 6 Mark Einkommensteuer, sein Kutscher 9 Mt. gültig folgendermaßen festzustellen:

Steuermogelei.

und der Oberlehrer 31 Mt.! Von überschuldung des Besizers

deutschen Heere. Hierzu kämen in Rußland 40 000 Militär­schreiber. Der Verwaltungsapparat des russischen Heeres

it teine Rede, aber sorgfältig geführte Bücher" haben kein unb Auf verschiedene Moten, die Gerbien zum Aufgeben feiner toſte mehr als die japaniſche Armee. Redner verglich den rus­Die Regierung hätte die Pflicht, diesen Dingen nachzugehen, Serbien, wie von allen Mächten anerkannt wurde, in unbe- hafte, durch Feldmarschall Graf Moltke geschaffene Einrich größeres Einkommen des Rittergutsbesizers nachgewiesen. Provinzen durch Österreich- Ungarn veranlassen sollten, hatte fischen mit dem preußischen Generalstabe, er hob die muster­anstatt, wie es Herr v. Rheinbaben tat, die Miene des Befriedigender Weise geantwortet. Hierfür liegt der Beweis tung hervor, die auch jetzt noch bestände, und kritisierte die maisten ſo ſtart Millionen von vorenthaltenen Staatsgeldern. erneuten Vorgehen in Belgrad entschlossen haben. Serbien sei als der deutsche, und lange nicht soviel leiste. Von der wich einer befriedigenden Antwort stets dadurch aus, daß es extremen Rechten hob Purischkewitsch das Gefühl der Trauer

die Jahrhundertfeier der braunschweigischen Regimenter. auf seine vermeintlichen Rechte nicht verzichten tönne, weil wegen der Ereignisse der lekten Tage hervor und sprach von fönne, when die Mächte selbst der Annexion ihre Zustimmung nicht gegeben nationaler Erniedrigung und von einer Schmach, die Ruß­Braunschweig, 2. April. Bei dem gestrigen anläß- hätten. Da sich Rußlans an die Spike ber friedliche che land durchlebt habe. Er schob indessen die Berantwortung für lg der Sundertjahrfeier der beiden braunschweigischen Regi: wirtung auf pie fergine Rn die Spige her friedlichen die dieses zweite Tſuſchima Rußlands zum größten Teil auf die Dumamajorität, die den mangelhaften Zustand des rus­menter veranstalteten Festmahl im Wilhelmsgarten brachte kaiserliche Regierung in einer den traditionellen freundschaft- fischen Heeres aller Welt verkündet habe. der Herzog- Regent ein Hoch auf den Kaiser aus und gedachte lichen Beziehungen zu Rußland entsprechenden Weise an der beiden Regimenter. Er überreichte ihnen sein Bildnis legteres mit dem Gedanken heran, einer weiteren Aktion in

der

zu erkennen zu gebenden Wunsch ihre Sanktion zur Abände

als Geschenk. Abends nahm der Regent an den von den drei Belgrad dadurch eine festere Basis zu geben, daß die Mächte Cin Ultimatum an Nicaragua. Kompagnien veranstalteten Festlichkeiten teil und wohnte einzeln durch Noten auf einen ihnen von Österreich- Ungarn heute früh dem Festakt in der Kaserne bei. Washington, 1. April. Die Bundesregierung hat Braunschweig, 2. April. Den amtlichen Braun- rung des Artikels 25 des Berliner Vertrages aussprechen an die Regierung von Nicaragua ein Ultimatum gerichter, Schweiger Nachr." zufolge heißt es in dem Handschreiben des sollten. Es sollte damit lediglich Serbien der Vorwand ent- in dem Präsident Zalayas aufgefordert wird, die noch nicht Kaiſers an den Herzogregent aus Anlaß der Hundertjahrseier zogen werden, seine Unnachgiebigkeit mit dem Hinweis auf erledigten zentralamerikanischen Fragen einem Schiedsgericht der beiden braunschweigiſchen Regimenter: Das Braun- Die Haltung der Mächte gegenüber der Annexion zu begrün- zu unterbreiten. Präsident Balayas ist nur furze Zeit zur chweigische Infanterie- Regiment Nr. 92 und" das Braun- den. Die Folge des Gedankenaustausches über die deutsche Erfüllung dieser Forderung bewilligt worden. Falls er sich denktag ihres hundertjährigen Bestehens. chweigische Husaren- Regiment Nr. 17, begehen heute den Ge- Anregung zwischen Berlin und Petersburg war die Zu- weigert, die amerikanischen Bedingungen zu erfüllen, wird erfreulichen Anlaß meintem Vorschlage, dessen durchaus freundschaftlicher Cha- Vollmachten zur Durchführung strengerer Maßregeln gegen meine herzlichen Glückwünsche aussprechen und gleichzeitig dem rafter und rein friedliche Tendenz richtig erkannt und be- Nicaragua zu erhalten. Die Vereinigten Staaten haben eine Zuversichtlichen Vertrauen Ausdrud geben zu können, daß diese wertet zu haben, ein unbestreitbares Verdienst des russischen starke Flottenmacht in den Gewässern Nicaraguas, würden beiden allerorten im Krieg wie im Frieden bewährten Regt auswärtigen Ministers iſt. Daß dieſer mit ſeiner Auſfaſſung ſte im Notfalle jedoch noch bedeutend verſtarten.

Es ist mir ein stimmung der russischen Regierung zu Deutschlands wohlge- Präsident Taft sich an den Kongreß wenden, um von ihm