Nr. 80.

Sonntag, 4. April 1909.

auf das

PP

Bestellungen

Wilhelmshavener Tageblatt.

1725

3. Beilage. Expedition: Kronprinzenstr. 1.

auch unseren eigenen Interessen ebenso wie der Sache des Bedürfnissen angepaßt und werden es diesen Bedürfnissen europäischen Friedens den besten Dienst geleistet haben. Die entsprechend ausführen. Mit dem besten Gewissen von der Rede des Reichskanzlers, die schon während ihres Verlaufs Welt können wir unsere Flottenpolitik vor Europa vertreten. von spontanen Kundgebungen der Zustimmung begleitet wor- England wird sich daran gewöhnen müssen, daß Deutschland den waren, fand am Schlusse den einmütigen lebhaften Bei- seine Flotte baut, ohne vorher die allerhöchste Genehmigung fall aller bürgerlichen Parteien. König Eduards einzuholen.

Die nachgerade brennend gewordene Angelegenheit der In der spanischen Deputiertentam mer machte Wilhelmshavener Tageblatt" Reichsfinanzreform ist leider im Reichstage noch im Verlauf der Interpellation über die Marokko- Politik der für das II. Quartal werden noch fortwährend entgegen- teinen Schritt vorwärts gekommen. Länger als vier Monate Regierung der Deputierte Senante der letzteren den Vor­benommen von den Kaiserl. Postanstalten, den Zeitungsträgern ist bereits darüber hin und her beraten worden, aber was wurf, daß sie die Verständigung mit Deutschland vernach= bei diesen Beratungen herausgekommen ist, ist so viel wie lässigt habe. Das Ergebnis dieser Politik sei das für Spa­und der Geschäftsstelle des ,, Wilh. Tagebl." nichts, und noch immer ist man auf dem alten Fleck. Dieses nien bedauerliche französisch- deutsche Abkommen, bezüglich Der Abonnementspreis für das II. Quartal beträgt, Verschleppen der Reichsfinanzreform, die geradezu eine Le- dessen manche Leute an die Existenz einer für Spanien nach­wenn das Blatt frei ins Haus geliefert wird: Mt. 2,25; bensfrage für unser Vaterland geworden ist, muß jeden teiligen Geheimklausel glaubten. Die revolutionären Mirren in Persien nehmen von wenn es durch die Post bezogen wird Mt. 2,40 ohne Zustellungs- Baterlandsfreund mit schwerer Sorge erfüllen, und dieser Sorge hat ein von den Nationalliberalen ausgehender Auf- Tag zu Tag einen bedrohlicheren Charakter an. Jn Teheran, gebühr; wenn es bei uns abgeholt wird: Mt. 2,00. ruf Ausdruck gegeben, den eine große Anzahl der bedeutend- der Hauptstadt des persischen Reiches, werden nächtlicherweile ( Die Orts- und Landbriefträger sind berechtigt und versten Männer der Wissenschaft und Praxis aus den verschieden politische Morde verübt, welche die Stimmung in den feind­pflichtet, Abonnementsgelder in Empfang zu nehmen und ſten Berufen, aus Stadt und Land an den Reichstag gerichtet lichen Lagern noch mehr verschärfen. Ein offener Kampf ist hat, doch endlich mit festem Entschluß der Finanznot ein Ende daher stündlich zu erwarten, und die Behörden und Gesandt­regtsgültige Quittung zu erteilen.) zu machen und zu einer Einigung mit den Regierungen über schaften der fremden Mächte haben bereits Vorsichtsmaßregeln die Finanzreform zu gelangen. Der Aufruf ist ein bewegter getroffen. Man kann sich also dem Eindruck nicht entziehen, Ausdruck der schweren Sorge der Vaterlandsfreunde, die nicht daß in Persien sehr ernste und entscheidende Ereignisse bevor verstehen können, daß das Interesse der Parteien und wirt- stehen. schaftlichen Gruppen dem Wohle des Vaterlandes vorangehen soll. Möge der ernste Mahnruf bei den Reichsboten nicht un­gehört verhallen!

Jeder Abonnent und dessen Ehefrau ist bei der Lebens­sersicherungsanstalt in Nürnberg mit eintausend Mark gegen Unfall mit nachfolgendem Tode versichert. Die Versicherung tritt aber erst nach erfolgter Zahlung des Abonnementsbetrages nach Maßgabe der Versicherungs- Bedingungen in Kraft.

Der Reichstag hat in den letzten Tagen mit Hochdruck

Umgegend u. Provinz.

Auswärts wohnende Abonnenten in Marienfiel, Sande, gearbeitet. Unter Zuhilfenahme von Morgen- und Abend- Ellenserdamm, 1. April. Die hiesige Bahnhofswirtschaft, Oftiem, Jever, Wittmund usw., welche hier beschäftigt sind und sizungen konnte der Etat am 2. April erledigt werden, nach- die zum 1. Mai von dem jezigen Inhaber, Herrn Scheelje, abends zurückfahren, fönnen das Wilhelmshavener Tagebl." dem man in der letzten Sigung im Galopp 4 Etats auf gekündigt ist, wird mit diesem Zeitpunkt dem jezigen Ober­beim Bahnhofsbuchhändler des hiesigen Bahnhofs, Herrn einmal darunter den Heeres- und Marine- Etat in dritter fellner Bantelmann in Oldenburg, der dort im Wartesaal Lesung durchgepeitscht hatte. Nach dieser immerhin erfreu- 3. Klasse tätig ist, übertragen. Meinhardt, in Empfang nehmen. lichen Arbeit dürften die Reichsboten beruhigt in die Oster­ferien gehen.

Beschwerden über uupünktliche und unregelmäßige Zustellung des Blattes bitten wir direkt bei unserer Expedition, Kronprinzenstraße 1, anbringen zu wollen.

Zur Einsegnung.

Dahingerauscht ist wie auf Sturmesschwingen Jezt Eures Lebens erste, gold'ne Zeit, In der die treue Hut der Mutterliebe Von aller Sorge Euch bisher befreit; Wo an der Hand Ihr eines lieben Vaters Der Kindheit Wege durftet sicher geh'n, Und wo die Schule Euch mit großer Mühe, Hat reif gemacht, der Welt in's Aug' zu seh'n! Ins Herz ist Euch der Same alles Guten Von Eltern und von Lehrern reich gelegt, Doch Cure Pflicht ist's nun, dafür zu sorgen, Daß gute Frucht er tausendfältig trägt!

Norderney, 1. April. Bei Juist sind zwei Geeleichter, die von Rotterdam nach Bremerhaven bestimmt sind, ge= Das Ende des österreichisch- serbischen Kon strandet, nachdem die Schlepptrosse gerissen war. Die Mann­flikts und die Verhinderung eines Weltkrieges durch das schaft ist an Bord. Von dem Schleppdampfer ist nichts be­

( ,, Nachr. f. St. u. 2.") Hannover, 1. April. Herrn Gymnasialdirektor Dr. Konrad

Vermischtes.

Einschreiten der Mächte ist die Signatur der auswärtigen fannt. Politik in der abgelaufenen Woche. In einer gemeinsamen Vechta, 30. März. Ein Einbruchsdiebstahl ist diese Expedition des Wilhelmshavener Tageblattes". Note, deren Inhalt auch österreich befriedigt, und welche die Nacht bei dem Kaufmann August Schewe ausgeführt worden. Anerkennung der Einverleibung Bosniens und der Herzego- Die Diebe haben zunächst versucht, sich Eingang durch das wina in sich schließt, haben die europäischen Mächte in Ser- von dem Lehrling bewohnte Zimmer zu verschaffen, und sind bien Vorstellungen gemacht und eine an österreich- Ungarn ab- bann, als sie hier auf Schwierigkeiten stießen, durch das zugebende Erklärung zur Annahme empfohlen. Erfreulicher- Küchenfenster gestiegen, von wo aus sie den Weg zum Laden weise hat Serbien, wenn auch ungern und widerwillig, den und Kontor gefunden haben, wo ihnen 15 M bares Geld und Rat der Mächte befolgt und in Wien eine Note überreichen einige Manufakturwaren in die Hände fielen. lassen, derzufolge es die Annexion Bosniens und der Herzego­wina anerkennen will, sich zu einer freundnachbarlichen Hal­tung und dazu verpflichtet, sein Heer zu demobilisieren sowie die Bildung irregulärer Banden zu verhindern. Daß der Herrmann in Lingen ist bei dem übertritt in den Ruhestand Hauptkriegstreiber, der bisherige Kronprinz, keine offizielle der Charakter als Geh. Regierungsrat verliehen worden. Stellung mehr hat, kann vielleicht auch beruhigend wirken. So haben sich die drohenden Gewitterwolken verzogen, ohne daß es zu einer Entladung des Gewölks gekommen ist. Daß es dahin gekommen ist, dazu hat vor allem die Politik Deutsch­- Altona, 1. April. Gestern Abend gegen 9 Uhr lands und das diplomatische Geschick des Reichskanzlers bei- ertönte plötzlich eine heftige Detonation und die gesamte getragen. Wechselstrombeleuchtung auf dem Hauptbahnhof erlosch in­Kaum ist aber der Balkanstreit beseitigt, da taucht wie folge eines Transformatorendefektes. Erst nach geraumer der der deutsch englische Flottenstreit auf, der Zeit konnte die Notbeleuchtung, die an das städtische Gleiche dazu berufen zu sein scheint, die Gemüter jenseits des Kanals stromnet angeschlossen ist, in Benutzung genommen und eine in ständiger Aufregung zu erhalten und dadurch auch die spärliche Beleuchtung eingerichtet werden. Mit der Besei ganze Welt mit Unruhe zu erfüllen. Im englischen Unter- tigung des übelstandes wurde seitens der Eisenbahnverwal­hause mußte bei der Flottenbaufrage wieder einmal die tung sofort begonnen und steht zu erwarten, daß der Schaden ,, deutsche Gefahr" herhalten, um die geforderten neuen Dre- bis zur frühen Morgenstunde beseitigt sein wird. adnoughts" durchzudrücken. Zwar war Staatssekretär Sir Edward Grey höflich genug, die Erklärungen, die ihm von deutscher Seite über unser Flottenbauprogramm gegeben wurden, als glaubwürdig zu behandeln. Allein er selbst hat doch schon mancherlei an ihnen auszusetzen, und wie wenig * Marseille, 1. April. An Bord des Dreimasters glimpflich ein Teil der englischen Presse mit ihnen verfährt, davon liegen bereits einige drastische Proben vor. Sir Ed Jules Henri", der Petroleum von Philadelphia nach Cetta ward Gren mußte die Richtigkeit des deutschen Standpunktes transportierte, ereignete sich heute eine Explosion. Sechs von der praktischen Undurchführbarkeit eines beide Reiche in Arbeiter wurden getötet, zehn schwer verletzt. Da das Schiff gleicher Weise treffenden Abrüstungsprogramms indirekt Petroleum nicht mehr an Bord hatte, wird angenommen, daß selbst anerkennen, indem er auf die schwerwiegenden Unter- Petroleumgase, die noch im Raum vorhanden waren, sich ent­schiede bei allen Einzelheiten der Bauausführung hinwies. zündeten, als ein Sachverständiger das Schiff untersuchte und Unsere Haltung in dieser Frage wird jedenfalls nach wie vor dabei eine Lampe gebrauchte. Zur Zeit der Explosion waren die alte bleiben: wir haben unser Flottengesez den deutschen an Bord zwanzig Arbeiter beschäftigt.

Jegt gilt's, auf eignen Füßen vorwärts streben. Ein hohes Ziel verfolgen, Schritt für Schritt, Denn merkt: Es ist in unserm Menschenleben Ein jeder nur des eignen Glückes Schmied! Jezt kommt der Kampf! Ihr seid vom deutschen Stamme Und Deutsche kämpften tapfer allezeit

Vom Knaben reifet denn dereinst zum Manne, Dem freudig man die Hand zum Drucke beut!

Aus Dir, Du holde, junge Mädchenknospe, Erblühe einst ein echtes deutsches Weib, Das stark und mild mit seinem reichen Herzen Dem Manne Stütze sei im Lebensstreit! Berzaget nicht, wenn Euch im Sturm des Lebens Durch eig'ne Kraft nicht jeder Wurf gelingt! Greift tapfer zu! Des Kampfes schönste Krone Durch tatenlosen Traum man nicht erringt. Was recht Euch scheint nach redlicher Erwägung, Das führt zum Ende, unbeirrt und ganz; Bielköpfig ist die Menge- hofft drum nimmer Von jedem Richterstuhle einen Kranz!

Und will das Schlechte Euch mit süßem Locken

Berleiten, daß vom rechten Weg Ihr weicht,

Dann meidet falsche Scham, es bleibt doch Ehre,

Wenn Euch ein schlechter Mensch Verachtung zeigt!-

Jm Spiele wie im ew'gen Sonnenscheine

Gedeiht kein rechter wetterfester Mann,

Nur wer auch Stürme start und fest bestanden,

Beigt, daß man sich auf ihn verlassen kann.-

So steuert denn hinein auf gradem Kurse

In Eures Lebens reich bewegtes Meer!

Nehmt Gottes Segen und ein ernstes Wollen Mit auf den Weg als Eure beste Wehr! C. F. Sperling.

Politifcher Wochenbericht.

Im Vordergrund der politischen Erörterung steht noch immer die Rede des Reichstanzlers Fürsten Bülow über die internationale Politit. Sensationelle überraschun gen hat sie nicht gebracht, wohl aber vollständige Klarheit über die großen Hauptfragen der internationalen Politik. Mit unverkennbarer Wärme sprach er den Wunsch der Erhaltung guter Beziehungen zwischen der englischen und deutschen Na­tion aus, deren enge Verbindung durch wirtschaftliche Wechsel­beziehungen er durch beredte Zahlen eingehend belegte. An zweiter Stelle begründete er das deutsch- französische Marokko­Abkommen, das er als Ausfluß einer offenen, klaren, geraden Politik Deutschlands seinem westlichen Nachbar gegenüber tennzeichnete. Der Hauptinhalt der Kanzlerrede beschäftigte ich aber naturgemäß mit der Balkantrise und der Rolle, welche die deutsche Politik darin gespielt habe. Der Kern der Ausführungen des Reichskanzlers über diese Frage war der, daß wir durch treue Unterstützung österreichs nicht bloß unsere Bundespflicht in vollstem Umfange erfüllten, sondern

APAAO

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ARDATS

- Posen, 1. April. Der wegen Unterschlagungen von amtlichen Geldern flüchtige Bahnhofsvorsteher Wunsch aus amtlichen Geldern flüchtige Bahnhofsvorsteher Wunsch aus Strelitz in der Provinz Posen wurde in Hamburg verhaftet. Er stand im Begriff, über See zu fliehen.

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