harmlosen Erzählung auch in den Augen des Lesers vielleicht einiges Interesse verleihen könnten.
In Bezug auf mich habe ich schließlich hinzuznfngen, daß ich oft noch mit Vergnügen ans die ihres schauerlichen Ursprungs entkleidete „Geistermusik" in stillen Gesängnißnächten gelauscht und daß es meiner Phantasie nicht schwer wurde, gar herrliche bekannte Tonschöpsungen aus derselben auch ferner herauszuhören.
Der Menschenhandel deutscher Fürsten.
Friedrich Kapp, einer cher ausgezeichnetsten ^Deutschen, welche die norhawerikanische Union besitzt, hat jetzt ein Buch „der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika" erscheinen lassen, und theilen wir über das Treiben deutscher Fürsten im vorigen Jahrhundert folgende Probe fmit:
Beim Ausbruch der nordamerikanischcn Revolution, welche die Losreißung der nordamerikanischcn Colonien von England und die reie Constituirung der Union zur Folge hatte, war die Stärke der englischen Truppen in den amerikanischen Colonien so unbedeutend, haß zur raschen Unterdrückung des Aufstandes schleunigst Verstärkungen dachin abgeschickt werden nnnßtcn. Da aber die öffentliche Meinung in England und die unteren Nassen des Volks gegen den Krieg waren, so mußte sich das Ministerium nach. Miethstruppen auf dem Festland Wnsehem und wandte sich zuerst mit der Bitte um 20,000 Mann Infanterie an Katharina die Zweite von Rußland.
Aus deren Weigerung erhob die Regierung Anspruch auf die frühere schottische Brigade im Dienst der Geueralstaaten, wurde aber auch hier in höflicher Form abgewiesen und war nun auf den deutschen MaK gedrängt.
Zunächst zog König Georg III., als Kurfürst von Hannover, fünf.hannoverische Bataillione in englischen Dienst, die zur Besetzung Gibraltars und Minorca's verschifft wurden und dort während der ganzen Dauer des Krieges blieben.
Anm Dienst in Amerika hatte die Regierung noch keinen Mann, aber das alte Sprüchwort bewährte sich an ihr: wo die Noth am größten, da ist auch die Hülfe am nächsten. Die Verlegenheit Englands wurde zur Goldgrube für eine Anzahl deutscher Fürsten,' und schon Anfangs September 1775 meldete der englische Gesandte im Haag, Sir I. Aorke, dem Lord Snffolk, daß Hessen Kassel, Hessen- Hanau, Würtemberg, Gotha, Darmstadt, Baden ihre Truppen ange- boten hätten oder wenigstens dazu bereit feien. Der Erbprinz von Hamm beklagt, daß er nicht 20,000 Mann stellen kann, der Waldecker betrachtet es als eine „Gunst", wenn er seine 600 Mann liefern darf, und ist „von der lebhaftesten und reinsten Freude darüber durchdrungen." Der Würtemberger bittet es sich „als besondere Gnade aus, daß seine Truppen einigen Anthcil an der Niederwerfung der amerikanischen Rebellion haben dürfen", der Braunschweiger versichert die gleiche Dienstwilligkeit wie während des siebenjährigen Krieges, ja der Bahernfürst macht gar seine Anerbietungen hinter dem Rücken seiner Minister! Am richtigsten erkennt der Anhalt-Zerbster seine Stellung, denn er schreibt in seinem schauderhaften Französisch an Sir Dork : ^tousoni-Z sows 1s ssorst !"
Die erstaunte englische Regierung schickte sofort als Unterhändler den Oberst Faucitt an die verschiedenen deutschen Höfe, der, ohne Einblick in die finanziellen Verlegenheiten derselben, Eontracte mit ihnen abschloß, die er zu billigeren Preisen hätte haben können.
Der erste Contract dieser Art, das Muster für die übrigen, wurde mit Herzog Karl I. von Braunschweig abgeschlossen am 9. Januar 1776. Danach erhielt derselbe für jeden Mann 51 Thlr. 15 Sgr. Werbegeld, jährlich etwas über 11,500 Pfd. Sterl. Snbsidien, so lange die Truppen in englischem Dienst standen, und das Doppelte aus zwei Jahre nach, ihrer Rückkehr. Drei Verwundete sollten einem To dien gleich zählen und für jeden Todten nochmals 51 Thlr. 15 Sgr. bezahlt werden. Das Knochenmehl war noch nicht erfunden, sonst wären die Gebeine der gefallenen Bramffchweiger noch besonders taxirt worden. In gleicher Weise wurde abgeschlossen mit dem Prinzen Wilhelm von Hanau, dessen „außerordentlichen, ja ungestümen Eifer ', dem Könige zu dienen, Faucitt besonders rühmt, mit Friedrich von Waldeck, Karl Alexander von Anspach und, da das Bedürfnis; an Soldaten immer dringender wurde, auch mit Friedrich August von Anhalt-Zerbst.
Wenn es aber bei Diesem und Jenem dem Unterhändler gelang, in irgend einem Punkte zn sparen, so ging dieser Bortheil am Landgrafen Friedrich II. von Kassel für England völlig verloren. Dieses fürstliche Hans war seit hundert Jahren durch den Soldatenhandel reich geworden und verstand sich ans feinen Profit; hatte doch Wilhelm VIII. während des österreichischen Erbfolgekrieges 6000 Hessen an Maria Theresia und ebensoviel an ihren Gegenkaiser vcrmiethet! Statt sich also, wie seine bankerotten Vetter, selbst anznbieten, wartete der Kasseler ruhig die Anträge Englands ab und erpreßte durch seinen gewandten Minister v. Schlüffen die vortheilhaftcsten Bedingungen für seinen Säckel. Statt eines Contractes schloß er eine Allianz mit England, das ihm seinen Landsitz garantirte, erzwang Werbegeld sogar
für die Officiere, doppelte Snbsidien während des Krieges/das Zugeständnis;, selbst den Sold für seine Truppen zu erheben u. s. w., Punkte, die im englischen Parlament einen Sturm von Mißfallen erregten.
Die Capitulationeu von Trenton und Sarotoga, durch die eine bedeutende Zahl dieser deutschen Hülfstruppen in amerikanische Gefangenschaft gerieth, machten die Ergänzung der Regimenter zu einer dringenden Pflicht, und gern hätte England auch die Truppen der Fürsten von Würtemberg, Darmstadt, Gotha und Baden gekauft, hätten sich nur diesem Vorhaben nicht zn gewaltige Hindernisse in den Weg gelegt. Die Erschöpfung Deutschlands an wehrfähiger Mannschaft so kurz nach dem siebenjährigen Kriege war derartig, daß der Kaiser und Friedrich II. von Preußen bei dem im Interesse Englands schamlos betriebenen Werbe- und Menschenfangshstem befürchtet, in ihrem eigenen Bedarf benachtheiligt zu werden. Sie verlegten darum den RecrutentranSporten der genannten Fürsten die geraden Wege uach Holland und Bremen, hielten sie an, griffen ihre angeblichen Nnter- thanen oder Deserteure heraus und vereitelten so den Abschluß der Lrefenmgsverträge mit Würtemberg und anderen Staaten, indem sie die Rheinstraße sperrten. Den Nachthell, den sie durch diese Verzögerung der Zuzüge den Engländern zufügten, kam den Amerikanern zu Gute, die auf diese Weise in Stand gesetzt wurden, nach dem unglücklichen Feldzüge von 1777 ihr Heer mit Hülfe des Generals Steuben zu reorganisircn. Der Fürst von Zerbst war über diese Einmischung des Preußenkönigs in seine Souveränctätsrechte so entrüstet, daß er seine Schwester Katharina II. sogar um bewaffnete Intervention ersuchte. Nicht minder störend für den Eifer der Fürsten waren die immer mehr nberhandnehmendeu Desertionen auf dem Marsche nach den Seehäfen.
Der Markgraf von Anspach war schon im März 1777 von schweren Pekuniären Verhältnissen bedroht, indem sein Contingent.auf dem Main in offene Meuterei ansbrach. Ohne Uhr, ohne Wäsche eilte er an Ort und Stelle, bewackfte die Recruten mit gespannter Büchse und geleitete sie mit väterlicher Sorgfalt bis nach Holland, ohne mehr als 20 Mann einzubüßen.
Weit schlimmer ging es ein Jahr später dem Zerbster Bataillon, das von 841 Mann nur 494 nach Hannover brachte, da allenthalben die Bauern den Ausreißern behülflich waren. Dazu kam endlich die Schwierigkeit, im Jnlande genug brauchbare Rekruten anfznbiugen, so daß eine förmliche Wegelagerei betrieben werden mußte, der auch der Dichter I. G. Seume zum Opfer wurde, um durch Ausländer die Lücken ausznsiillen. Die Klagen Fancitts und Rainsfords, daß man ihnen statt tüchtiger Leute unreife Burschen, Überalts Männer, ja Einäugige und Vagabunden liefere, werden immer häufiger. „Freilich', schreibt Faucitt, „fangen die hessischen Behörden jeden armen Teuiel ein, den sie betrügen können, und halsen uns ihn auf", eine Klage, die eben so begründet war wie die der Menschenmäkler, daß ihnen jetzt jeder Rekrut weit höher zn stehen komme, als früher. Am stärksten wurde die Landgrafschaft Hessen von Entvölkerung betroffen, da sie von Generation zn Generation decümrk worden war. „Das Volk aber — sagt Fr. Kapp S. 201 — war so gedrückt, arm, unwissend snnd an blinden Gehorsam gewöhnt, daß es die Willkür seiner Herrscher als eine Fügung des Schicksals geduldig hinnahm."
Fast erheiternd wirkt inmitten dieses Elends das Anerbieten des Zerbster Fürsten, seine in Jever liegenden Fregatten und sonstigen Kriegsschiffe an England zu überlassen, umsomehr, als Sir Jorke wirklich an das Vorhandensein einer Zerbster Flotte glaubte und den närrischen Einsall des Fürsten der Beachtung des brittischm Ministeriums empfahl.
Weder die an ihnen begangenen Gewaltthaten, noch die schlechte Behandlung und Verpflegung ans dem Marsche und zur See, noch ihre Leiden und Entbehrungen im Kriege und in der Gefangenschaft vermögen die „deutsche Trene" dieser Miethsoldaten zu erschüttern. Nur wenige gehen zn den Amerikanern über und ziehen die Freiheit in dm Coloniem der Knechtschaft im alten Batcrlande vor. Sie schlagen sich mit ausgezeichneter Tapferkeit, ohne sich darum zu kümmern, gegen wen und für welche Sache, und ihre Ossiciere stehen in dieser Beziehung nicht über ihnen. Ob gegen Türken oder Amerikaner, ob in Italien oder Schottland, sie finden in ihrer kriegerischen Thätigkeit den Trost, der heimischen Langeweile entrückt zu sein, und das ist ihnen genug. Sie sind eben Geschöpfe ihrer Zeit und ihres Landes, das auch kaum ein Gefühl für die Entwürdigung kundgibt, die ihm durch den Menschenhandel seiner Fürsten angethan ist. Desto lauter erschallt die Berurtheilung dieses Treibens vom Anslande her, ans den Hallen des englischen Parlaments, ans den Pamphleten MirabeauF und Naynafts und der freien Presse Hollands. Der Landgraf von Hessen führte durch seinen Minister eine förmliche
Polemik gegen diese Angreifer und ließ sich in Gegenschriften als einen
„von seinem Volke geliebten, Segen spendenden Vater" darstellcn. Eine Reizbarkeit, die beinahe räthselhast erscheint, da ja seine Specn- latwncn reichen Gewinn geliefert hatten und alles Andere ihm gleichgültig sein konnte, Von den 1,790 113 Pfd.Sterl., die England
von 1775 —1785 an die oben genannten deutschen Fürsten als
Snbsidieii bezahlte, kamen ja allein 1,223,156 auf den Landgrafen waS that es ihm also, wenn von 1699 0 Hessen nur 10,492 au Amerika znrnckkehwen? Die Gesammtzahi aber der von den sech
