Zur Entgegennahme anderweitiger Vorschläge ist die Armm-Com- mission jederzeit gerne bereit,
Brake, 1864 Dccbr, 3!.
Die Aruien-Commission,
H. G. Müller,
Kurfr'irfjrn Elisabeth von Brandenburg.
Gemahlin Kurfnrsts Joachim I. von Brandenburg
(Schlich,)
Im angegebenen Jahre war nämlich in Fürstenwalde ein Aufruhr entstanden; die Aufrührer waren gefänglich eingezogen; der Bischof von Zebus hatte die Sache in die Hände deS Kurfürsten gelegt; der Kurfürst ließ gegen Leistung der Urfehde Gnade für Recht ergehen, und zwar wie cs in dem aufbehnltcnen Urfehde Briefe von Köln au der Spree, Sonnabend nach Matthäi 1523, wörtlich heißt: „In Ansehung der fleißigen und hohen Fürbitte, durch Königliche Würde zn Dänemark, unfern freundlichen lieben Herrn und Schwager, und unsere freundliche liebe Gemahl, für Obgeuanute gegen nnS geschehen."
Einige Jahre darauf tritt jedoch das Zerwürfnis; zwischen den fürstlichen Gatten bereits offen zu Tage, Die Veranlassung hierzu gab die entschiedene Weigerung der Kurfürsti», das heilige Abendmahl nach dem RituS der katholischen Kirche zu empfangen.
Obwohl die Knrfürstin Elisabeth schon durch diese Weigerung den heftigsten Zorn ihres Gemahls erregt hatte, und der Gefahr, mindestens in einem festen Schlosse eingesperrt zu werden und bis zum Tode deS Kurfürsten in festem Gewahrsam zu bleiben, nur durch die Festigkeit der Ritterschaft entgangen war, so wagte sie es dennoch, im Monat März 1528, in Abwesenheit ihres Gemahls, von einem evangelischen Geistlichen ans Wittenberg sich im kurfürstlichen Schlosse selbst daS h. Abendmahl unter beiderlei Gestalt reichen zn lassen.
Damals war gerade die jüngste Tochter der kurfürstlichen Eltern — seit einem Jahre Herzog Erichs von Brauuschweig Gemahlin, — eine Tochter, welche den Namen der Mutter trug, aber ihren Glauben nicht theilte, am Hose zn Berlin anwesend. Sie war es, welche dem Vater ans fein Andringen das Geheimnis; verrieth,
Kurfürst Joachim, welcher bei seinen Ansichten diesen Ungehorsam seiner Gemahlin gegen feine ausdrücklichen Gebote für ciiicBerhöhmmg feines Ansehens hielt, gerieth in heftigen Zorn, drang, empört und entrüstet, wie er war, in die Gemächer seiner Gemahlin und überhäufte sie mit Vorwürfen und harten Drohungen,
Da beschloß Elisabeth, das Aenßerste von ihren: aufgebrachten Gemähte befürchtend, sich durch Flucht der ihr drohenden Gefahr zu entziehen. Hatte ihr doch Kurfürst Johann vöu Sachsen leider schon früher in einem Schreiben vom <4. Febr. 1528 angcrathe», aus der Noch eine Tugend zn machen und, um der Seele» Speise nie», entbehren zu dürfen, lieber zu fliehen, und ihr angeboteu, sie hcimlieb und unbemerkt nach Kvlditz bringen zn lassen und sic daselbst zu beherbergen.
In der Nacht, vom 25, auf den 26, März 1528 führte Elisabeth ihren Beschlich wirklich aus. In nächtlichem Dunkel entwich die bedrängte Fürstin, die einst so glänzend in das Land eingezogen war, nebst einem KammrrfrSnlcin unter Mitwirkung des ThürhükrrS Javchim v. Götze und AchmiS v, Brcdvw, aus einen! Bauerwagen in Banern- tracht aus dem Schlosse, und eilte der sächsischen Gräuzc zu.
Noch sind Aktenstücke vorhanden über die Untersuchung, welche gegen den Thürhüter v. Götze und den kurfürstlichen Kammerriwter Otto Schenk von Landsberg eiugelcitet wurde. Ob aucb Johann v. Wolzig zur Flucht bcförgcrlick gewesen, wie anderwärts berichtet wird, Ist nicht gewiß, ' . '
^Unterwegs brach ans der eiligen Flucht, ehe noch die sächsische Gränze erreicht war, ein Rad am Wagen, Die Knrfürstin fürchtete eingeholt zn werden; sie band ihr Kopftuch ab, damit cs zur uoch- diirsligen Befestigung des Wagens mit augeweudet werden möchte.
An der sächsischen Gränze empfing sie ihr Bruder, König ^Christian,. und geleitete sie nach Torgau, Ihr eigentlicher Aufenthalt ^aber 'wurde das rnrsachfischc Schloß zu Lichtenburg an der Elbe, welches ihr vom Kurfürsten Johann von Sachsen emgcränmt ward, ß '^llher nahm an diesem traurigen Ereignis; lebhaften Aritheil. ffSchvu unter denn 28, März 1S28 schrieb er deshalb an WenceslanS Duck in Nürnberg in folgender Weife: „Versammle eilcndS die Gemeinde an heiliger Stätte zu gemeinsamem Gebete, daß der Herr Christus den Satan zertrete; denn derselbe brüllt wie ein hungriger Löwe und trachtet nach imserm Herzblut, Aus Berlin ist die Markgräsm AMsiohen mir Hülfe ihres Bruders, des Königs ven Dänemark, zu un- Estrm Landesfürsten; denn der Markgraf hatte beschlossen, so wird ge- Aagt, sie einmauern zu lassen wegen Genuß des Abendmahls in beiderlei Gestalt,"
t Es steht dahin, ob Kurfürst Joachim wirklich so hart mit der
Gemahlin verfahren wäre. Nach Besänftigung des ersten Zornes war er stets ein großmüthiger und hochgemnther Herr.
Von nun au lebte Elisabeth still und zurückgezogen in Lichtenburg, Die Nachbarschaft Wittenbergs brachte sie bald in Umgang mit Luther; der Reformator besuchte sie, sie besuchte ihn; ein Mal war sie drei Monate lang ununterbrochen in Luthers Hause,
Kurfürst Joachim unternahm trotz seines anfänglich so heftigen Zornes nichts Feindliches gegen seine Gemahlin; ja, zum Zeichen, das; er unter allen Verhältnissen die Musterungen des Gefühls ländlicher Liebe achte, gestattete er seinen Söhnen, die Verbindung mir ihrer Mutter fortwährend zu unterhalten.
Als Kurfürst Joachim am 11, Juli 1535 gestorben war, hielten es Elisabeths Söhne, Kurfürst Joachim II und Markgraf Johann, für ihre erste Pflicht, die geliebte Mutter in ihr Land zurückzuführen.
Sie reisten ihr eine Tagereise entgegen und geleiteten sic in die
Hauptstadt und von da in die, wie bereits oben erwähnt ward, ibr
schon bei ihrer Vermählung znm Witthum angewiesene Stadt Spandau.
Anfangs hielt sich indessen die verwittwete Knrfürstin doch noch größtcntheils in Lichtenburg und Wittenberg auf, Bon dort schied sie erst seit 1545 ganz, ehe Luther starb und che der schmalkaldische Krieg ansbrach. In Spandau erlebte sie aber schon im Jahre 1539 die
große Freude, das Evangelium, nm dessentwillm sie so vier Roth
und Ungemach erduldet hatte, triumphiren zu sehen.
Am 1, November des genannten Jahres — cs war ein Sonnabend — ward nämlich in Spandau der evangelische Gottesdienst, der daselbst bisher nach der Rückkehr der Knrsnrstin nur auf dem Zimmer gehalten worden war, zum ersten Male in der dortigen Nicola ikirche m Gegenwart des ganzen Hofes, der Landstände und der märkischen Prediger abgehetzten. Bor einer zahllosen Volksmenge sprach der Bischof von Brandenburg, Mathias v. Iagow, in deutscher Sprache die Eiasetzungsworte und theilte darauf au die ganze kurfürstliche Fansilie, an die Hofbedienten und Räthe das heilige Abendmahl unter beiden Gestalten aus.
So erfreulich und erhebend dieß Ereigniß für die Knrfürstin war, eben jo schmerzlich mußte sie dagegen, bei dem Eifer, mit dem sie der Sache des Protestantismus anhing, einige Jahre spater nolhwcndiger Weise von der Nachricht getroffen und berührt werden, daß ihr Sohn, Markgraf Johann von Küftrin, sonst ein so eifriger Anhänger und Verfechter des Protestantismus, dem Kaiser gegen die evangelischen Schiualkaldrner zn Hülfe ziehen wollte. Sie unterließ daher auch nicht, ihren Sohn mit den beweglichsten mütterlichen Vorstellungen von seinem Vorhaben abzumaynen.
Daß Markgraf Johann, trotz ergreifender mütterlicher Mahnungen, der Sache des Kaisers zum Siege über die fchuialkaldischen Bundesgenossen v-rhalf, mußte freilich die Kurfürstin tief betrüben; aber sic hatte dreh den Trost, daß wenigstens in der Mark Brandenburg rer Protestantismus ungefährdet blieb, und sollte zn ihrer Befriedigung auch noch den Paffauer Vertrag erleben, durch welchen der ProwstanüSmus in Deutschland überhaupt erst eine feste politische Grundlage gewann, U-brigenS lebte die Kurcurstin, wie in Lichtenberg, so auch in Spandau, nicht sich, sondern Gott und den Armen, An ihrem Hose wurde nach einer ausdrücklichen Haus- und Tagesordnung täglich Hausgötter dienst gehalten, welchem sich kein Hausgenosse entziehen durfte. Ost las sie stillst aus der heiligen Schrift und aus Luthers Hauptpvstille vor; auch den Bürgern in der Stadt war der Zuir-ii zn dein Gottesdienste im Schlöffe gestattet.
So lebte Eüfabcrh 2!) Jahre, in ihrem Wittwmstande und starb endlich, noch im Verscheiden „umthig und tugendlich das Zeichen gebend, daß sic fest bei dem Glauben, dessen Märtyrin sie geworden, verharre", in einen! Älter von 70 Jahren und von einer zahlreichen und blühenden Nachkommenschaft umgeben, nachdem sie, wie csiie „gläubige Judith", ihr Land mit Gebeten erretten und als eine „wahre Mutter der Kirche" mir höchstem Ernst und Fleiß „das Amt des Evangrlii bei ihren lieben Herren Söhne:! fördern und fonsetzc» Helsen", am 1t- Juli -'555 in ihrem Leibgediuge zu Spandau, um in der Erbgrusi zn Köln an der Spree mit Dem im Tode wieder vereinigt zu werden, von dem Entzweiung im Leben sie getrennt hatte, „Biele und harte Kampfe", äußert Agricvla in der Zeich'mprevizt, in der er zahlreiche merkwürdige und geistreiche Anssprüche der vielgeprüften Fürstin mitthcilt — „habe die selige Knrfürstin an Seele, Gemüthe, Gewissen, Geist und Herzen erfahren, in allen dreien Leben : namriichem, geistlichem, ewigem; sic sei mächtiglich vom Tore zum Leben dnrchgcdrnngen; denn im natürlichen Leber: habe sic 70 fürstliche Personen, ihres Alters 70 Jahr, zn Kindern und Kindes- kiudern überlebt, die sie alle Großmutter und Mutter haben nennen müssen,"
