Schenfung war unter der ausdrücklichen Bedingung gemacht worden, daß der Name der Spenderin nicht genannt würde. Nur ihr, der Vertrauten der alten Dame, und dem Notar, welcher das Geschäftliche besorgt hatte, waren die Geberin bekannt. Wenn irgend woher eine Hilfe zu erwarten war, dann hier; mit raschem Entschluß verließ Röschen das Zim­mer und begab sich in den Salon, wo sie von ihrer Herrin mit freundlichem Erstaunen empfangen wurde. Zeigte doch das Mädchen in seinem ganzen Wesen eine Erregung, die noch niemals an ihm zu beobachten gewesen war; das Gesicht vor Eifer gerötet, die Augen zu Boden geschlagen, stand es in der Mitte des Zimmers und erwiderte die freundliche Frage der Herrin, ob ihm etwas fehle, mit den hastig hervorgestoße­nen Worten: Ach, gnädige Frau, wenn Sie helfe wollte, dann wär alles gut!"

-

Dir soll ich helfen, mein Kind? In welcher Weise?" forschte die alte Dame. ,, Nicht mir; mein Bruder Schorsch war da von der Augenheilanstalt tam er und ist wieder mit dem legten Zug heimgefahr'n" fuhr Röschen fort. Da soll ich also Deinem Bruder helfen? Fehlt es ihm an Geld oder an was sonst?" ermunterte Frau von Halden­wang die Stockende.

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,, Nein, auch nit ihm, aber einem andern dem Philipp!" Dem Philipp? Ja, Kind, da werde ein anderer aus Deinen Worten flug. Laß Dich hier auf dem Schemel nieder -so- jetzt erzähle mir, was Dich in solche Aufregung ver­setzt, daß ich Dich gar nicht wieder erkenne. Dente, Deine verstorbene Mutter fäße an meiner Stelle und Du wolltest einmal Dein Herz recht ausschütten."

,, Ach, gnädige Frau, Sie sind so gut!" Dabei füßte das Mädchen die Hand der alten Dame. Der Philipp, der war schuld, daß ich von daheim fort bin; er hatte mich gern." Und Du wohl auch ihn? Wie Kind?" Errötend sentte Röschen den Kopf. Ja, ich gesteh's er war mer alles alles", und in fliegenden Worten er­zählte sie ihre einfache Geschichte, schilderte den Opfermut des Geliebten, der sein Glück preisgegeben, um seine Familie vor dem wirtschaftlichen Ruin zu retten, erzählte schluchzend von den Unglücksfällen, die ihn und die Seinen betroffen, von der mutigen Rettung ihres Bruders, und bevorstehenden Klage und schloß mit den Worten:

99

Wenn Sie nicht helfen, gnädige Frau, dann weiß ich nicht, wei helfen soll!"

Mit leisem Lächeln hatte die Freifrau den erregten Wor­ten des Mädchens gelauscht. Ihrem scharfen Blic entging es selbstredend nicht, daß das Herz des reinen, von ihr so ge­liebten Kindes, noch in alter Liebe für den so sehr vom Un­glück verfolgten Mann schlug, daß diese Liebe es einzig war,

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welche Röschen die heißen Bitten um Silfe auf die Lippen| Angelegenheit in Westerhahn tann Deinen Wünschen ent drängte, und sofort entschlossen, hier einzugreifen und zu hel- sprechend geregelt werden. Ich werde eine Einschreibung auf fen, auch wenn sie das ihr fast unentbehrliche Mädchen für die den Hof nehmen!" Zukunft verlieren müsse, füßte sie Röschen auf die Stirn mit, Dant, Dant, gnädige Frau!" sagte Röschen und küßte den milden Worten: die Hand der alten Dame.

Tröste Dich, mein Kind, es wird alles gut werden. Dein Bertrauen zu mir soll Dich nicht täuschen!" Dann erhob sie sich und fuhr mit ihrer gewohnt harten Stimme fort:

" Johann soll einspannen, ich fahre zu meinem Rechtsan­walt. Du begleitest mich!"

Einige Tage später saß Frau von Haldenwang wieder in ihrem Rollstuhl und sichtete die vom Postboten soeben ge­brachten Briefschaften. Es waren zwei Schreiben, welche sie besonders zu interessieren schienen: das eine trug den Post­stempel eines fleinen norddeutschen Städtchens und war von der früheren Gesellschafterin der Freifrau an diese gerichtet. Fräulein Waldner teilte der einstigen Herrin mit, daß ihre geliebte Mutter hochbetagt hinübergegangen sei und daß sie ihrem früheren Versprechen gemäß ihre Dienste für ihr ferneres Leben der gnädigen Frau zur Verfügung stelle. Die Freifrau faltete den Brief zusammen und sagte für sich: ,, Die gute Emilie! Wie freue ich mich, sie wieder um mich zu haben! Wie sehr verstand sie mich! Vielleicht kommt dieser Brief gerade zur rechten Zeit."

-

,, Nur eine Bedingung habe ich noch daran zu knüpfen", fuhr diese fort. Es ist notwendig, daß Dein ich wollte sagen, daß mein fünftiger Hypothekenschuldner mit seinem Vater bei der Aufnahme des Aktes gegenwärtig ist. Du mußt deshalb übermorgen Sonntag nach Hause fahren und mußt die beiden Herren Schröder nebst Mutter beziehungsweise Frau auf Mittwoch, den zehnten Dezember, nachmittags drei Uhr wie es hier in dem Briefe steht zu Herrn Notar Bürger bestellen. Hast Du verstanden?" Aber gnädige Frau, könnte man nicht schriftlich-?" stotterte Röschen.

-

Ich wünsche ausdrücklich, daß die Bestellung durch Dich mündlich ausgerichtet wird. Verstanden?"

Die gnädige Frau sprach wieder in der schärfsten Ton­lage, durch welche aber eine leise Bewegung Klang.

Du weißt, daß mir Widerspruch Greuel ist. Adieu!" Damit wandte sie sich wieder ihren Briefschaften zu und Röschen verließ den Salon.

XVII.

Das zweite Schriftstück enthielt die von der Freiin er- Der Altweibersommer war in diesem Jahr von einer betene Auskunft über die Verhältnisse der Familie Schröder Dauer, wie sie sich die ältesten Leute im Lande nicht erinnern in Westerhahn. Der Sachwalter der Frau von Haldenwang fonnten. Tag für Tag das nämliche tiefblaue Himmelszelt, mußte gute Verbindungen haben, denn die Verhältnisse waren die lachende Sonne, gerade als wäre die früher um diese Zeit bis auf das Kleinste geschildert und die Charaktereigenschaften, oft trübe und neblige Gegend in eine südlichere Hemisphäre der Angefragten in das günstigste Licht gestellt. Auch war gerückt worden. der todesmutigen Rettungstat Philipps Erwähnung getan. Allerorts war man in Westerhahn damit beschäftigt, die Frau von Haldenwang war von derselben schon durch Röschen reiche Obstbaumernte einzutun. Der Ertrag an Aepfeln über­unterrichtet gewesen; die Summe der Hypotheken, welche stieg besonders alle Erwartungen und waren schon verschiedene auf dem Hofe ruhten, waren ebenso genau angegeben, wie die auswärtige Händler, besonders solche aus Frankfurt, im Dorfe Höhe der von Marie Lenzinger eingebrachten Mitgift. Die angekommen, um die Früchte als Kelterobst aufzukaufen. Die Freiin legte nach Kenntnisnahme des Inhalts das Schrift- Obstbaumstücke des Westerhahner Hofes hatten ebenfalls einige stück auf das neben ihr stehende Tischchen und die Hand dar- Sundert Mark abgeworfen, die der Frankfurter Händler auf legend, sah sie eine Weile sinnend vor sich hin. Dann soeben in blanken Goldstücken dem alten Schröder und dessen mit dem Kopfe nickend, flüsterte sie: Sohn hingezählt hatte: der Alte schloß das Geld nach Ent­ Ja, so wird es gehen, das liebe Kind soll glücklich wer- fernung des Mannes in den untern, als Kassette eingerich­den. Gott sei Dank, daß ich sie glücklich machen kann!" teten Teil des Schreibpultes und bemerkte wehmütig: Ja, wenns dreißig Mol so viel wär, Philipp, dann wär uns ge­holfe, so awere Gewitter soll eneinschlage, daß mer aus dene Schwulitäte( Verlegenheit) nit erauskomme! Mer hätt' es gepackt, wenn des Wasser nit komme mär! Die paar dau­send Mark, wo noch gefehlt hawe, hätt ich am End uffgebracht amer so!"

Auf den Knopf der über ihr herabhängenden Klingel­schnur drückend, befahl sie dem eintretenden Lakaien: Therese soll kommen!" und vertiefte sich wieder in die Lektüre der Briefschaften. Röschen trat ein und blieb einige Augenblicke an der Tür stehen.

Komm her, mein Kind!" sagte Frau von Haldenwand freundlich. ,, Hier ist ein Schreiben meines Sachwalters. Die

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