Wilhelmshavener Tageblatt

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Bei der außerordentlich meiten Verbreitung des ,, Wilh. Tagebl.", das hier fast in jeder Familie, auf jedem Schiff und in jeder Kaserne zu finden ist und oon allen Behörden seit Jahrzehnten als Publikations­organ benutzt wird, ist den Anzeigen naturgemäß die

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Berlag und Redaktion des Wilh. Sagebl."

Dienstag, den 31. Dezember 1912.

38. Jahrgang.

suns wird, wenn er kein Pharisäer ist, sich seiner eigenen Feh- sche Gesetze sichernde Arbeitsgemeinschaft vorhanden zwischen ler bewußt sein: daß aber Schiffer sein ganzes Wissen und 3entrum und den beiden liberalen Fraktionen. Nirgend Können in den Dienst des Vaterlandes und der Partei stellt, trennt Haß und Parteileidenschaft die bürgerlichen Parteien daß er eine hervorragend begabte Persönlichkeit ist, und daß und hindert sie an positiver Arbeit. Ich habe die Hoffnung, feine Tätigkeit in Reichstag, Landtag und in der Presse von daß, nachdem die Nationalliberalen und das Zentrum sich den Jdealen liberaler Weltanschauung getragen ist, dafür in der Forderung der allgemeinen Besitzsteuer zusammenge­liegen Beweise ohne Zahl vor. Ich richte die herzliche Bitte funden haben, sich hier eine Arbeitsgemeinschaft in großem an alle Parteifreunde, diese persönlichen Angriffe einzustel- Stil mit den andern Fraktionen ergibt, welche im Geiste der len, sachliche Meinungsverschiedenheiten mögen ausgetragen Gerechtigkeit und des sozialen Ausgleiches die Frage der all­werden, persönliche Auseinandersezungen schädigen die Par- gemeinen Besitzsteuer löst. tei mehr als den Mann, gegen den sie sich richten. Es wäre anderseits ein Jrrium, zu glauben, daß es Ar­

Frieden in der Nationalliberalen Partei.

Die Nationalliberale Partei darf keine Politik treiben, beitsgemeinschaften zwischen den einzelnen Parteien geben welche mit einer Sezession endigt. Wer die Geschichte der Na- kann, die sich auf alle politischen Fragen erstrecken. Dazu sind tionalliberalen Partei tennt, der weiß auch, daß die Sezes- die Probleme zu verschiedenartig; dafür verschiebt sich das fionen der Völk und Genossen einerseits und der Rickert und Bild von einem Tage zum andern zu sehr. Wer in objektiver Genossen anderseits gleichbedeutend waren mit der Beendi- Betrachtung die Weltpolitik und die Lage der Nationallibe­gung der glanzvollen Stellung, welche bis zum Ende der 70er ralen Partei überschaut, wird für das Jahr 1913 keinen Jahre die Nationalliberale Partei in Reichstag und Land- besseren Wunsch aussprechen können, als Frieden in unsern tag einnahm. Daß es damals Bennigsen nicht gelang, die Reihen, einen Frieden, den die bedrohliche Lage der aus­Sezessionen zu hindern, ist die Tragit seiner politischen Tätig wärtigen Politik erheischt, einen Frieden, der notwendig ist feit in der Partei gewesen: Discite moniti. Wer möchte eine für das Gedeihen der Nationalliberalen Partei. Politik empfehlen, die erneut zur Spaltung führt und damit, wenn nicht der Untergang, doch die Einflußlosigkeit der Na­tionalliberalen Partei herbeiführen muß. Gewiß, sachliche Gegensäge sind vorhanden; der rechte Flügel denkt in man­

Deutsches Reich.

Fehr. v. d. Goltz.

chen Fragen anders als der linke. Wo wäre dies heute nicht Berlin, 28. Dez. Die ständige wirtschaftliche Kom­der Fall? In das Zentrum sind trotz der unerreichten Stärke mission der Kolonialverwaltung, die 1910 durch den dama­dies konfessionellen Bandes durch die Arbeiterbewegung und ligen Staatssekretär von Lindequist als Beirat des Kolonial­die Kundgebungen des Papstes scharfe Gegensätze hineinge- amts eingerichtet wurde, und in die die Handwerkskammern tragen worden. Auf der einen Selder starre Konfessionalis. Bremen, Chemnitz, Hamburg, Köln, Mannheim und Nürn­mus, die Reinfultur des Ultramontanismus, in der Berliner berg Vertreter entfenden, wird demnächst erweitert werden. Richtung verkörpert, auf der andern Seite die Kölner, die Staatssekretär Dr. Solf hat den Deutschen Handelstag ge­Bachemiten, verfeindet mit denen um Oppersdorf, welche sich beten, dazu noch einige geeignete Mitglieder in Vorschlag zu des maßgebenden Einflusses in Rom erfreuen. In der Fort- in seiner letzten Sizung mit der Angelegenheit beschäftigt und bringen. Der Ausschuß des Deutschen Handelstages hat sich schrittspartei ein rechter Flügel, der mit starkem Unbehagen beschlossen, ihre Erledigung dem Vorstande zu überlassen. die taktischen Vereinbarungen mit der Sozialdemokratie über sich ergehen läßt, und eine Linke, die in diesen Bündnissen das Heil für den Liberalismus und die einzige Möglichkeit, Berlin, 28. Dez. Wie die ,, B. 3. am Mittag" meldet, die Rechte zu überwinden, sieht. In der Sozialdemokratie wird Generalfeldmarschall Frhr. v. d. Goltz, der Reorganisator ringen Revisionisten und Orthodore, und so tief ist die innere der türkischen Armee, von seiner Stellung als Generalinspek­Dissonanz geworden, daß man nicht mehr wagt, den frischen teur der 6. Armee- Inspektion zurücktreten. Der Generalfeld­fröhlichen Kampf, wie einst zur Zeit der Dresdner Jung- marschall wird im kommenden Jahr 70 Jahre alt. brunnen zu führen, sondern alle Streitigkeiten dämpft. Nie­mand in diesen großen Parteien denkt daran, die Gegensäge Zur Erneuerung des Dreibundvertrages. bis zum Bruch zu treiben, man sucht sich zu vertagen, weil Berlin, 27. Dez. Unlängst wurde aus einer Rede Tif man weiß, daß der Zerfall die Einbuße der Macht bedeutet. tonis von 1904 auf die Tertierung des noch unveröffentlichten Und wenn die Konservative Partei anscheinend nicht an die Dreibundvertrages ein Schluß gezogen, dem bisher nicht sen innern 3wistigkeiten leidet, ist es eine glückliche Entwick- widersprochen worden ist. Jetzt tischt der deutsch- österreichische lung, ist es nicht im Interesse des ganzen Parteilebens aufs Historiker Professor Heinrich Friedjung, der Vertraute des höchste zu bedauern, daß die Konservative Partei mehr und Wiener Auswärtigen Amtes, im Neuen Wiener Tagblatt( im mehr einen Klassencharakter annahm und sich mit dem Bund Rahmen eines Auffazes über Aehrenthal und Berchtold) über der Landwirte identifizierte? den Inhalt des Dreibundvertrages eine bisher der Oeffentlich­Weitaus der überwiegende Teil der Nationalliberalen feit nicht bekannte Angabe auf. Es heißt da: Die Erobe­Partei steht weder auf dem rechten noch auf dem linken Flü- rung des Westens der Balkanhalbinsel wäre nur durch einen gel. Sie wünscht die Weiterführung einer von nationalem siegreichen Krieg gegen Rußland nur durch große, den Jta­Geiste und echt liberaler Gesinnung getragenen Politik, eine lienern gewährte Kompensation zu erreichen gewesen. Auf die Politik, welche die volle Selbständigkeit der Nationallibera- lekteren hätte Italien Anspruch gehabt, da es in dem gelten­len Partei nach rechts und nach links verbürgt. In dem den und kürzlich verlängerten Dreibundvertrage sinngemäß Augenblick, in dem die Nationalliberale Partei ein Anhäng- heißt: Wenn sich die Habsburgische Monarchie auf der Bal­Der Reichstagsabgeordnete Ernst Bassermann schreibt in sel der Fortschrittspartei oder der konservativen Partei fanhalbinsel ausdehnt, ſo iſt Gleiches auch dem Bundesgenosser würde, würden wir die Geschäftsleitung der Nationallibera- zugebilligt." Sonach beschränkten wir uns auf die Annexion Erneut rauscht es durch den Blätterwald, und der Streit len Partei, die in den Händen bewährter Männer, wie Fried- Bosniens und auf die Schaffung eines neutralen albanischen in der Nationalliberalen Partei will nicht zur Ruhe kommen. berg, Prinz Carolath und Krause, den Vorsitzenden des ge- Staates als Gegengewichts zu dem Ausgreifen eines unsere Wenn der geschäftsführende Ausschuß der Nationalliberalen schäftsführenden Ausschusses in erster Reihe liegt, nicht mehr füdslawischen Gebiete begehrenden Großserbiens." Auch was Partei Pommerns von der schwersten Stunde der National- an ihrer Stelle sehen, und ich würde sofort den Vorsitz in der Friedjung dort über die albanische Frage mitteilt, ist beach­liberalen Partei spricht und erklärt, daß tiefgehende, sachliche Nationalliberalen Partei niederlegen. Gegensäge zur Entscheidung drängen und daß die Frage, ob Taktische Fragen, die bei den Wahlen in den Vorder- Aehrenthal im Winter von 1908 auf 1909 mit den albanischen die Nationalliberale Partei bedeutungsloses Anhängsel der grund treten, sind bei den preußischen Landtagswahlen von Führern verhandelte und ihnen für den Fall eines Krieges Konservativen Partei oder mitbestimmende Partei im deut- der preußischen Partei zu entscheiden. Sie wird die Richt mit Serbien- Waffen und Geld für 30 000 Mann und zu­schen Liberalismus sein soll, von einem Vertretertag ent- linien für den Wahlkampf aufstellen. Für die Reichspolitik gleich Autonomie für ihr Land in Aussicht stellte. Mehr noch schieden werden muß, so sind dies in der Erregung des Augen- liegen solche Notwendigkeiten zurzeit nicht vor. Die Reichs- war unter dem Grafen Berchtold möglich. Die Monarchie blicks entstandene Auffassungen, welche vor der Wirklichkeit tagsfraktion ist einig und geschlossen und arbeitet harmonisch hielt nicht bloß schüßend die Hände über sie, sondern erwirtte nicht standhalten. Ich hatte Gelegenheit in manchen Teilen zusammen. Im Reichstage selbst finden sich für die Erledigung wurde Grey gewonnen, zuletzt folgte Poincare, der seine Presse ihnen auch den Beistand der übrigen Großmächte. Zuerst unseres Vaterlandes in diesem Herbst zu sprechen, in Ost- positiver Aufgaben wechselnde Arbeitsgemeinschaften zusam bis zuletzt für einen Adriahafen Serbiens schreiben ließ und preußen und Schlesien, in Hannover und Mecklenburg, in men. Daß die Reichstagsfraktion Wert auf freundnachbar- den französischen Banken vor drei Wochen gestattete, dieſem Hessen und Baden, in Nassau und der Rheinprovinz, in Bre- liche Beziehungen zu der Fortschrittlichen Volkspartei legt, Staate 18 Millionen Franken zu leihen." Die Rhein.- Wests. men und in Reuß. Nirgend habe ich eine Erregung in den ist selbstverständlich. Nicht nur als Folge gemeinsamer Waf- Zeitung" hat übrigens von gut unterrichteter Seite aus Wien Parteitreisen gefunden, sondern überall das Bedürfnis nach fengänge bei den Wahlen, sondern weil das Zusammenarbei Frieden in unsern Reihen und den Wunsch des Aufhörens ten der beiden liberalen Parteien in vielen Fragen sich eben- erfahren, daß auch diesmal große Waffenlieferungen aus der so wie im Landtag, so vor allem auch im Reichstag aus viel- österreichischen Waffenfabrik in Steyr nach Albanien abge= Man kann der politischen Tätigkeit und Schaffensfreude fach gemeinsamen Weltanschauungen ergibt. Wer in den Er- gangen sind, deren Kosten die österreichisch- ungarische Regie­der Pommern voll gerecht werden und hoffen, daß ihnen auch innerungen Bennigsens blättert, wird gerade in ihnen den rung übernommen hat. der Lohn für ihre Arbeit bei fünftigen Wahlen zuteil wer- Beweis finden, wie sehr Bennigsen unter dem haßerfüllten Bassermann über die politische Lage. den wird und darf trotzdem der Meinung sein, daß die Poli- Kampfe der Liberalen untereinander litt. In den Fragen tit der Nationalliberalen Partei unmöglich von Stettin aus des Schutzes der nationalen Arbeit, der Aufrechterhaltung sermann sagt in einem, 1913" überschriebenen Artikel u. a. Berlin, 28. Dez. Reichstagsabgeordneter Ernst Bas­orientiert werden kann. Man kann zugeben, wie wir dies der Schutzzollpolitik ergab sich ohne weiteres aus derselben folgendes: So ist das Jahr 1913 mit Sorgen der äußeren und alle tun, daß die Vorgänge bei der Präsidentenwahl uner- Grundanschauung heraus eine Arbeitsgemeinschaft mit 3en- inneren Politik beschwert. Das deutsche Volk ist durch die freulich waren, und fann trotzdem den dringenden Wunsch trum und Konservativen, wie die Verhandlung über die politischen Ereignisse der letzten Jahre in seinen Tiefen erregt haben, daß die Angriffe gegen den Abgeordneten Schiffer Fleischteuerung zeigt. Diese Arbeitsgemeinschaft wird sich bei und aufgewühlt. Das politische Verständnis, aber auch der aufhören. Schiffer steht seit vielen Jahren im Dienste der mancher wirtschaftlichen Frage wiederholen. In den Fragen nationale Sinn sind in den letzten Jahren mächtig gewachsen. Nationalliberalen Partei. Maq er Fehler haben, ieder von der Sozialpolitik ist eine die positive Erledigung sozialpoliti- In einem reifer werdenden Volt wächst auch der kritische Geist.

Der Köln. 3tg.":

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dieser unliebsamen und nutzlosen Erörterungen.

tenswert: Es kann heute ohne Scheu erzählt werden, daß