Nr. 203.

Dienstag, 31. August 1909.

Wilhelmshavener Tageblatt.

Beilage.

Expedition: Kronprinzenstr. 1.

Die Fahrt des, Zeppelin 3" nach Berlin. den Rückzug an, der sich in aller Stille vollzog. Die meiſten| Auſſtellung genommen, die das Lied ſpielte Deutſchland,

gingen bei dem schönen Wetter zu Fuß. Endlose Reihen von Deutschland über alles". Vom Brandenburger Tor fuhr das über die Fahrt nach Berlin und über die Ankunft da- Droschten und Automobilen wälzten sich durch die Straßen. Luftschiff in großem Bogen über die nördliche Friedrichsstadt selbst liegen folgende Meldungen vor: Die elektrischen Straßenbahnwagen und die von der Auto- und die Oranienburger Vorstadt und bog dann wieder nach Plauen, 28. Aug. 12 Uhr 45 min. nachm. Die Omnibus- Gesellschaft gestellten Wagen leisteten ihr Möglich- Süden dem Schloß zu. Das Luftschiff wandte sich hierauf außerhalb verbreitete Meldung von einer Havarie bezw. von stes in der Rückbeförderung der Personen. Auf dem ganzen nach dem Friedrichshain, wo eine große Menge Schulkinder einem Zurückweichen des 3. 3" ist falsch. Der Ballon ist in Wege sorgten berittene Schuhleute für die Aufrechterhaltung zur Begrüßung des Ballons Aufstellung genommen hatte. vorzüglicher Verfassung und fliegt jetzt in der Richtung auf der Ordnung. Am Hauptverkehrsplate, am Halleschen Tor, Das Luftschiff machte dort verschiedene Wendungen, nahm Greiz. wurde der Verkehr durch ein starkes Schuhmannsaufgebot dann wieder die Richtung über das Rathaus nach der Leip­Reichenbach i. V., 28. Aug. Das Luftschiff 3. 3" unter dem Befehl mehrerer Polizeioffiziere geregelt. Die ziger Straße, über die Friedrichsstadt hinweg nach dem Tier­übrflog die Stadt gegen 1 Uhr in der Richtung auf" Greiz. Unfallstationen waren nur bei einigen leichten Ohnmachts- garten und wandte sich dann über Moabit nach Norden. Infolge starten Gegenwindes fuhr das Luftschiff sehr anfällen und geringfügigen Verlegungen in Anspruch ge= Der Tegeler Schießplaz war seit den frühen Morgen­langsam. nommen. Die allgemeine Stimmung der Menge war: stunden abgesperrt. Sorgfältig wachte eine dreifache Kette Weida, 28. August. 1 Uhr 35 Min. nachm. 3. 3" Morgen tommt er sicher!" von Gendarmen und Truppen darüber, daß von Zivilpersonen femmt soeben aus der Richtugn Greiz hier in Sicht in der Fahrtrichtung auf Gera.

Altenburg, 28. Aug. 4 Uhr nachm. Das Luftschiff 3. 3" hat zwischen Crimmitschau und hier nahe Schmölln einen Propeller verloren und fährt langsam weiter, ver­mutlich zur Landung in Leipzig.

Rötha, 28. Aug. 3. 3" fuhr um 4 Uhr 35 Minuten westlich von Rötha( 14 Kilometer südlich von Leipzig) in der Richtung auf Leipzig.

Leipzig, 28. Aug. 5 Uhr 15 Min. Das Luftschiff fährt soeben in ruhiger Fahrt über die Stadt nach Bitterfeld. Potsdam, 28. Aug. Der Kronprinz hat sich heute Vormittag 11.15 Uhr im Automobil nach Bitterfeld begeben. Bitterfeld, 28. August. Der Kronprinz und die Kronprinzessin trafen nach 1 Uhr nachmittags hier im Auto­mobil ein und nahmen im Kaiserhof" Wohnung. Bitterfeld, 28. Aug. 6 Uhr 25 Min. abends. So­eben ist das Luftschiff 3. 3" glücklich gelandet. Graf 3eppe­lin und der Kronprinz trafen im Automobil gleichzeitig mit dem Luftschiff ein.

Die Ankunft in Bitterfeld.

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Der Wiederaufstieg in Bitterfeld.

Berlin, 28. Aug. Die Königl. Eisenbahn- Direktion nur Inhaber von Karten des Generalkommandos den Plaz gibt bekannt: Die anläßlich der Zeppelin- Fahrt für heutige betreten durften. Das Heidegelände, von Föhren umrahmt, Sonderzüge ausgegebenen Fahrkarten werden wegen des bietet mit seinen Feldwachen und den umherstreifenden Ka­unbestimmten Eintreffens des Luftschiffes auch noch morgen vallerie- Patrouillen ein friegsmäßiges Aussehen. Der Lan­Sonntag zur Rückfahrt mit Personen- oder Sonderzügen zu- dungsplatz ist mit Draht umzäumt. Die Wagen mit der neuen gelassen. Eil- und Schnellzüge ausgeschlossen. Gasladung haben daneben Aufstellung genommen. Um 11 Uhr waren schon die verschiedenen Herrschaften erschienen. Berlin, 29. Aug.( Ausführlicher Bericht.) Auf dem Berlin, 28. Aug. Nach einer soeben an den Kaiser Tempelhofer Felde erwartete in flutendem Sonnenschein ein Bitterfeld, 28. Aug. 4 Uhr 40 Min. nachm. Nach gelangten Meldung des Grafen Zeppelin wird das Luftschiff nach vielen Hunderttausenden zählendes Publikum das Her­Bitterfeld, 28. Aug. 4 Uhr 40 Min. nachm. Nach hierher gelangten Nachrichten wurde das Luftschiff 3. 33. 3" morgen( Sonntag, 29.) früh in Bitterfeld aufsteigen, annahen des Luftschiffes, das mit militärischer Pünkt­hierher gelangten Nachrichten wurde das Luftschiff 3.3" gegen 4.30 Uhr über Borna gesichtet. Ingenieur Rober tele- des Tempelhofer Feldes sein und nach Ausführung der be- erwartet hatte, daß die Menschenmaſſen beim Erscheinen des gegen 4.30 Uhr über Borna gesichtet. Ingenieur Rober tele- bei günstiger Witterung gegen 12.30 Uhr mittags in Sicht lichkeit über den ungeheuren Menschenmassen erschien. Wer graphierte, daß zwei Propeller je einen Flügel verloren haben. Graf Zeppelin ist kurz vor 4 Uhr per Automobil absichtigten Schleifen auf dem Tegeler Schießplah landen. Luftkreuzers in stürmischen, andauernden Jubel ausbrechen dem Luftschiff entgegengefahren. Bitterfeld, 29. Aug. Das Luftschiff 3. 3" ist um würden, der sah sich zunächst enttäuscht. Es lag wie eine 7.30 Uhr morgens in der Richtung nach Berlin aufgestiegen. weihevolle Stimmung über der Menge, als das majestätische Die Nacht verlief ruhig. Die Pioniere, die sich stündlich Luftschiff über den weiten Platz seine Kreise zog. Es war, ablösten, hielten bei dem Ballon Wache, der trotz der feuchten als fühlte jeder den Anbruch einer neuen Zeit. Nur hin und Luft von vielen Zuschauern umlagert wurde. Die Fahrt wieder brach ein Jubelruf los, der zuletzt brausend in die wurde angetreten, ohne den verlorenen Propeller zu ersehen. Höhe drang, so mächtig, daß das Surren der Propeller darin Auf die gestrige Anfrage des Grafen Zeppelin sandte der unterging, ein Jubelruf, der dem greisen Grafen sagte, daß Kaiser ein langes, außerordentlich liebenswürdiges Tele- die zeitweise Stille eine Stille der Ehrfurcht war vor ihm gramm, in dem er die Hoffnung aussprach, den Grafen gegen und seinem großen Werke. über eine Viertelstunde zog 3. 3" 12 Uhr über dem Tempelhofer Felde zu sehen. Der Kron- in einer Höhe von 150-200 Meter seine majestätischen Kreise. prinz ist gestern zwischen 1 und 28 Uhr im Automobil Dann flog er in etwas beschleunigtem Tempo nach Norden nach Berlin abgereist. zu, um auch dem übrigen Teile Berlins sein wundervolles Wittenberg, 29. Aug.( Amtl. Meldung.) ( Amtl. Meldung.) Das Werk zu zeigen. Der Rückmarsch der ungeheuren Menschen= Luftschiff 3. 3" befindet sich um 8 Uhr 40 Min. über Mitten- massen, die dem Grafen als erste in Berlin ihre Grüße dar­berg. gebracht hatten, vollzog sich in bewunderungswürdiger Ruhe. Bitterfeld, 28. Aug. Als kurz vor 6 Uhr die auf Bitterfeld, 29. August. Der dichte Rebel, der schon Der große Eindruck, den des Grafen Lebenswert auf alle der Ballonhalle emporsteigende Fahne das Nahen des Luft- bei Sonnenaufgang herrschte, verdichtete sich immer mehr, Gemüter ausgeübt hatte, wirkte offensichtlich allenthalben schiffes verkündete, entstand unter den gewaltigen Menschen- so daß das Luftschiff nur teilweise sichtbar war. Graf 3eppe nach und bewirkte, daß die Menge trotz der Schwierigkeiten, massen, die in weitem Umkreis den vor der Ballonhalle lie- lin, der sehr wohl aussah, unterhielt sich freundlich mit zahl- die sich dem Verkehr entgegenstellten, die Ruhe und Würde genden abgesperrten Landungsplay umsäumten, fieberhafte reichen Herren, die ihn begrüßten. Nachdem man die Motore bewahrte, die die Pflicht gegen den großen Erfinder auf­Erregung. Bald darauf sah man am Horizont ein kleines mehrere Male zur Probe hatte laufen lassen, gab punkt halb erlegten. helles Wölkchen, das sich allmählich vergrößerte und näher 8 Uhr der Graf durch das Sprachrohr den Befehl Achtung! fam. In der Mitte des Plazes, wo die Soldaten bereit Auslüften!", worauf sich das Luftschiff allmählich in die Höhe standen, nahmen Hauptmann v. Kehler und Oberingenieur hob. Auf das Kommando Los!" ließen die Mannschaften Das Luftschiff ist soeben glatt gelandet. Tegel, Schießplaz, 29. Aug. 1 Uhr 50 Min. nachm. Kiefer Aufstellung. Um 6.20 Uhr traf Graf 3eppelin sen. im die Halteleine los, die Schrauben setzten sich in Bewegung Das Luftschiff ist soeben glatt gelandet. Automobil auf dem Landungsplatz ein, bald darauf der und das Luftschiff entfernte sich mit großer Schnelligkeit in Tegel, 29. Aug. Um 1 Uhr 15 Min. tamen im Auto­Kronprinz, ebenfalls im Automobil, beide von jubelnden der Richtung nach Berlin unter dem brausenden Jubel des mobil vom Tempelhofer Felde der Kaiser, die Kaiserin, die zurufen der Menge begrüßt. Die Musik spielte die National Publikums. Nach wenigen Augenbliden war es den Augen Prinzessin Viktoria Luise, der Kronprinz, die Kronprinzessin, hymne. Inzwischen war das Luftschiff näher heran ge- der Zuschauer in dichtem Nebel verschwunden. In der vorde- Prinzessin Eitel Friedrich sowie die unverheirateten Prinzen kommen und deutlich konnte man das Fehlen des vorderen ren Gondel befanden sich Graf Zeppelin sen., Graf 3eppelin nebst Gefolge. Kurz vorher war Herzog Adolf Friedrich von linken Propellers sehen. Um 6.25 Uhr befand sich das maje- jun., Oberingenieur Dürr, Oberingenieur Kober, Ingenieur Mecklenburg eingetroffen, der vom Geheimrat Lewald be= ſtätiſche Luftschiff unmittelbar über der Landungsstelle. Die Lau, Steuermann Hacker und die Monteure Schwarz und grüßt wurde. Mit der kaiserlichen Familie war General­Soldaten ergriffen die herabgelassenen Taue und zogen das Laburda, in der hinteren Gondel Direktor Colsmann, Inge- oberst v. Kessel eingetroffen. Das Luftschiff erſchien ab und Fahrzeug auf den Landungsplatz herab. In diesem Augen- nieur Stahl und Monteur Kast. Auf alle Fälle ist das zu über den Föhren, die das Schießgelände umgeben. Um 1 Uhr 40 Min. erschien 3. 3" über dem Ostrand blick durchbrach die Menschenmenge den gebildeten Kordon Pionierbataillon beordert worden, so lange hier in Bitter­und brach in begeisterte Ovationen aus. Der Kronprinz be- feld zu bleiben, bis die glückliche Ankunft in Berlin gemeldet des Exerzierplages, machte einen Bogen nach Norden und grüßte die Insassen des Luftschiffes, während die Musik die wird. Graf Zeppelin hat auch Hauptmann v. Kehler ge- schwenkte dann von Norden nach dem Ankerplaz ein. Um ge- 1 Uhr 46 Min. wurde aus der vorderen Gondel das erste Nationalhymne spielte und die jubelnden Zurufe der Men- beten, ebenfalls bis zur Ankunft in Berlin in Bitterfeld zu Tau geworfen. Hierauf senkte sich die Spitze des Luftschiffes, schenmenge immer wieder sich erneuten. Berlin, 29. Aug. Das Luftschiff 3. 3" passierte da in der vorderen Gondel mit Ausnahme eines Fahrtteil­Beliz um 9 Uhr 50 Min. in der Richtung nach, Wildpark. Es nehmers alle anderen Platz genommen hatten, so start, daß das Luftschiff in steilem Winkel zur Erde stand. Als der hält sich an der Strecke. vordere Teil des Luftschiffes von den Soldaten an den Anker­tauen festgehalten war, gingen die Teilnehmer an der Fahrt nach einander durch den Verbindungsgang nach der zweiten hinteren Teil des Luftschiffes der Erde näher. Auch hier er­Gondel und brachten durch diese Gewichtsveränderung den griffen Soldaten die Ankertaue und führten das Luftschiff an den zum Ankern vorgesehenen Plaz. Um 1 Uhr 51 Min. berührte die vordere Gondel den Erdboden und, während der Kaiser den Grafen Zeppelin begrüßte, intonierte die Militär­kapelle Deutschland, Deutschland über alles". Nach der Be­grüßung durch den Kaiser hieß die Kaiserin und die anderen Mitglieder der kaiserlichen Familie den Grafen Zeppelin herzlich willkommen.

Um 6.45 Uhr bat Graf Zeppelin sen., der inzwischen die

vordere Gondel des Luftschiffes bestiegen hatte, durch ein Sprachrohr die Menge, zurückzutreten, um das Luftschiff nicht zu gefährden. Dieser Aufforderung konnte indessen nur lang­fam Folge geleistet werden. Unmittelbar darauf begab sich der Kronprinz mit dem Grafen Zeppelin im Automobil nach dem Hotel Kaiserhof". Hierbei mußten berittene Offiziere dem Gefährt einen Weg durch die Menge bahnen. Graf Zeppelin hat den Kaiser um Befehl gebeten, wann die Ab­fahrt erfolgen solle. Um 7.15 Uhr wurde mit dem Nachfüllen von Wasserballast begonnen.

bleiben.

Potsdam, 29. August. 10 Uhr 5 Min. vorm. Das Luftschiff 3. 3" befindet sich kurz vor Potsdam und manöv­riert über dem Krähenberg in Caputh. Groß- Lichterfelde, 29. August. 10 Uhr 40 Min. Soeben wird das Luftschiff 3. 3" hier sichtbar.

" 3. 3" in Berlin angekommen. Berlin, 29. Aug. 11 Uhr 28 Min. vorm. Der Kaiser begab sich im Automobil nach dem Tempelhofer Felde und traf dort um 11 Uhr 20 Min. ein. Das Luftschiff 3. 3" nähert sich augenblicklich dem Tempelhofer Felde.

3. 3" gelandet.

An der Spitze der Stadtvertretung von Berlin hielt Bürgermeister Reicke folgende Ansprache an den Grafen

Hochverehrter Herr Graf!

Das festliche Treiben in Berlin. Berlin, 28. Aug. Berlin hatte sich auf den Empfang des Grafen Zeppelin festlich vorbereitet. Die Häuser wiesen Berlin, 29. Aug. Das Luftschiff manövrierte längere reichlichen Flaggenschmud auf, namentlich in den Straßen- 3eit über Schöneberg, fuhr dann im Bogen 20 Min. nach 11 zügen, worüber das Luftschiff passieren sollte. Bereits in den Uhr in der Richtung gegen den Südrand des Tempelhofer ersten Nachmittagsstunden waren die Straßen in lebhafter Feldes, wo inzwischen der Kaiser eingetroffen war. Etwa von Bewegung und boten ein fesselndes Bild, nicht zum wenigsten 11.30 Uhr an wandte sich das Luftschiff in der Richtung gegen 3eppelin: infolge des hellen Sonnenscheins, der seit Mittag die Stadt Schöneberg, Friedenau, Stegliz, dicht gegen Lichterfelde, also überflutete. Trotzdem die Nachrichten von dem langsamen immer vom Tempelhofer Felde ziemlich weit entfernt, viel-" Per aspera ad astra! So hat Berlin Ihnen zuge­Fortschreiten des Luftschiffes auf seinem Wege die Wahr- fach Bogen ausführend, das Vorderteil nach abwärts neigend rufen, als auch Sie vor Jahresfrist das alte Erfinderschicksal ereilte, durch die Gewalt der Elemente noch einmal Jhr scheinlichkeit stark verminderten, daß der Luftkreuzer zur an- und alle bisher bekannten Manöver wiederholend. gekündigten Zeit in Berlin eintreffen werde, hatte der Ver- Gegen 12 Uhr manövrierte das Luftschiff in Kreisen und ganzes Werk in Frage gestellt zu sehen. Mit einer beispiel­kehr in der dritten Nachmittagsstunde ungeheure Dimensionen Bogen noch immer westlich vom Tempelhofer Felde, ohne sich losen Einmütigkeit, die uns Deutsche Gott sei Dank wieder angenommen. Der Hauptstrom der Schaulustigen bewegte dem Felde erheblich zu nähern. Es scheint, daß Graf 3eppe einmal fühlen ließ, daß wir ein Volk sind, hat Deutschland fich zum Tempelhofer Felde und nach Norden zum Tegeler lin die Absicht hat, pünktlich halb 1 Uhr, wie vorher ange- Ihnen damals beigestanden, und wir Berliner sind dabei Schießplatz. Die fliegenden Händler hatten natürlich einen fündigt, nach dem Tempelhofer Felde zu kommen. wahrlich nicht die letzten gewesen. Daß Sie heute nach über­guten Tag. Deutsche Fähnchen mit dem Bildnis des Grafen, Um halb 1 Uhr kam das Luftschiff auf dem Tempelhofer windung mancher Widrigkeiten der langen Fahrt, als der Papiernachbildungen, sowie kleine Luftballons in Form eines Feld zur Begrüßung des Kaisers, verneigte sich und fuhr so- schon gestern sehnlichst erhoffte Stern am Himmel der Reichs­Luftkreuzers fanden reißenden Absatz. Sowohl in Tempelhof dann unter dem Glockengeläute der benachbarten Kirchen und hauptstadt aufgestiegen sind, ist der schönste Lohn für unsere wie in Tegel waren Absperrungsmannschaften bereits früh den Jubelrufen Hunderttausender auf den Straßen und den Liebe, die nach Lohn nie für uns, sondern nur für Sie ge­zeitig zur Stelle. Auch die fliegenden Sanitätswachen hatten Dächern der Gebäude über das Tempelhofer Feld in weitem fragt hat. Wenn auch auf der Höhe, die Sie sich erobert allenthalben ihre Posten eingenommen, die durch lustig im Bogen nach dem Kreuzberge und kehrte dann wieder an den haben, Ihnen eine Stadt wie die andere erscheinen muß, Winde flatternde Flaggen mit dem roten Kreuz gekennzeichnet Standplatz des Kaisers zurück, wo es die verschiedensten Wen- so wird doch die Begeisterung von drei Millionen, die in waren. Die ungefähr um 4 Uhr eingetroffene Nachricht, daß dungen und Manöver ausführte. Das Wetter ist prachtvoll. dieser Stunde mit Rufen und Fahnen wehen, zu Ihnen empor Zeppelin wegen Propellerverlust heute nicht mehr in Berlin Soeben, um 12 Uhr 55 Min., befindet das Luftschiff sich gelodert ist, Ihnen gesagt haben, daß hier im Herzen des erwartet werden könne, schien, obwohl sie sich mit Windeseile auf dem Wege zum Schlosse und zur vorgesehenen Schleifen- Landes, unter den Augen unseres allverehrten, geliebten Kaisers, auch das Herz des Volkes am lautesten schlägt: in der Stadt verbreitete, bei den erwartungsvollen Massen fahrt. zunächst keinen Glauben zu finden, wenigstens trat in dem Vom Tempelhofer Felde fuhr das Luftschiff etwa zehn Jedem großen Mann und jeder großen Tat. Daß Sie, der gewaltigen Verkehr keine merkbare Stockung ein. Trotz der Minuten vor 1 Uhr über den Belleallianceplay, Richtung Sie uns beides bringen, der Menschheit wieder einmal das durch Extra- Ausgaben der Blätter verbreiteten Nachricht Markgrafenstraße, nach dem Königlichen Schloß und fuhr, die langersehnte Schauspiel gewähren, wie dem Verdienste das pilgerten noch lange Tausende und Abertausende nach den Spize abwärts neigend, ums Schloß, wandte sich dann gegen Glück sich gesellt, und wie überzeugung und Mut endlich zum Aussichtspunkten der Stadt. Auch auf die ungeheure, nach das Rathaus, dessen Turm ebenfalls umfahren wurde. Der Ziele führen, macht Sie zum Helden und Führer, zum Lieb­Hunderttausenden zählende Menge, die das Tempelhofer Turm war von Mitgliedern des Magistrats, der Stadtver- ling des Volkes. Als solchen heißt durch meinen Mund heute Feld belagerte, übte die Nachricht zunächst keine Wirkung aus. ordnetenversammlung und Beamten und Gästen dicht besetzt. auch die Stadt Berlin Sie willkommen, und ruft Ihnen mit Sie wurde wie ein Gerücht aufgenommen, das keinen Glau- Der Ballon umkreiste dann den Turm der Petrifirche, wandte der Herzlichkeit den gestern in ihrem Munde steden gebliebe­ben verdient. Erst nach geraumer Zeit, als an der Hiobs- sich von hier zur Straße Unter den Linden und fuhr über nen Glückwunsch zu: Weiter ad astra!" Hierauf begaben sich die Majestäten, welche den Grafen botschaft nicht mehr gezweifelt werden konnte, lichtete sich diese hinweg bis zum Brandenburger Tor, wo das Luftschiff das Gewimmel und in merklicher Enttäuschung traten die ebenfalls einen Kreis beschrieb, die Spitze tief abwärts nei- 3eppelin in ihre Mitte genommen hatten, zum Automobil. aum zweitenmale in ihren Erwartungen betrogenen Massen gend. Auf dem Turm des Rathauses hatte eine Musikkapelle Dort ließ der Kaiser seinen Gast erst in sein Automobil eina