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Tägliche Unterhaltungs- Beilage
M. 206.
Geschichtsnotizen.
3. September.
zum..Wilhelmshavener Tageblatt".
1658 Oliver Cromwell, 1653-58 Lord- Protektor von England, geft. 1757 Großherzog Karl August von Sachsen- Weimar geb. 1814 Mathematiker James Joseph Sylvester geb. 1849 Arzt und Dichter Ernst Freiherr von Feuchtersleben gest. Christoph von Schmid geft. 1877 Der französische Staatsmann Louis 1854 Jugendschriftsteller Adolphe Thiers gest. 1888 Der russische Dichter Jwan Sergejewitsch
Turgenjem gest.
Sedan.
Ein Erinnerungsblatt zum 2. September.
( Nachdruck verboten.) M
Von Staub, Rauch und Pulverdampf gleichmäßig geschwärzt hielten die bayerischen Bataillone das mit blutigen Berlusten eroberte Dorf Bazailles besetzt.
Einem wütenden Kampfe hatten die Franzosen weichen müssen, aber manche Lücke hatten ihre Geschosse in die Reihen der anstürmenden Soldaten gerissen.
Freilich hatte es kein Baudern und feinen Stillstand gegeben.
Das Dorf sollte und mußte genommen werden! lautete der Befehl.
Und es ward genommen.
So
Die Franzosen hatten schon in der Eile flüchtige Befestigungen geschaffen; da waren aus Wagen und Karren und Tonnen und Kisten und Kasten Barrikaden in den Gassen gebildet.
Weiterhin waren Hofmauern und Hauswände durch brochen, um für die Schüzen gesicherte Positionen zu schaffen. Säufig waren auch Tür und Tor verrammelt. Mancher Sohn Altbayerns war bei der Überwindung Meser Hindernisse in die Knie gesunken, um sich nimmer wieder zu erheben.
Aber aus den brechenden Augen noch sprach die Lust an dieser tüchtigen, rechtschaffenen Rauferei, die Freude über den errungenen Sieg.
Und dem Siege de. einzelnen Angriffstolonnen mußte ja auch der allgemeine Sieg der vereinten deutschen Truppen am Abend des großen Tages folgen.
Jeder Erfolg eines einzelnen Bataillons war ein Baustein zum Erfolge der gesamten por den Wällen von Sedan vereinten deutschen Armee.
Die Bayern richteten sich eilfertig in Bazailles ein, sie verstärkten die bereits geschaffenen oder vorhanden gewesenen Verteidigungsmittel, denn ein Versuch der Rothosen, den wichtigen Plaz zurückzugewinnen, lag nahe.
Und die Bayern hätten keine Bayern sein müssen, wenn fich nun nicht der Durst, der Wunsch nach einem erfrischenden Trunk geltend gemacht hätte.
Freilich, der Quell des Münchener Hofbräuhauses floß hier nicht, aber an einem trintbaren Tropfen Weines fehlte es doch gewiß nicht.
Die Bewohner von Bazailles, so viele ihrer noch anwesend waren, versicherten allerdings mit den finstersten Gefichtern, die sie nur aufzusteden vermochten, sie hätten feine Flasche mehr in den Kellern.
Freitag, den 3. September 1909.
Aber wer in der blutigen Arbeit der Schlacht seine Schuldigkeit getan, der läßt sich nicht so leicht abspeisen! Man suchte und man fand und man trank. Aber eilfertig mußte es gehen, die Flaschenhälse wurden abgeschlagen, der Traubensaft in das erste beste Gefäß, das Weingläser von Mund zu Mund. sich darbot, geschüttet, und dann gingen die sehr primitiven Weingläser von Mund zu Mund.
Kaum halbwegs war der heftigste Durst gestillt, als die Signale zum Sammeln riefen.
Gefahr im Berzuge, höchste Gefahr!
Eine übermächtige französische Infanteriefolonne, von Artillerie unterstüßt, rückte zur Wiedergewinnung der verlorenen Position heran.
Zum tommandierenden Offizier der bayerischen Truppen flog ein Adjutant heran, Bazailles so lange wie nur irgend möglich zu halten. Unterstützung folge sofort.
Den Leuten wurde der Ernst der Lage sofort klar. Die kräftigen Fäuste der Enakssöhne faßten die Waffer fester.
,, Noch so a Rauferet? Sind schon dabei!" Sofort wurden die zur Verteidigung geeignetsten Maßnahmen getroffen, jeder feste Punkt stark besetzt.
35. Jahrgang.
In starten Kolonnen brach sie zum Sturm auf Bazailles vor, aber noch einmal brachte sie das Feuer einer günstig postierten bayerischen Abteilung zum Stugen.
Doch weiter und weiter griff der Dorfbrand um sich, auch die Verteidiger, welche den Feind noch in Schach gehalten, mußten zurük.
Die Franzosen drangen nach.
Aber so leicht wollte bayerischer Troz doch nicht weichen aufs neue stellten sich die Tapferen den Rothosen.
Jm brennenden Dorfe, umtost vom Knistern u. Knattern der Flammen, gab es ein wütendes Ringen,
Dann wurden die Franzosen im stürmischen Anlauf zu: rückgeworfen, dann wichen die Deutschen wieder Schritt um Schritt.
Da mit einem Male tam Gewehrfeuer rechts und links aus den Häusern, selbst im Rücken pfiffen die Kugeln.
Teilweise hatten die Dorfbewohner die heranrückenden Franzosen auf Umwegen in ihre Häuser geführ., teilweise hatten sie verborgene Waffen ergriffen und feuerten nun auf die Deutschen herab.
Von allen Seiten mit dem Tode bedroht, behaupteten die Bayern trotzdem ihre ganze Standhaftigkeit.
Immer neue Anläufe warfen die Franzosen wieder und
Gleich am Zugange des Dorfes setzte sich eine Abteilung wieder zurück, und manche sichere Kugel brachte den heim
hinter Mauern und Gräben fest.
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Sollen halt tommen, die da!" hieß es lustig. Mancher derbe Scherz ward laut, ein lautes Gelächter belohnte einen jeden gelungenen Einfall.
tückischen Mördern die wohlverdiente Strafe.
das Prasseln der Flammen entsegliche Schreie. Da gellten durch das Knattern des Gewehrfeuers, durch
Aber die Augen der Führer schauten ernst drein: der furchtlos dem Tode in das Auge sahen, den einmal gewonne Den mit der Blutarbeit beschäftigten Deutschen, die Feind war in der starken übermacht, der Zusammenprall nen Boden nach Kräften zu behaupten suchend, färbte sich mußte ein furchtbarer werden.
Und traf die angekündigte Unterstützung nicht bald ein, dann war das Dorf für die Dauer nicht zu halten. deutschen wenig. Die ersten Kugeln pfiffen, berührten aber die Süd
Näher und näher rückte die französische Sturmkolonne. Immer noch hielten die Bayern mit dem Beginn des Feuers zurück.
aber
Sicher gemacht, rückte der Feind schnell näher. Nun
Ein Feuerstrom blizte hinter den Hecken und Gräben und Mauern hervor, mit mörderischem Erfolge schlugen die Kugeln in die Reihen der Rothosen.
Aber sie tamen doch wieder.
doch die braune Wange unter Staub und Dampf. Entnsegliche Bilder schon bietet der Kampf tapferer Soldaten, aber das Entsezlichste ist doch noch nicht in ihm zu schauen. Ehre. Aber wehe, wo von Pflicht und Ehre keine Rede, wo Dort gebietet die Pflicht, dort beherrscht aber auch die nur die grimme Bestialität in ihrer ganzen, unverhüllten Gräßlichkeit ihr Wesen treibt.
Und so auch hier.
Was sich hier den bayerischen Soldaten darbot, war wohi geeignet, ihnen das Blut in den Adern erstarren zu machen. Ihre Kameraden, die da und dort schwer verwundet zublieben waren, stießen jene Schmerzensrufe aus. sammengebrochen, und am Wege des Gemezels liegen ge
Einige Augenblicke sezten sie den Vormarsch noch fort, dann stoben sie auseinander und suchten Deckung zu gewinnen, wo sich ihnen nur ein geschütter Plaz bot. Die entmenschten Dorfbewohner von Bazailles hatten sich Die kommen nimmer wieder!" so wurden bereits felben erreichen konnten, geworfen. Dort stieß man einem auf die zum Widerstande unfähigen Deutschen, wo sie dietriumphierende Rufe laut. Unglücklichen ein Messer in die röchelnde Brust. Da suchten schon Hyänen des Schlachtfeldes nach Wertsachen, Ringen, Eine Batterie war aufgefahren, ihre Geschosse faßten Uhren und Geld. Aber dieser feige Mord, diese Raubsucht, vorzüglich das Ziel, und mit dröhnendem Krachen schmetter- das war noch immer nicht das Schlimmste. Die Feder sträubt ten die Granaten in die Stellungen der Bayern hinein, die sich heute noch, diese gräßlichen Tatsachen aufzuzeichnen. Da schutzlos dem verheerenden Geschoßhagel preisgegeben waren. Tagen die Braven unter Kampfeslärm u. prasselndem Brand. Da und dort schlugen auch bereits Flammen aus den Mit der ermattenden Hand versuchten sie wohl noch, das aus Häusern auf. der Wunde quellende heiße Blut zurückzuhalten.
Die bayerischen Offiziere wollten selbstverständlich ihre Tapferen nicht nuzlos dem feindlichen Geschüßfeuer opfern. Und so wurde der Rückzug in das Innere des Dorfes be= fehlen. Den Moment nahm die französische Infanterie wahr.
Graf Kwelerath und feine Söhne. echwefter.
( 5. Bortfehung.)
Roman von Horst Bodemer, ( Nachdruck verboten.)
VII.
,, Gut, daß Du das endlich einsiehst", unterbricht ihn die ,, Laß mich nur ausreden! Aber an Friedrich Karl hättest Du denten sollen!" ,,, der ist bei Egon gut aufgehoben, er paßt wunderbar zu ihm!" Deinen Mann und verabscheust Deinen jüngeren Sohn!" ,, Sört man Dich reden, möchte man glauben, Du haßest Mit dem größten Gleichmut zuckt sie die Achseln und schau
Wütend fährt er auf.
Als sich am nächsten Nachmittage Aribert Strahlendorff bei seiner Schwester melden ließ, sprang ihm Taß entgegen. Tag Onkel! Denke mal, wir sind heute früh mit der telt sich weiter im Stuhle. Pferdebahn gefahren und Mama hat mir eine Menge Spielsachen gekauft. Bleisoldaten, Fische aus Blech, die schwimmen im Waschbecken, man fann sie angeln, und' ne Burg".... Aber der junge Offizier unterbrach ihn ungehalten. ,, Geh zu Emma und laß mich mit Mama allein!" Ungezogen fing er an zu maulen, da schlug ihm der Onkel eine hinter die Ohren. Zeter und Mordio schrie der Bengel, Stephanie tam herausgestürzt.
,, Um Gotteswillen, was ist denn los?" „ Dem Jungen hab ich nur eine runtergelangt!" Da nahm sie den Taß auf ihren Arm und füßte ihn. „ Armes Kerlchen, der böse Onkel, nicht wahr?" Ne schöne Erziehungsmethode, liebe Stephanie!" Sie braust auf, während der Junge brüllt, als ob er am Spieße städe.
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mir!"
Das ist meine Sache, Deine Einmischungen verbitte ich
Dem Offizier gehen die Nerven durch, er schreit seine Schwester an:
,, Was bist Du denn eigentlich gewesen he? Die Toch= ter eines vollständig mittellosen Offiziers mit sechzehn Ahnen, der ein ehrenwerter Mann aus altem Geschlechte seine Hand gereicht und auf Händen getragen hat!"
Da hält sie doch den Schaufelstuhl an und blickt ihren Bruder mit großen Augen an.
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Sag mal, hast Du vielleicht heute Mittag eine Flasche über den Durst getrunken?"
..Ist mir nicht eingefallen!- Goll man denn nicht wütend werden, wenn man sieht, wie Du einen anständigen Kerl, Deinen Mann, und Deine Kinder zu Grunde richtest?"
,, O, damit hat es gute Wege! Egon dreht jeden Taler, den er ausgeben muß, erst dreimal um!"
,, Du willst mich nicht verstehen!" ,, Vielleicht, Aribert!"
„ Gut,- dann werde ich handeln, wie es mir die Pflicht Zornig greift er nach der Müze und wendet sich der
gebietet!"
Türe zu.
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selbst in schlimmster Lage. Ein Fünfchen von Hoffnung auf Rettung bleibt ja doch
Und an sie schlichen sich die Bewohner von Bazailles
heran.
mäßig begabt, aber zuverlässig bis in die Puppen! Und mit dem sollte seine Schwester nicht leben können? Was bildete die sich eigentlich ein? Tausend andere ihrer Mitschwestern, die größere Ansprüche an das Leben stellen durften als Stephanie, hätten Gott auf den Knieen für einen solchen Mann gedankt! Der Himmel hatte ihr zwei Kinder geschenkt und mit dem unsympathischen Taß rückte sie aus, weil der Vater tun wollte, was seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit war! und Stephanie verdarb den Bengel noch vollends! So blind fonnte doch selbst Mutterliebe unmöglich sein!
Werde einer aus einer Frau flug", sagte er vor sich hin. Da trat sein Bursche ein und meldete ihm den Premierleutnant von Wendefurth.
Sofort erhob sich Aribert und knöpfte seinen überrod zu: „ Ich lasse bitten!"
Herr von Wendefurth, eine große hagere Erscheinung. mit langem, blondem Schnurrbarte, blauen, scharfen Augen und einer großen Satennase in dem mageren Gesicht, trat ein und begrüßte Aribert sehr förmlich,
Herr von Wendefurth, verübeln Sie mir nicht, daß ich gerade Sie zu mir bat, ich war heute Nachmittag bereits wies derholt bei Ihnen!" Ich bedauere sehr, nicht zu Hause gewesen zu sein, Serr von Strahlendorff!"
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Die Antwort klang wenig verbindlich.
Bitte, wollen Sie nicht Plaz nehmen?" Dante sehr!"
Aribert war sichtlich verlegen, er trommelte mit den Fingern auf den Tisch, ruhig sah ihn Herr von Wendefurth an. Da gab sich Strahlendorff einen Rud und blickte seinen Kameraden frei in's Gesicht.
,, Steck den Lümmel raus, ich habe mit Dir zu reden!" " So sei doch nicht so heftig, was sollen denn die Leute nebenan denken! Mein Goldjunge, der böse, böse Onkel!" Aribert saß am späten Abend in seiner gemütlich einge„ Herr von Wendefurth, ich weiß, Sie sind mir nicht beUnd sie herzt und füßt den Taß, und trägt ihn in das an- richteten Leutnantsbude am Schreibtisch und blätterte durch sonders gewogen, aber gerade deshalb habe ich Sie um eine stoßende Zimmer der Zofe. Fast eine Viertelstunde dauert es, bis sie wieder kommt, der trok der späten Abendstunde der Lärm noch nicht ver- den in diesem Falle objektiv prüfen können!" die Zeitung. Vor seinen Fenstern lag die Chausseestraße, in Unterredung gebeten, weil ich der überzeugung bin, Sie wer. der Junge stellt das Seulen nicht ein, Aribert hört, wie sie stummt war. Straßenbahnen flingelten, Omnibusse, leichtes ,, Es ist nicht meine Schuld, Herr von Strahlendorff, wenn the tröstet, ihm Chocolade und Bonbons verspricht, und der und schweres Fuhrwerk ratterte über das Pflaster, gerade ich dem ersten Teile Ihres Sages nicht widersprechen kann, geriebene Kerl zeigt seine ganze Klugheit, er fordert immer wurden mit dem nötigen Spektakel die Läden geschlossen. Alle Sie kennen meine Ansichten über Ihren Lebenswandel gans mehr und seine Mutter sagt zu allem: Ja, nur weinen soll er Augenblicke legte er die Zeitung weg, machte einen Gang genau!" nicht mehr. ,, Dein Mann hat nur zu recht, wenn er den Jungen in Play zu nehmen. Schließlich schob er sie mit einem energischen war ein armer Kerl, wie er, der sich aber auch nicht die kleinste Nachdenklich nicte Aribert. Der ihm da gegenüber faß, trenge Zucht geben will, er ist ein ganz infamer Bengel!" Rucke zur Seite und rückte Kweleraths Bild, in der Parade- Berstreuung leistete, die sein Geldbeutel nicht vertrug. Mit Bist Du gekommen, um mir das zu sagen?" uniform der Demminer Ulanen, vor die Lampe. Den Kopf in einem Monatswechsel von achtzig Mart schlug er sich bei der Auch das, aber noch manches andere! Wenn Du die Hand gestüht, blickte er finnend auf die Photographie. Ein Garde in Berlin durch's Leben und hatte sicherlich in seinem glaubst, Du darfst Deinem Manne die Pistole auf die Brust schöner Mann, sein Schwager Egon, mit dem langen, wallen- Leben noch keinen Pfennig Schulden gemacht. Bei St. Prisegen, so ist das am Ende Deine Sache, Ihr beiden mögt sehen, den, blonden Vollbart, das Urbild eines Germanen, groß, vat war er verwundet worden, seine Gesundheit war seitdem wie Ihr mit einander fertig werdet!" fräftig, gesund, freilich mitunter etwas derb und nicht über- nicht die beste, wiederholt hatte er das Examen auf Kriegs
durchs Zimmer, um dann wieder im Sessel am Schreibtische
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