Klientin am Arm aus dem Gerichtssaal.„ Einstweilen kommen Sie mit in mein Haus", sagte er, als handle es sich um etwas Selbstverständliches. ,, Lernen Sie meine kleine Tochter fennen, vielleicht bekommen Sie Lust, bei uns zu bleiben und ihre Erziehung zu übernehmen."
Sie folgte ihm villenlos, in einem Zustan von täubung.
Er sorgte für ihre Unterkunft und Bequemlichkeit, führte ihr sein Kind zu und verließ das Haus in angeblich dringenden Geschäften.
Damen, daß ich habe warten lassen. Jetzt wollen wir gleich ist auf folgendes Vorkommnis zurückzuführen. Die Vors den Weihnachtsbaum anzünden." Claudine trat vor. steherin eines großen Pittsburger Warenhauses kaufte sich in „ Erlauben Sie mit, daß ich mich vorher verabschiede. der Haarabteilung des Geschäfts einen falschen 3opf. Bald Selten Sie mich nicht für undanibar, wenn ich sage, ich bin darauf erfrankte sie schwer, es zeigten sich bei ihr bedenkliche stan imftande, heute unter frohen Menschen zu sein. Ihre Symptome von Aussat. Die Nachforschungen ergaben, daß Gure gegen mich werde ich nie vergessen." die falschen Zöpfe von einer der Inseln im Caraibischen Meere Er warf einen schnellen, überraschten Blick auf beide in Zentralamerika herrührten, wohin die schlimmsten AussazDamen und seine Stirn umwölfte sich. franken verschickt werden.
Litterarisches.
vorbehalten.
,, Und wenn ich Sie nun bitte zu bleiben?" sagte er weich. In diesem Augenblick wurde die Tür aufgerissen und Ella Nach kurzer Zeit hatte sie Ella auf dem Schoß und das stürmte herein. Man hatte ihr ein weißes Kleid angezogen Kind plauderte zutraulich mit ihr. Sie drückte es verstohlen und ihre Locken flogen.„ Papa, Papa, ich schenke Dir einen an sich und füßte seine Stirn, sein schönes langes Haar. Ach, Geiflappen, ich habe ihn selbst gestiat- und hier schenke ich eingegangene Bücher und Zeitschriften; Besprechung nach Auswah wie sie es liebte, sein Kind! Wie wohlig und behaglich wurde Dir die Mama, die Du Dir gewünscht haft. Die soll meine ihr in diesem schönen Heim, in dem alles von ihm zu ihr Mutti sein!" Sie versuchte es, Claudine an der Hand zu ihrem sprach. Aber hier konnte sie nicht bleiben, fie mußte wieder Vater zu zerren. Ihre Großmutter stieß einen unwilligen hinaus in die kalte, heimatlose Welt. Mit dieser großen, Ruf aus und wollte dazwischen treten, aber er wehrte ihr und tiefen Liebe im Herzen zu ihrem Retter und Befreier durfte nahm sein kleines Mädchen an die Hand. sie nicht bleiben, man sagte ja, er würde in furzer Zeit seine Kusine heiraten nein, sie wollte weit, weit fort am lieb sten an das andere Ende der Welt. Nur ausruhen wollte sie hier von der entsetzlichen Bein der letzten Monate, nur dies Weihnachtsfest mit ihm feiern und seinem Kind, um die Erinnerung daran wie ein fostbares Kleinod mitzunehmen auf
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Fürstliche Dichter und Denter" betitelt sich ein hochinteressanter und reichiuſtierter Aussaß in der Neujahrsnummer des vorzüglichen, über die ganze Welt verbreiteten Familienblattes Mode und Sauß, Verlag John Henry Schwerin, Berlin W. 57, das neben einer reichen Belletristik wunder= volle Moden- Genrebilder für Erwachsene wie für Kinder vorführt. Mode Claudine, haben Sie etwas dagegen, sich auf diese Weise Moden- resp. Handarbeitenkolorits 1,25 Mr. und Haus" fostet troß seines reichen Inhalts pro Quartal nur 1 Mr, mit Abonnements bei allen Buchverschenken zu lassen? Wollen Sie mein Weihnachtsgeschenk handlungen und Postanstalten. Gratisprobenummern bei ersteren und durch sein und diesem Kinde die Mutter, nach der es verlangt?" den Berlag. ihren Augen und zog sie in seine Arme. Fassungslos traf ihn ihr Blid, aber er las die Antwort in Der Stein der Welfen. Das vorliegende 1. Seft des neuen Jabra ganges( 23., 1910) fann als eine Musterleistung angesehen werden, wie der Inhalt einer populärwissenschaftlichen Zeitschrift anzuordnen ist. Das Heft Drei glückliche Menschen waren unter dem strahlenden enthält 12 Rubriken, welche die wichtigsten Disziplinen umfassen: Beiträge Photographie, Altertumskunde, Verkehrsleben, Technit, Landwirtschaft usw. noch der Zeppelin und der Leierfasten konnten mit dem wun- Man sieht, daß die Reichhaltigkeit des Inhaltes nichts zu wünschen übrig dervollen Weihnachtsgeschenk der neuen Mama, konkurrieren. läßt. Tabei ist die Jäuſtrierung außerordentlich reichhaltig, Aue Freunde Tabel it be des der altbewährten Zeitschrift( A. Hartleben's Verlag, Wien und Leipzig) werden dieses unentwegte Streben des Stein der Weisen", sich auf der Höhe der an eine solche Publikation zu stellenden Anforderungen zu erhalten, mit großer Befriedigung wahrnehmen. Man verlange das sehr interessante erste Seft von der nächstgelegenen Buchhandlung. Engel, E. Kurzgefaßte deutsche Literaturgeschichte. Ein Voltsbuch,
den Dornenweg des Leben, den sie einsam gehen mußte. Et Christbaum vereint. Aber weder der selbstgestickte Seiflappen/ aus der Tierkunde, der Biologie, Urgeschichte, Astronomie, Aviatit, Geologie,
sollte und durfte nicht ahnen, was ihr Herz bewegte.
Die Dämmerung sank herab mit weichen, wirbelnden Schneeflocken und der Chor der Weihnachtsglocken begann die heilige, stille Nacht einzuläuten. Ellas Ungeduld steigerte fich. Claudine erzählte ihr das Märchen vom Kleinen Tannenbaum, vom tapferen Zinnsoldaten und grauen Entlein und fie vergaß vor Entzücken ihre Ungeduld. Plötzlich flatschte das Kind in die Hände, sprang im Zimmer umher und rief:„ Jetzt habe ich ein Weihnachtsgeschenk für Papa, was er sich gewünscht hat!" Aber mehr wollte sie nicht verraten.
Vermischtes.
Läbed, 19. Dez. Hier besteht eine große Anzahl von Sparklubs, denen fast nur Arbeiter angehören. Das Mit 33 Bildnissen und 14 Handschriften. 80 370 Seiten. In Originaleinband ganze Jahr über wird gespart, um zum Weihnachtsfeste eine Badenpreis 4 Wt. Verlag von G. Freytag in Leipzig und F. Lempsty in Wien. Grundfragen der Literaturgeschichte. Literatur ist Kunst; Literaturs Bevor Langner heimkehrte, traf Ellas Großmama ein, etwas größere Summe in Händen zu haben. Bisher ist aber geschichte leitet zum Genuß an der Kunst. Nicht zum Auswendiglernen vieler die wie üblich der Bescheerung des Kindes beiwohnte und auch noch kein Weihnachtsfest vergangen, ohne daß eine An- Namen, Büchertitel, Jahreszahlen, sollen Literaturgeschichten dienen; zu den später ihren Schwiegersohn in ihr Heim mitnehmen wollte, terschlagung erstattet worden wäre. In diesem Jahre sind ihn dann mit den Kunstwerken allein lassen. Unter literaturgeschichtlichene zeige gegen den Kaffterer eines solchen Sparklubs wegen Un- Stunstwerken binleiten sollen sie, indem sie dem Leser nur das Allernotwendigite über die Dichter, ihr Leben, die Schöpfungsbedingung ihrer Gebilde sagen und in dem sich die Familie in größerem Kreis versammelte. gegen zwei Kaffterer Strafanzeigen erstattet, weil sie Spar- issen ist vor allemt anderen die Kenntnis der Literatur selbst zu verstehen. Es Sie war von Claudinens Anwesenheit aufs höchste be- gelder in Höhe von 800 M und 500 M unterschlagen haben. gibt teine andere echte Art, Kunſt in ſich aufzunehmen, als den unmittelbaren roffen und überrascht.„ Verzeihen Sie, Fräulein Ramlow, Genuß der Kunstwerke. Man lese ein Buch und lasse es auf sich wirken, Die Vorteile einer zweiten Frau. In ich fürchte, mein Schwiegersohn hat eine Taktlosigkeit began einem von Sir William Crookes verfaßten sehr lesenswerten tommen"( Goethe). Hieraus folgt die oberste Regel: zuerſt und immer wieder In gebe sich dieser Einwirkung hin, so wird man zum richtigen Urteil darüber Buche über Diamanten, das dieser Tage in Harpers Verlag lich über den für Sie günstigen Ausgang dieser fatalen Affäre, erschienen ist, liest man eine recht ergözliche Erklärung über und zweiten Lesen, ausnahmsweise ein lebensvolles Buch über den Dichter aber Ihr Gefühl wird Ihnen sagen, daß es besser für Sie iſt, die Vorteile der Vielweiberei bei den Negervölkern. Die in ungestörten Einfühlen in das Kunstwert dessen seelischen Gehalt in sich aufge zu befragen, der die besondere Teilnahme geweckt hat. Wenn man aus dem die Stadt zu verlassen." den Diamantgruben beschäftigten Eingeborenen erhalten nommen und sich ein Urteil über dessen allgemeinmenschlichen Wert gebildet hat, Aufbewahren anvertrauen. Säufig tommt es vor, daß die Jahreszahlen stehen müssen, braucht den Leſer nicht zu nämlich hohe Löhne, die viele von ihnen den Aufsehern zum alsdann mag man an guten Büchern über das Kunstwert das eigene Urteil nachprüfen. Daß in einem Werte wie diesem, das ja auch ein Nachschlagebuch ist, viele schreden. Außer schwarzen Arbeiter bei ihm ein Guthaben von 30 bis 40 Pfb. einigen wenigen Zahlen, die als Meilenzeiger deutscher Geistesgeschichte dienen, Sterl. bestzen, und die dem weißen Aufseher anvertraute ist nichts davon auswendig zu lernen. In der Kunst soll es überhaupt nichts Summe übersteigt zuweilen 1000 Pfo. Sterl. Einmal tam ein Auswendiges geben; was nicht innerer Besiz wird, das mag immerhin Wiſſen junger Pondoneger zum Aufseher und verlangte die Auszah- nicht die Absicht geleitet, der Lesern recht viel Gedächtniswissen über die heißen, Bildung ist es nicht. Den Verfasser der Literaturgeschichte hat Tung seiner Ersparnisse, weil er eine Frau taufen wolle. ,, Aber Werke der Literatur einzutrichtern und ihnen das eigene Urteil oder gar das voriges Jahr habt Ihr genau dasselbe gefagt", entgegnete der Besen der Werke zu ersparen; er glaubt seine Aufgabe erfüllt zu haben, wenn Aufseher,„ hoffentlich ist kein Unglück geschehen.“„ nein“, durch sein Buch die Leſer zu den Werken hingeführt werden. sagte der Neger,„ eine Frau, fie zanft mit mir, zwei Frauen, fie zanfen miteinander; ich in Frieden!"
Claudine richtete sich hoch auf.
Es war nicht meine Absicht, zu bleiben, gnädige Frau, Sie können unbesorgt sein. Ich will Ihr Fest nicht stören, nur ohne Dank und Lebewohl will ich nicht gehen."
„ Auf die Straße will ich Sie nicht sehen, wir werden da für sorgen, daß Sie vorläufig Subsistenzmittel haben, bis Sie wieder eine Stellung finden, am besten wohl etwas entfernt von hier. Meine Nichte, Adelheid Schönemann, beabsichtigt durch Heron Pastor Wagenbrecht eine Sammlung für Sie zu veranstalten", bemerkte die alte Dame herablassend, Das junge Mädchen wurde totenblaẞ.
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Ich danke Ihnen, Almosen nehme ich nicht, ich bin noch mit dem Nötigsten versehen."
Preis Rätsel.
( Auflösungen find stets bis spätestens Donnerstag Abend einzusenden.) Afrostichon- Rätsel.
Robe, Eis, Schaz, Tempel, Wein, Rost, Eid, Wald, Bier, Lias, Jedes der obigen Wörter ist durch Vorsezen eines Buchstabens
* Mutterliebe eines Schwanes. In Nolde ( Drente) schoß der Jäger Brouwer aus einer Kette wilder ,, Nun, dann würde ich Ihnen zaten, das Christliche Hospiz Schwäne einen jungen heraus. Sofort strich die Mutter aus. für Gouvernanten und Dienstmädchen in der Lindenstraße der Kette zu dem sterbenden Vogel wieder und umkreiste das aufzusuchen. Ihre Anwesenheit in diesem Hause könnte falsch zappelnde Tier. Der Hund des Jägers schwamm zur alten Rad, Eber, Hein. gedeutet werden und Ihnen den letzten Rest von Mitgefühl Schwänin hin, aber plötzlich biß diese den Hund ins Genic, in ein anderes Wort zu verwandeln. Die neuen Anfangsbuchstaben in unseren Kreisen verscherzen. Verzeihen Sie meine Offen- jezte sich auf ihn und schlug ihn mit den Flügeln, daß die ergeben einen Gruß. heit, aber Männer haben oft nicht den richtigen Taft in solchen Saare herumflogen. Der wütende Vogel hätte den Hund Dingen. Das Gefühl für das, was passend ist, müssen wir ganz bestimmt ersäuft, wenn der Jäger ihn nicht durch einen Rum, Ohr, Bear, Enak, Kaese, Ella, Po, Veer, Altan, Tatra, Frauen stets aus uns selbst haben." Schuß daran gehindert hätte. Reade. Claudine stand eine Gefunde wie erstarrt unter diesen* Verbot falscher 3öpfe. Sämtliche Fabriken somie durch hinzufügen von zwei neuen Buchstaben- in jedem Wort Jedes der obigen Worte ist durch Umstellen seiner Buchstaben unbarmherzigen Worten. Jetzt famen hastige Männerschritte und Geschäftshäuser in Pittsburg haben ihren weiblichen An- bieselben in ein anderes Wort zu verwandeln. Die neuen Anfangs in die Treppe herauf und Langner trat ein.„ Berzeihung, meine gestellten verboten, falsche 3öpfe zu tragen. Dieses Verbot buchstaben nennen dann einen dramatischen Dichter. ,, Nein, Mütterchen!"
Du wirst doch nicht etwa zu Hause erwartet?" fragte Harald den Neffen.
„ Ich habe Papa gebeten, mich für heute Abend freizusprechen. Er willigte ein und Tante Karmelitta sendet durch mich ihre herzlichsten Grüße."
Nun, dann wollen wir ein paar gemütliche Stunden miteinander verleben."
Heterogramm.
Fräulein von Schloß Stauffenbach ist in das Unwetter gekom-| trud hing mit ganzer Seele an Egon und bildete sich ein, daß men. Sorge für trođene Kleidung, denn so durchnäßt kann die Liebesgöttin ihr den Mann nicht rauben könnte. Dieses man sich frant machen!"
,, Gleich, Mutter!" erwiderte eine liebliche Stimme. ,, Und in der Küche soll man einen starten Kaffee „ Ja!"
reiten!"
be
Wozu so viele Umstände, gnädige Frau?" wandte Renée Kaum zehn Minuten später fam Gertrud und meldete, ein.„ Wenn Sie mir nur gütigst gestatten, hier im Trockenen daß im Garten gedeckt sei. zu sigen, genügt das vollständig." „ Rein
Sie sind mein Gast und ich bin verantwort
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durchaus neidlose Verhalten einem anderen jungen, schönen Mädchen gegenüber war nichts als Hohn und eine übermütige Herausforderung. Das hieß einfach:„ Du vermagst mir nicht gefährlich zu werden. Ich habe nicht den mindesten Grund, Dich zu fürchten."
Wie gern hätte Renée diesen Stolz gebrochen und Gertrud gedemütigt! Jezt mehr als je erschien ihr Egons Liebe als das Begehrenswerteste auf Erden.
Still betrat sie wieder das Wohnzimmer der Ober
försteret.
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Ein gemütlicheres Plätzchen, als die Laube, zu finden, wäre unmöglich gewesen. Dichte, mit Rosen geschmückte Ran- lich für Sie." fen hielten jeden Windstoß ab und man hatte einen freien Jegt wurde die Tür geöffnet und eine anmutige Blondine An dem gedeckten Kafeetisch waltete Gertrud lachend und Ausblick auf die Wiesen und die Berge. trat freundlich grüßend ein. Sie sagte, nachdem Regina die plaudernd. Šie goß ein und reichte die Tassen hin. Renée Die Sonne war untergegangen und graue Dämmerung gegenseitge Vorstellung furz erledigt hatte: bemerkte, daß Egons Lippen verstohlen die kleine, weiße Hand senkte sich herab. Weiße Nebel zogen schleierhaft am Waldes- In meinem Zimmer findet Fräulein d'Epinay alles berührten. Jaume hin. Ein seltsames Zirpen und Flüstern begann in bereit, und wenn ich meine Hilfe anbieten darf, werden die„ Ich will nun heimkehren", sagte sie, da die gnädige allen Gebüschen und bald funkelten die Sterne am Himmel. Kleider rasch gewechselt sein." Frau so gütig war, den Wagen zu stellen, ist eine Begleitung Noch oft wandte Egon den Blick zurück, als er endlich die Renée war es, als ginge ihr ein scharfer Stich mitten nicht nötig." Oberförsterei verließ. Sie erschien ihm wie ein Schazkästlein, durchs Herz, als sie den Blick gewahrte, welchen Gertrud und Selbstverständlich geleite ich Dich zurück", erklärte Egon. welches den kostbarsten Edelstein der ganzen Welt barg. der junge Stauffenbach austauschten. Leben und Seligkeit Wolf hatte schon am ersten Abend darauf gedrungen, daß sie würde sie hingegeben haben, wären Egons Augen nur einmal sich duzen sollten.„ Wenn Tante Regina erlaubt, tutschiere ich und sende den Wagen dann mit unserem Kutscher zurüd." ,, Dagegen habe ich nichts einzuwenden", erwiderte die Oberförsterin.„ Seht nur, daß Ihr schnell nach Schloß Stauffenbach kommt, denn dort unten ballen sich schon wieder Gewitterwolfen zusammen; aber Hans und Liese greifen tüchtig aus. Glück auf den Weg, mein Fräulein!"
XVII.
Renées Liebe zu Egon, der allerdings feineswegs blind mit solchem Ausdruck den ihrigen begegnet. gegen die äußeren Vorzüge der jungen Dame war, und auch ,, Das ist sehr liebenswürdig, Baronesse", stammelte Renée. erkannte, daß sie als Charakter weit über ihrer Mutter stand ,,, Aber ich kann nicht zugeben, daß Sie sich meinetwegen solcher wuchs mit jedem Tage, aber sein Herz gehörte der Tochter Mühe unterziehen." des Oberförsters.
,, Geht nur", sagte die Oberförsterin ,,, und tommt bald Zuweilen war es, als vermöge Fräulein d'Epinays be- wieder. 3u regnen hat es aufgehört; aber die Wege sind strickender Reiz ihn zu umgarnen, denn die Familienverhält durchweicht. Es soll der Jagdwagen angespannt werden!" nisse führten zu einer gewissen und ungebundenen Vertraulich- Die Mutter hat recht. Rommen Sie!" bat Trudchen feit. Er fonnte auch nicht ablehnen, wenn seines Vaters freundlich.„ In einer halben Stunde sind wir fertig." Stieftochter ihn bat, mit ihr auszureiten oder sie auf ihren 3ögernd folgte ihr Fräulein d'Epinay. Gertrud hatte einsamen Spaziergängen zu begleiten. Wie ein brennender die feinste Wäsche und ihre schönsten Kleider ausgebreitet und Einfluß ging es von dem Mädchen aus, so daß auch des jungen half, wenn etwas nicht passen wollte, mit großer Geschicklichkeit Stauffenbachs Blut heißer zu wallen begann und sein Herz stürmischer schlug. Eines Tages wurden beide im Forst von einem heftigen Ungewitter überrascht.
„ Die Oberförsterei ist in der Nähe", sagte Egon. Wir wollen dort einstweilen Schuh suchen!"
,, Besten Dank für Ihre Güte, gnädige Frau, und ebenso Ihnen, Baronesse. Wenn Sie gestatten, spreche ich in den nächsten Tagen wieder vor."
Das wird uns freuen."
Der Jagdwagen rollte von dannen. Renée und Egon saßen nebeneinander. Der junge Mann
nach. Wo einige Knöpfe nicht geschlossen werden konnten, ver- war schweigsam und schien zerstreut. hüllten es einige Spizen. Als Renée vor den Spiegel trat, mußte sie sich selbst eingestehen, daß er ihr nie ein verführe risches Bild zurückgestrahlt habe. Doch diese Wahrnehmung erfüllte sie nicht mit Lust, sondern verschärfte nur ihre nagende Eifersucht. Wie siegesgewiß mußte Gertrud sein, da sie die
,, Gib die Zügel her!" rief Renée.„ Ich will selbst fahren. Die Pferde schlafen fast ein, und Du bist auf dem besten Wege, das Gleiche zu tun."
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,, nein, ich wußte nur nicht, daß Du solche Eile hast." Neben einem Stummen zu fizen, langweilt mich. ErSie willigte ein, denn ihre Kleider und Schuhe waren Schönheit eines anderen Weibes, das stets in Egons Nähe zähle mir doch etwas!" burchnäßt.- meilte, nicht zu verdunkeln suchte, sondern vielmehr nach Mög-„ Ich wüßte nichts, was Dich interessieren könnte." Fräulein d'Epinay, meines Vaters Stieftochter, bittet lichkeit hervorhob. Gerade das zeugte von größtem Selbst- Rimm an, daß mich alles interessiert, wofür Du Interam Erlaubnis, das Ende des Unwetters hier abzuwarten", bewußtsein und unerschütterlicher Ruhe. Oder liebte esse fühlst; also zum Beispiel das Forsthaus. Du verkehrst da sagte Egon, in der Oberförsterei angelangt, und Frau Regina etwa dieses Mädchen den jungen Stauffenbach gar nicht? häufig?" erwiderte: Nein, solchen Jllusionen konnte sich die von allen Qualen Ja, denn Onfel Harald und Tante Regina find verDas gnädige Fräulein ist willkommen!", öffnete dann der Eifersucht Gepackte nicht hingeben. Hatte sie doch ein ehrungswürdige Menschen." die Tür eines Nebenzimmers und rief:„ Trudel, fomm! Das einziger Blick über die Hinfälligkeit derselben belehrt. Ger=[ ( Fortsegung folgt.) Rebaftion. Rotationsdruck und Verlag von Ih. Süß, Wilhelmshaven.
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Telephon Mr. 16.
