Die Hopfenernte.
Von Egon Nosta.
( Nachdruck verboten.) B
französische Schwänke hat er nichts übrig, aber, wie es nudeln. Bei der Arbeit wurde gesungen oder erzählt. Nachts in der von einem Hopfengärtlein des Klosters die Rede ist. scheint, für romantische Schauspiele, in denen Er und Sie schliefen wir auf dem Heuboden. Sonntags ruhte natürlich Einer freilich nicht nachweisbaren Kunde zufolge soll der nach allerlei Jrrungen und Wirrungen sich doch noch finden. die Arbeit, und es war dort, wie wohl in der ganzen Gegend, Nürnberger Hopfenbau von Böhmen angelegt worden sein, Nun, wir werden ja sehen!" der Brauch, daß zur Kirchzeit mit Ausnahme der Hausfrauen als in einem Jahre in Böhmen ein Mißwachs war und der fein Mensch in den Gehöften bleiben durfte. Die Weiber Ertrag der Ernte nicht reichte. Der auch von Goethe erwähnte gingen zum Gottesdienst, die Männer, für die in der Kirche und ihn befreundete Weimarer Chemiker Dr. Buchholz fand auch kein Raum mehr übrig gewesen wäre, in die Wirtschaft." bei der Untersuchung einiger Hopfenarten, daß der böhmische In manchen Gegenden erläßt der Magistrat eine Bekannt: Hopfen dem Nürnberger nachstehen müsse, indessen ist man machung über den Beginn der Hopfenernte, worauf dorthin heute anderer Ansicht, wenn auch die Böhmen vielfach aus alle Arbeitswilligen pilgern, die fahrenden Leute, die Wan- Nürnberg Hopfen beziehen. derburschen und Fechter; die alten„ Kunden“,„ Kochemer" J Roths Geschichte des Nürnberger Handels, welche Vor ein paar Jahren veröffentlichte einer der liebens- und„ Tippelschicksen" machen sich auf den„ Dirach"( Weg) und im Jahre 1801 in Leipzig erschien, wird über den vielfachen würdigsten Bühnenfünstler eine drollige Reiseerinnerung. feiern beim Hopfenzupfen ein Wiedersehen. Manche feiern Nutzen des Hopfenbaues gesagt: Jm Frühjahr geben die Der Künstler hatte in seinem Ferienaufenthalt, den er mit dabei wohl ihr fünfundzwanzigjähriges Hopfenzupferjubi- Keime oder Sprossen eine wohlschmeckende und gesunde Speise, seiner Gattin in einem bekannten Badeort abgehalten, die läum; indessen ist natürlich die behördliche Beaufsichtigung sowohl wenn gekocht, als salatmäßig, wie Spargel, dem sie Bekanntschaft eines anderen Ehepaares gemacht, das aus der der 3upfianer" eine strenge; die Gendarmerie wird in gleichen, zubereitet. Diese Hopfenteime werden als eine BlutNürnberger Gegend stammte. Schnell hatte man sich aufs Mengen aufgeboten, und niemand wird zugelassen, der sich reinigung angesehen, und überhaupt macht man von dem Innigste angefreundet, und als man auseinander ging, hatte nicht durch genügende Papiere ausweisen kann. Hopfen verschiedenen medizinischen Gebrauch, einen Hopfenbeten, daß die neuen Freunde sie in der Heimat einmal be- In dem fränkischen Städtchen Spalt, das zur Hopfen- fyrup, einen Raft, ein gebranntes Hopfenwasser, und auch suchten.„ Das kann vielleicht eher kommen, als Sie glauben", ernte allein weit mehr derartige fahrende Leute beschäftigt, den bloßen Blättern schreibt man die Kraft zu, daß sie die hatte der Künstler, der in Gastspielunterhandlungen stand, als der Ort selbst Einwohner Hat- ,, Spanien" wird dieser Haut von aller Unreinigkeit säubern. Die Nürnbergischen findet am zweiten Bäcker können ohne abgesottenes Hopfenwasser ihr bekanntes den Abfahrenden zugerufen, und ein paar Wochen später trat Ort in der Kundensprache genannt Im Sommer, wenn der das Künstlerpaar mit den Worten:„ Na, da sind wir!" über Sonntag der Hopfenerntezeit in der Regel ein großes Fest feines Spulenbrot nicht backen. die Schwelle der neuen Freunde. dieser Zupfianus- Brüder und-Schwestern statt, der„ Sau- Hopfen zur Reife kommt, erfüllt er die Luft mit balsamiAber welche Wandlung war vorgegangen! Statt des markt" genannt, bei dem ein Hopfenkönig und eine„ Königin, schen Düften, die zwar in der Nähe für manche nachteilig erwarteten Ausrufs der Freude und des Erstaunens höchste durch den ganzen Ort dann stattfindet. Bei dieser Gelegen- Vorteil als Schaden bringen. erwarteten Ausrufs der Freude und des Erstaunens höchste der Karl und die Cenzi, erwählt werden und ein Festzug und starkriechend find, überhaupt aber der Gesundheit mehr Berlegenheit auf den Gesichtern des Bayernpärchens, dem ,, Die Blätter des Hopfens", so heißt es noch in dem genannten Werk,„ dienen zum Nachbier, und man würde bei
das Bayern- Pärchen so liebenswürdig und treuherzig ge=
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offenbar die so sehr freundlich Eingeladenen höchst unwill- heit geht natürlich ein großer Teil der eben verdienten Gelder kommen waren, und als schließlich dem Künstler die wieder darauf. mangelnde Freundlichkeit doch zu bunt wurde und er ge- Aber nicht nur diese„ fahrenden Leute" sind bei der großer Hopfenteuerung den halben Teil des ordentlich bemütlich ausrief:„ Ja, Kinder, wenn Ihr plötzlich etwas gegen Arbeit, sondern der reichste Hopfenbauer und die Hopfen- nötigten Hopfens durch diesen Zusatz unfehlbar ersparen fönuns habt, dann müßt Ihr es uns sagen, wir haben eine an- bäuerin sind ebenso fleißig und gehen alle mit gutem Beispiel nen. Auch zur Fütterung des Rindviehs, und besonders der dere Aufnahme erwartet!" Da riefen die Bayern aus:„ Ja, voran. Bekannt ist zum Beispiel, wie der unter dem Namen Schafe, gebraucht man die Blätter mit den gedörrten Ranwenn Ihr auch grad' zur Hopfenernte kommt!" ,, der Odenwälder Hopfenzüchter" weit und breit berühmte ken. Diese, die Ranken oder Reben, können ferner, in Wasser alte Rauch in Lindenfels im Odenwald, ein Mann nahe der geröstet, zu Garn gesponnen und daraus eine grobe Leinwand Neunziger, noch vom frühesten Morgen bis in die späte Nacht gemacht werden, welches man jedoch in Altorf noch nicht verhinein bei der Hopfenernte der Tätigsten Einer ist beim suchet und vielmehr hat glauben wollen, die Reben vorteils Sopfenbrechen und beim Hopfenzupfen. Der Alte ist oft- hafter gebrauchen zu können, nicht nur, wie schon erwähnt, zur Fütterung, sondern auch zum Unterstreuen für das Vieh, mals bei dieser Tätigkeit photographiert worden. und verbrennt, zur Düngung."
Jeder Nürnberger wird das verstehen, und jeder, der einmal zur Hopfenerntezeit in Nürnberg oder einem anderen Hopfenort gewesen ist. Zur Zeit der Hopfenernte gibt es nur ein Interesse, nur eine Tätigkeit, nur ein Gespräch: Die Hopfenernte.
Nicht nur die am Hopfenbau und Hopfenhandel direkt beteiligte Bevölkerung ist von dieser Aufregung bei der Hopfenernte befallen, sondern alle Kreise berührt diese Ernte, denn an hilfreichen Händen fehlt es in solcher Zeit stets, und jede Kraft wird willkommen geheißen.
Das wissen auch sehr genau die Gelegenheitsarbeiter in deutschen Landen, die Ahasvere der Landstraße, die um die Zeit der Hopfenernte nach den Hopfengegenden steuern.
Die größte Hopfenernte in deutschen Landen ist, wie Sehr verdient machte sich um den Nürnberger Hopfenbau erwähnt, in der Nürnberger Gegend. Nürnberg mit seiner benachbarten Stadt Fürth bildet einen der bedeutendsten Plätze und Hopfenhandel im 18. Jahrhundert ein Kommerzienrat für den Hopfenhandel. Wie die Stadt Fürth in ihrem Wap- J. F. Bauder, der nicht nur ein halbes Jahrhundert lang pen eine Hopfenranke führt, die ein Kleeblatt umgibt, so ich praktisch als Hopfenproduzent betätigte, sondern auch im schmück auch dort einen Plaz seit einigen Jahren ein Brun- Jahre 1777 seine Erfahrungen auf diesem Gebiete in einer nen, der eine Hopfenpflückerin" darstellt, eine jugendliche Schrift niederlegte, die mehrmals neu aufgelegt wurde und Hopfenpflückerin mit dem Sammelforbe. Freilich hat hier in welcher er Anleitung für den Bau, die Ernte und die der Künstler die Pflückerin stark idealisiert, denn in Wirt- Verwertung des Hopfens gab.
In den Lebenserinnerungen des Leipziger Zoologischen lichkeit sieht man bei der Hopfenernte auch in Nürnberg weit Im Laufe der Jahrhunderte sind in Nürnberg zahlreiche Garten- Wärters Robert Thomas„ Unter Kunden, Komö- weniger anmutende Gestalten, denn auch in Nürnberg und in Verordnungen für den Hopfenbau erlassen worden. Es wurde dianten und wilden Tieren"( Leipzig, 1909) ist auch ein Fürth, wie überall in der Welt, wo Hopfen gebaut wird, ein Hopfenschauamt eingerichtet, amtliche Hopfenmeister anKapitel betitelt:„ Auf der Fahrt zum Hopfenzupfen." Da ist der charakteristische Hopfenpflücker der zugewanderte Ge- gestellt, und im Jahre 1794 wurden sogar eigene Stadtsiegel erzählt Thomas, wie er mit anderen Gelegenheitsarbeitern legenheitsarbeiter. Das ist zum Beispiel auch in Kant in gestochen, durch die Unterschleif und Vermengung der verohne weiteres zur Arbeit- in Neuhausen war's- ange: England der Fall, und der„ Zupfianus", wie in der Kunden- schiedenen Arten des Hopfens vermieden werden sollten. nommen ward.„ Bevor wir mit Pferd und Wagen nach dem sprache der Hopfenzupfer genannt zu werden pflegt, spielt Bevor wir mit Pferd und Wagen nach dem Erwägt man, daß von den etwa 800 000 Zentnern Hopfen, Hopfengarten aufbrachen, erhielten wir eine Suppe, der na- selbst in den Liedern der fahrenden Leute eine Rolle. welche in ganz Europa produziert werden, auf Nürnberg datürlich wieder ein Gebet voranging und folgte. Dann machDas Hopfen des Bieres ist ein alter Brauch, wenn er von der vierte Teil kommt, so bekommt man einen Begriff ten wir uns auf den Weg und erreichten in etwa einer Viertelstunde das Arbeitsfeld, auf dem wir uns zunächst betätigen auch nicht so alt ist, wie das Bier selbst. Denn, wie Tacitus von der Bedeutung des Nürnberger Hopfenhandels, sowie des sollten. Der Hopfen wurde dort an langen Stangen ge- uns berichtet, brauten die Germanen Bier ohne Anwendung bayerischen überhaupt. Nahezu siebenmal so groß ist die in Der Hopfen wurde dort an langen Stangen gezogen, die er von unten bis oben umwidelte. Wir mußten des Hopfens. Indessen wurde in alten deutschen Klöstern Bayern mit Hopfen bebaute Fläche, als diejenige Preußens, die Pflanzen dicht über der Erde abschneiden und die Stange vermutlich das Bier mit Hopfen gebraut, und Pipin der die 4000 Hektar umfaßt.
samt ihrer grünen Umhüllung mit dem Heber aus der Erde Kleine, der Vater Karls des Großen, schenkte wohl aus diesem Jst in Nürnberg die Hopfenernte vorüber, so ist das heben, umlegen und dann das Hopfengerant abwickeln. Diese Grunde dem Kloster St. Denis Hopfenpflanzen.
riefige Zeughaus der alten Reichsstadt der Schauplaz des Ranken wurden zu Bündeln vereinigt und nach der Tenne In der freien Reichsstadt Nürnberg aber blühte seit Hopfenhandels. Diese altehrwürdigen Räume, die im gefahren, wo sich der Besizer selbst, seine beiden Töchter, zeit- Jahrhunderten der Hopfenbau und der Hopfenhandel. In 16. Jahrhundert erbaut sind, sind an die Hopfen- Kommissioweise auch seine Frau und wir Handwerksburschen damit dem zum reichsfreien Nürnberg gehörigen Altorf war schon näre vermietet, die den Verkauf der würzigen Dolden verbeschäftigten, die Blüten abzupflücken, die in Körben gesam- um's Jahr 1601 ein ganz beträchtlicher Hopfenbau zu San- mitteln. Aber die weiten Räume, die sich mit Beginn der melt und nachher auf dem Boden zum Trocknen ausgebreitet delszwecken, und im 18. Jahrhundert wurde der Hopfen ein Ernte zu füllen anfangen, reichen nicht aus, und in den anwurden. Zum zweiten Frühstück gab es eine Maß Bier, einen Hauptartikel im Handel Nürnbergs. Schon aus dem Jahre schließenden Straßen sind überall noch Hopfenlager etabliert. Rettich und ein Stück trockenes Brot, mittags Knödel und 1497 existiert eine Nürnberger Polizei- Ordnung, in der der Am 1. September beginnt hier die Saison, die bis gegen Fleisch auf Holztellern, nachmittags wieder eine Maß Bier Hopfenstangen gedacht wird, und aus dem Jahre 1435 eine Weihnachten dauert. Von hier aus geht der Hopfen in alle mit Rettich und Brot, abends eine dicke Suppe oder Dampf- Stiftungs- und Dotations- Urkunde des Klosters Gnadenberg, Länder der Welt, nach allen Erdteilen.
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seine Befriedigung, bereits im Alter von acht Jahren, vergiß das nicht! Ob die Erziehung in einer Pension helfen wird, wer fanns wissen? Ich glaub es, offen gestanden, nicht! Aber ich will einst sagen fönnen: Was an mir lag, habe ich getan!"
Die Gräfin läßt ihren Mann ruhig ausreden, sie will Zeit zu einer Entgegnung gewinnen. Zuerst appellierte sie an das Herz des Gatten.
,, Weißt Du noch, was ich Dir gesagt habe, Egon?" „ Gewiß, aber ich hoffe, Du machst Deinen Vorsatz nicht wahr, Du hast's doch sicherlich nur in der übereilung gesagt!"
,, Nein geht Taß, gehe ich auch!" Aber Stephanie!"
In ihrem Innern triumphierte sie; dem Prechten will sie schon ihre Macht zeigen, ihr Mann wird nachgeben. „ Ich habe Dir noch niemals Gelegenheit gegeben, an meinem Worte zu zweifeln!"
Aber eine solche Äußerung legt doch kein vernünftiger Mann auf die Goldwage!"
„ Jedenfalls mache ich wahr, was ich gesagt!" Nur mit Mühe bezähmt Kwelerath seinen Unwillen. ,, Das wäre treulos und feig!"
,, Nenn's, wie Du's willst!"
Doch fie glaubt immer noch an ihren Sieg.
Wann soll der Taß weg?"
„ Nächsten Montag!"
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Es ist gut, bis dahin bin ich auch reisefertig!" ,, Stephanie, Du wirst's nicht zum äußersten kommen
Tassen!"
,, Beharrst Du auf Deinem Vorsaz, sicherlich! Be= dante Dich bei Deinem Freunde Prechten, der unsere Ehe stört!"
Aber Kwelerath redet ihr nicht mehr gut zu, mit ge= senttem Kopfe, ohne ein Wort der Erwiderung verläßt er bas Zimmer.
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Spöttisch fragt's der Diplomat.
Wie kann ich's wissen?- übrigens, glaubst Du, daß Wort hält?"
„ Möglich immerhin! Aus einem Frauenkopf ist oft schwer flug zu werden! Laß sie laufen und sage ihr freundlich: Adieu! Sie wird schon wiederkommen!"
„ Das glaub ich nicht, sie trennt sich nicht vom Taß!" ,, Dann läßt Du Dir einfach durch die Polizei Dein Kind zurückbringen!"
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,, Wussow! Was gebe das für einen heillosen Spek,, Bei dem jeder vernünftige Mensch auf Deiner Seite stehen wird, um die Unvernünftigen brauchst Du Dich nicht zu fümmern!"
„ Herrgott, man läßt es doch nicht gern zu einem Eflat fommen!"
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Mein lieber Taß, Papa will Dich weggeben, zu einem Pfarrer in strenge Pension, aber ich verlaß Dich nicht!" Ein Zittern ging durch den Körper des Jungen, ängstlich sah er seine Mutter an.
,, Denke nur, Friedrich Karl soll hier bleiben und Dich will man wegschicken!"
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Da findet der Taß die Sprache wieder. ,, Mama, ich reiße aus, wenn mich Papa wegbringt!" „ Ich gehe ja mit Dir, hab teine Angst!"
Da zeigt sich im Auge des Jungen wieder der Tauernde Blick. ,, Papa tann mich nicht leiden, er will mich gar nicht sehen!" Die Gräfin preßt die Lippen zusammen. Was soll fie dem Knaben antworten?
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,, Taß, Onkel Prechten hat es Papa eingeredet, Dich wegs zuschicken und ich bin so unglücklich darüber!"
„ Du mußt Papa sagen, daß er den Ontel wegschickt,
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Du bist Vater und hast Pflichten, der Junge taugt nichts, also ziehst Du die Kandare an; ist Deine Frau unvernünftig, so ist das sehr bedauerlich, von Dei- Mama!" ner Pflicht entbinden Dich nicht Weiber= Iaunen!"
Aber immer noch blieb Kwelerath unschlüssig. ,, Wussow, nimm mir eine offene Frage nicht übel! Warum bist Du so scharf gegen meine Frau?"
Da stand Prechten auf und legte dem Grafen die Hand auf die Schulter.
,, Weil ich Dein Freund bin und nicht will, daß Du durch diese Frau vor die Hunde gehst!"
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Sie ruiniert mich nicht, wir leben wahrhaftig nicht über unsere Verhältnisse!"
einst mit Tag zur Verzweiflung bringen!" ,, Sei doch nicht so schwer von Begriffen! Sie wird Dich Da stöhnt Kwelerath gequält auf.
,, Sie tut's schon heute!"
" Und deshalb darfst Du nicht nachgeben!" Da schreitet der
,, Er tut es nicht, mein Goldjunge!"
Fest zieht sie ihn an sich und preßt seinen Kopf an ihre Brust. Und während ihren Augen Tränen entströmen, blickt der Taß mit vorgeschobener Unterlippe finster vor sich hin. Da öffnet sich die Tür, Kwelerath tritt ein. Die Gräfin springt auf und trampft ihre Finger in Taß' Schultern. ,, Jch laß ihn nicht weg, keine Macht der Erde trennt mich von meinem Jungen!"
Aber der Graf bleibt ruhig.
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,, Wenn es sich um Friedrich Karl handelte, Du würdest nicht so verzweifelt tun!"
Sie wehrt sich gegen die Worte ihres Mannes mit aller Entschiedenheit.
,, Doch, Egon, doch! Jch dulde nicht, daß man den einen vorzieht und den anderen leiden läßt!"
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,, Wer spricht von leiden? Bessert sich der Taß, niedie wieder offen finden,- wenn
Ruhig sieht ihm die Gräfin nach, der starke Mann war Diener befiehlt er, den Kandidaten mit Taß herzurufen mand wird Gott inniger danken als ich, er wird nach kurzer
doch Wachs in ihren Händen, sie wird schon mit ihm fertig werden bis Montag.
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Mit umdüsterter Stirn betritt Kwelerath sein Arbeitszimmer. Prechten läßt die Zeitung sinken. „ Run?"
,, Schick ich den Taß weg, will Stephanie auch gehen!" „ Auf wie lange?"
Aber der Kandidat kommt allein.
„ Taß ist bei der gnädigsten Frau Gräfin!" Bitte, warten Sie hier!"
Mit festen Schritten verläßt Kwelerath das Zimmer.
Sobald ihr Mann sie verlassen, ließ sich die Gräfin ihren Liebling holen. Kaum betrat er das Zimmer, eilte sie auf thn zu und sagte ihm mit Tränen in den Augen:
er sich ändert!"
Da schüttelt die Mutter den Sohn hin und her. ,, Nicht wahr, Taß, Du wirst Dich von nun an hüten und feine Dummheiten mehr machen?"
Der verspricht es. Der Knirps weiß ganz genau, welchen Einfluß die Mutter auf den Vater hat. ( Fortseßung folgt.)
Redaktion, Rotationsdrud und Berlag von Th. Süß, Wilhelmshaven. Telephon Nr. 16.
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