Die Blondine hatte sich inzwischen damit abgefunden,[ Lechner auch dem Kaiser Franz Josef von Österreich vor- 1zeit stattfindende Ausstellung für Raumkunst, die 4 Zimmer daß der„ Grüne" fein Forstmann war- Dr. ing.- auch gut. gestellt. zeigt, von denen drei von Bruno Paul- Berlin herrühren. Die
Mittlerweile tamen sie an den Straßentunnel, und der junge Ingenieur bemerkte, daß er das wunderbare Bild hier habe aufnehmen wollen und bei dieser Gelegenheit seinen Verlust bemerkt hätte.
Eine Weile standen alle drei in stummer Bewunderung Dieser Schönheit, dann bat Herr Rotmund, die Damen hier an der Felsbrüstung photographieren zu dürfen, den Eisberg als Hintergrund.
Kunstbriefe vom Niederrhein.
geeignet ist.
vorbehalten.
- Ein entmenschtes Weib. Ein Fall von ser Künstler ist von enormer Bedeutung für die Fortentwick ganz außergewöhnlicher Gemeinheit, der sich auf der Insel lung des deutschen Kunstgewerbes. Er bevorzugt die geraden Alsen abgespielt hat, lag der Flensburger Straffammer zur Linien, die Biedermeierstilistik in den Formen. Er zeichnet Aburteilung vor. Eine vierzigjährige Frau hatte, während sich durch kräftige, männliche Einfachheit aus, die jede Spieder Ehemann im Zimmer nebenan als Leiche lag, mit ihrem lerei verschmäht und nur wirklich Brauchbares von schönem - je ein Speise-, 19 Jahre alten Sohne Blutschande getrieben! Sie wurde äußeren schaffen will. Die drei Zimmer u 1 Jahren Zuchthaus, der Sohn, ein Maurergeselle, zu Wohn- und Schlafzimmer sind vom Verein deutscher Wertstätten für Kunst im Handwerk ausgeführt und lassen die 1/2 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach einigem Zögern wurde ihm das gewährt. Der - Gemeine Rachsucht. Infolge eines Streites starke Individualität Bruno Pauls deutlich erkennen. Theo A. Sprüngli- Düsseldorf. junge Amateur meinte, daß es ein vortreffliches Bild geben hat, wie aus Stuttgart gemeldet wird, der pensionierte Bahnwürde, das er den Damen als Reiseandenken ins Hotel nach wärter Wöhr unter tragischen Umständen seinen Tod gefunden. Altdorf zu schicken versprach. Wöhr hatte noch bis zum 1. Oktober Erlaubnis, in seinem Litterarisches. Wärterhäuschen auf der Strecke Jllingen- Stuttgart wohnen Flüelen war bald erreicht, und als die Damen dort einen zu dürfen. Als er abends von Jllingen nach Hause wollte, Eingegangene Bücher und Zeitschriften; Besprechung nach Auswahl Wagen bestiegen, um in die alte Kantonshauptstadt zu fahren, verweigerte ihm der diensttuende Schrankenwärter Schmähzle bedauerte Herr Dr. ing. Rotmund sehr, daß er seinen Ruck- die Öffnung der Schranken. Es kam zu einem erregten Wort- Velhagen und Klasings Monatshefte( Herausgeber Hanns v. Bobeltig sad in ein Flüeler Hotel hatte spedieren lassen. wechsel. Auf den Lärm kam die Frau Wöhr aus ihrer Woh- und Paul Oskar Höcker) versenden soeben ihr Septemberheft: das Probeheft Die Aufnahme ließ er beim Photographen gleich aus- nung und veranlaßte ihren Mann, weiter zu gehen. Als aber des neuen 24. Jahrgangs. Mit Romanen und Novellen find darin vertreten: Clara Biebig, Hermann Hesse, Paul Heyse, Otto Ernst, Rudolf Hans Bartsch, führen. Aber es war nichts damit. Der sonnenglänzende Schmälzle immer noch weiter schimpfte, packte ihn die Wut, wilhelm Hegeler. Das fünstlerisch hervorragend ausgestattete Heft enthält Fira war sehr gut wiedergegeben, allein durch die Helle des er ging zurück und gab Schmälzle eine kräftige Ohrfeige. Die eine Anzahl reich illustrierter Aufsäße. Es ist das reichhaltigste Heft, getragen Hintergrundes erschien der Vordergrund des Bildes, die Fels- beiden Männer famen jetzt ins Handgemenge, in dessen Ver- von fünstlerischem Geist, das Velhagen& Klasings Monatshefte bisher übera einrahmung des Ausgucks und die dunklen Reisekleider der lauf Wöhr einen so heftigen Schlag erhielt, daß er auf dem haupt auf den Büchermarkt gebracht haben. Ein bedeutsames Unternehmen hat soeben der Verlag von E. E. Kloz Damen, als schwarze Masse; auch die Gesichter konnten nur Bahngeleise zusammenbrach. Vergebens versuchte seine Frau,( vorm. E. Baensch, Kgl. Hofbuchh.), Magdeburg, ins Leben gerufen. Genannte als Silhouetten gelten, die sich nicht einmal sehr malerisch ihn von den Gleisen wegzuziehen. Da sich inzwischen der Firma gibt einen Literarischen Ratgeber heraus, der sich die Aufgabe stellt, von den Eiswänden des Rothstocks abhoben. Der Ingenieur Stuttgarter Schnellzug näherte, bat sie Schmalzle, ihr zu hel- auf dem Gebiete der täglich sich mehrenden literarischen Erscheinungen den Weizen von der Spreu zu sondern. Als Herausgeber zeichnet Dr. Otto war zu Tod unglücklich. Ein solches Bild konnte er den fen, den bewußtlosen Mann von den Eisenbahngleisen weg- Gramzom, der längst als Verfasser literarischer und philosophischer Werke einen Damen unmöglich zusenden. Da beschloß er, diese persönlich zutragen. Schmälzle lehnte aber jede Hilfe ab und die un- guten Namen besitzt. Von möglichst jedem neuen Werke der belletristischen um Entschuldigung zu bitten. glückliche Frau mußte zusehen, wie der Schnellzug immer und populär- wissenschaftlichen Literatur wird eine kurze Besprechung geboten, Als er spät am Abend das Hotel zum Schlüssel in Alt- näher kam und schließlich vor ihren Augen ihrem Manne den die nicht allein Inhalt, Tendenz und Sprachwert treffend tennzeichnet, sondern dorf verließ, um nach Flüelen zurückzukehren, da war er Ropf zermalmte. Eine gerichtliche Untersuchung über den fast auch Aufschluß darüber gibt, für welche Leserkreise ein Buch vornehmlich Der Verwaltungs- Ingenieur nennt sich eine neue Halbmonatsschrift, sehr zufrieden damit, daß sein verunglücktes Bild ihm zu unglaublichen Vorgang ist eingeleitet worden. die soeben im Verlag der technischen Vertriebsgesellschaft( Dr. Berner Heffter diesem Entschuldigungsbesuche Anlaß gegeben hatte, denn der und Co.) in Duisburg erscheint. Der Verwaltungs- Ingenieur" behandelt inzwischen eingetroffene joviale Herr Martens hatte den in erster Linie wirtschaftlich- technische Fragen und gewerblichen Rechtsschuß jungen Herrn zu einem Besuche nach M. eingeladen. Und und will eintreten für technisches Sachverständigenwesen, für Standes- und Gleichberechtigungs- Bestrebungen der höheren Techniker, für Betriebsorganis daß es dort sehr schön werden würde, das hatten ihm die Blicke der jungen Dame schon versichert. Düsseldorf, im August 1909. Wenn die Blätter in fation, sowie für technisch- gewerbliche Buchführung, für Angelegenheiten der unserem schönen Hofgarten unter dem fühlen Windhauch des Gewerbe- Inspektion, der Berufsgenossenschaft, des Revisionsvereins und für Abends zittern und schon vor dem Herbste, der naht, erbeben, eine Sammelstelle ſein für Auffäße nach Art derjenigen des Professors W. das Fabrikwefen überhaupt. Das Blatt fostet 2 M. vierteljährlich. Es will wenn die stolzen Ferienbärte der Mimen unter dem mitleid- Franz von der Technischen Hochschule Berlin und eine Vertreterin der Belosen Schermesser fallen, dann erwacht der Theatergeist aus strebungen, wie sie das in Berlin vor kurzem gegründete Technische Komitee seinem Sommerschlafe. Wir nennen das den Beginn einer auf sein Programm gesezt hat. Deutsche Reichsgesetze in Einzelabdrücken.( 386 Nummern, pro Vermischtes. neuen Saison. Als erster Kämpe eröffnete das Düsseldorfer Nummer 20 Pfg. Berlag von Emil Roth in Gießen.) Nr. 372, Schaum* Der beste Schüße Deutschlands. Einer Schauspielhaus das Turnier um den friedlichen Lorbeer, um weinsteuergeset, 20 Bfg. Nr. 373/74, Brausteuergeset, 40 Pig. Nr. 375, Meldung aus Hamburg zufolge hat Gewehrfabrikant Hans den Rheinlands Bühnen in heißem Bemühen ringen. Wir Leuchtmittelsteuergeseß, 20 Pfg. Nr. 376/77, Brantweinsteuergeseß, 40 Bfg. Nr. 378, Zündwarensteuergesez, 20 Pfg. Nr. 379, Wechselstempelgejet, 20 Pfg. Lechner in Nürnberg die beim 16. Deutschen Bundesschießen haben viele gute Theater am alten Rhein, Köln und Düſſel Nr. 380/84, Reichsstempelgesen, 1 Mr. Mr. 385/86, Tabal- und BigarettenBedin: dorf besitzen eine Oper, deren Ruhm im Reiche der Tonfunst fteuergefes, 40 Big. Herausgegeben von Geh. Jufizrat Univ.- Professor Dr. ausgesezt gewesene Hansa- Meisterschaft errungen. gung war, daß der Gewinner sieben verschiedene Scheiben- laut gepriesen wird und das Streben Luise Dumonts und ihres Karl Gareis- München. Vorzügliche Ausstattung und ein sehr billiger Preis und auch beim Publikum eingeführt. gattungen, und zwar: Standmeister-, Feldmeister-, Pistolen- Schauspiehauses verfolgt man bis weit über die Grenzen unse- haben die Gareissche Sammlung deutscher Reichsgeseße in der Juristenwelt Grimmelshausens Simplizianische Schriften, herausgegeben, einge meister-, Jagdmeister-, Armeemeister, Jagdserienkarte- und res deutschen Vaterlandes mit regem Interesse, das sich erst Pistolenserienkarte-, zusammengerechnet die höchste Ringzahl fürzlich in einer Einladung zu einer Gastspielreise nach Süd- leitet und erläutet von Ernst Arnold. 1. Teil: Die Landstreicherin Courage. erreichte. Der Sieger erhielt für diese Leistung die große Amerika kundtat. Luise Dumont strebt, unterstützt von ihrem 2. Tell: Der feltsame Springinsfeld. Francksche Verlagshandlung, Stuttgart. goldene Staats- Medaille und den Betrag von 2000 M in Gatten Gustav Lindemann, eine Reform der Schauspielbühne( Bibliothek des 17. und 18. Jahrhunderts.) Preis jeden Bandes: geheftet - Über den Wert der drei Meinen picarischen Romane Grimmelshausens bar. Herr Hans Lechner ist in der deutschen und auslän- an; sie will uns die ewigen Worte des klassischen Dramas it, geschmackvoller Umschlagzeichnung 2,00 m., elegant gebunden 3,50 Mr. dischen Schüßenwelt ein gefürchteter Konkurrent. Er be- näher bringen, indem sie mit dem hohlen Pathos vergangener äußerten sich berufene Literaturforscher und Kulturhistoriker bereits vor vielen vom„ abenherrscht den Scheibenstuzen ebenso gut wie das Armeegewehr 3eiten bricht. Sie will die Schaubühne von einer bloßen Jahren dahin, daß man sie hinter dem Hauptwerke, dem Roman oder die Pürschbüchse. Lechner schießt seit dem Jahre 1893 Vergnügungsstätte wieder zu einem Orte machen, an dem ful- teuerlichen Simpliziſſimus", keineswegs zurückseßen darf! Neben der Tatsache, daß gerade die Form der dret kleineren Erzählungen neuzeitlichen Ansprüchen und hat sich während dieser Zeit eine Unsumme von Preisen, turelle Werte geschaffen werden, zu einer wahren Bildungs- durchaus genügt, bietet vornehmlich ihre fulturgeschichtliche Bedeutung einen beträchtlichen Anreiz zur Leftüre. Die Fortseßung der Sammlung erscheint namentlich Ehrenpreise, geholt. Er gelangte in den Besitz stätte für die Suchenden und Strebenden. vieler Fürstenpreise und anderer wertvoller Siegertrophäen. Unsere Zeit, die einen starken Zug zum Warenhaus zeigt, recht wünschenswert und dürfte nicht auf sich warten lassen, wenn die beider ersten Bändchen die wohlverdiente Aufnahme finden! Bis jetzt hat Herr Lechner 32 Meisterschaften errungen. Für hat auch die Kunstausstellungen in den Engros- Betrieb geGraf Cohn, Roman von Paul Langenscheidt, Verlag Dr. P. Langen die Deutsche Nation hat er geschossen beim internationalen bracht. Das ist nicht so ganz zu verwerfen, denn z. B. bei scheidt, Groß- Lichterfelde- Ost. Prets 4 MI., geb. 5 Mt. Ein GesellschaftsWettschießen 1901 in Luzern, 1902 in Rom, 1908 in Wien, Tiek in Düsseldorf sehen sich gar manche die in geschmackvollen roman, wie wir solche nur wenige in unserer Literatur besißen, ist Langen1909 in Hamburg. Ebenso beteiligte sich dieser Schütze bei Räumen untergebrachten Ausstellungen an, die nie in eine scheidts eminent soziales Werk. Nicht leere Worte macht unser Dichter. Der Roman stroßt von Handlung und Gegenständlichkeit. Schlag auf Schlag dem Armeegewehr- Wettschießen der Deutschen gegen die Gallerie oder zu Schulte gehen würden. Auf diese Weise wird erfolgt hier. Wir werden mitgerissen von dieser Wahrheit, die manchmal Österreicher im Jahre 1902 in Wien. Bei diesem Schießen also die Kunst„ ins Volk gebracht", ein Bestreben, das sich brutal wirkt. Der Newyorker Herold" schreibt über das Buch: Der Dichter gingen die Deutschen als Sieger hervor und errangen den heute überall zeigt und das sehr schäzenswert ist. Ich beab hat mit vorliegendem Roman Graf Cohn" einen vollen Treffer gemacht. goldenen Pokal, als Siegerpreis für den Deutschen Schüßen- fichtige nicht, an dieser Stelle etwa alle Tietzschen Ausstellun- Das Thema ist außerordentlich zeitgemäß und damit glücklich gewählt. Das Problem dringt in das Innere einer brennenden Kulturfrage. Graf Cohn" bund. Dieses Prunkstück ist im Deutschen Museum in Nürn- gen zu besprechen, nur hin und wieder soll besonders Bemer- ist eines von den Büchern, die man n ausschlägt und dann nicht wieder aus berg aufbewahrt. Bei diesem Wettschießen wurde Herr kenswertes Erwähnung finden. Dazu gehört fraglos die zur- der Hand legt, ehe man nicht an der Schlußseite angelangt ist. „ Ja, was ist denn los?"
So hatte ihm eine verunglückte Photographie das Glück So hatte ihm eine verunglückte Photographie das Glück gebracht.
„ Ich bin's, Pohlmann, wollen der Herr Graf bitte sofort öffnen!"
Mit einem Sage ist Kwelerath aus dem Bette und riegelt auf, notdürftig gekleidet steht der Kandidat vor ihm. Seine Worte überstürzen sich.
„ Herr Graf, soeben ist die gnädigste Frau Gräfin mit Taß und der Zofe weggefahren!"
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Sind Sie verrückt?"
Durch Zufall sah ich's mit meinen eigenen Augen!" ,, Nun, die erwischen wir schon noch, nach halb sechs verläßt der Zug die Kreisstadt. Lassen Sie meine Juder anspannen, Fritz soll fahren!"
"
Mit Frig und den Juckern hat die gnädigste Frau Gräfin Kwelerath verlassen!"
,, Dann den Viererzug, Gustav und Johann sollen mich begleiten, schnell, wecken Sie die Beiden!"
Kwelerath wirft den Schlafrock über und geht in
Seitenflügel zu Prechten.
den
,, Du, Stephanie ist soeben mit Taß und der Zofe auf und davon!"
Der reckte sich in seinem Bette. ,, Laß sie laufen!"
,, Bist Du des Teufels?"
,, Schlag feinen Krakehl und laß die Leute schlafen, sonst gibt's nur dumme Redereien!"
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Pohlmann weckt schon Gustav und Johann!"
,, So lauf hinter her und verhindere das!" ,, Aber Wussom?!"
Simmelwetter, so sei doch vernünftig, willst Du in das Gerede der Menschen kommen und auf dem Bahnhofe eine Szene entrieren?"
Als Kwelerath die Zimmer seiner Frau betrat, fand er dort schon Prechten vor.
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Sie hat fein Wort zurückgelassen, Eaon. wenigstens hab ich bis jetzt nichts entdecken können!" Eine Stunde lang suchen sie vergeblim. „ Denkst Du, daß sie bald wiederkommen wird?" ,, Warte ab, vielleicht bringt der Kutscher irgend welchen Auftrag mit! Ziehen wir uns an und gehen wir ihm entgegen!"
Ein wundervoller Sommermorgen bricht an, als die beiden den Gutshof verlassen. Heute, zum Sonntage, liegt er noch wie ausgestorben da. Von der See weht eine erfrischende Brise, die Vögel erwachen und singen ihr Morgenlied, auf einem Scheunendach klappert ein Storch, ein paar Möwen mit silberglizernden Flügeln ziehen rasch ihre Bahn. Der Tau hängt am Halm und Strauch und blizt wie tausend Diamanten. Jm Dorfe fängt ein Schornstein an zu rauchen, schnell vermählt sich der dünne bläuliche Qualm mit der Morgenluft. Ein paar Lerchen steigen sentrecht aus den Roggenfeldern auf, höher, immer höher.
Langsam und wortlos gehen die Freunde die von Obstbäumen eingerahmte Landstraße entlang, sie haben noch viel Zeit; schließlich setzen sie sich in einen Straßengraben. ,, Wenn ich nur dem Friz den Mund stopfen könnte, Wussow!"
Der zuckt die Achseln.
,, Probier es nur gar nicht erst, Du bist im Rechte, was die Leute sagen, fann doch dem Grafen Kwelerath gleichgültig sein!"
,, Aber mein Weib muß ich schonen, ihr den Rückweg nicht verbauen!"
,, Lieber Egon, sei froh, wenn Du sie los bist!" ,, Dent doch an die Kinder!"
„ Friedrich Karl wird sein Lebtag an Deiner Seite stehen
,, Stephanie ist unberechenbar, wer weiß, wo sie hinfährt!" „ Eben deshalb, weil sie unberechenbar ist, mußt Du ver- und den Taß läßt Du durch Gerichtsbeschluß oder Polizei zurückholen!" nünftig sein! Also geh, schnell!"
Kwelerath sah ein, das Beste war es schon, er ließ die drei vorläufig reisen, er stürzte aus dem Zimmer und erwischte den Kandidaten, wie er gerade an der Dienerwohnung Lärm ichlagen wollte.
,, Das ist doch furchtbar, Wussow!"
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Lange nicht so schlimm, ais wenn Du den Knochenfraß
hättest!" Brechten reißt eine Roggenähre aus und ist in Gemütsruhe die reifen Körner.
,, Es ist nicht nötig, ich habe einen Brief von meiner ,, Aber trotz allem, ich habe mein Weib lieb, und wenn Frau vorgefunden,- ja-a,- lassen wir die Leute schlafen, sie in den Bengel, den Taß, nicht so vernarrt wäre, würden tun wir, als ob alles in schönster Ordnung sei und Sie wir ganz gut zusammen auskommen!" bitte ich zu schweigen!"
„ Selbstverständlich, Herr Graf!"
,, So legen Sie sich nur ruhig wieder auf's Ohr!"
,, Sei doch kein solcher Waschlappen, Egon!" Da stöhnt er auf.
,, Du hast nicht Weib und Kinder!"
"
,, Vor allen Dingen hast Du Friedrich Karl! Ihr beide werdet Euren Weg famos allein durch die Welt finden!" ,, Und der Taß ruiniert unterdessen meinen Namen und später, wenn ich die Augen geschlossen habe, das Majorat!"
Da weiß Prechten nicht, was er antworten soll. Wieder schweigen sie. Endlich hören sie den Wagen kommen, sie stehen auf und gehen ihm entgegen. Frizz macht ein sehr verwirrtes Gesicht, wie er seinen Herrn breitbeinig mitten auf der Straße stehen sieht. Er pariert die Pferde durch.
,, Frau Gräfin zur richtigen Zeit auf dem Bahnhofe ges
wesen?"
„ Zu Befehl, Herr Graf!"
,, Sat sie Ihnen noch einen Auftrag für mich mitgegeben?" Nein, aber der junge Graf Taß läßt bestens grüßen!" Da beißt Kwelerath die Zähne fest aufeinander.
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Steigen wir ein, Wussow!"
In schlankem Trabe fahren sie vor der Freitreppe des VI. Schlosses vor.
Der Kandidat erwartet die Herren.
Mein lieber Herr Pohlmann, nun heißt's Friedrich Karl die Tatsachen beibringen, ohne daß dem Jungen dadurch die Jugend vergiftet wird!"
„ Immer die Wahrheit, Egon", sagt Prechten ärgerlich. Mein Gott, man muß doch Rücksicht nehmen auf eine Kindesseele, mein Weib ist doch seine Mutter!"
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Da gibt's nicht viel zu überlegen, gehen wir gleich zu
ihm!"-
Die drei Herren stehen um sein Bettchen, er reibt sich mit den Fäusten den Schlaf aus den Augen. Kwelerath's Herz trampft sich zu sammen. Prechten beugt sich über ihn. ,, Mojen, Friedrich Parl! Ausgeschlafen?" Der lacht vergnügt.
„ Ja, Onkel! Fahren wir heute zum Sonntage wieder rüber nach Raulid?"
,, Gewiß, heute Abend sehen wir uns die Hirsche an!" „ Und den Taß nehmen wir zum Auschied mit, bitte, Papa!" Da streicht Prechten dem Jungen das wirre Haar aus der Stirne und sagt schnell: ,, Dente nur, der Taß ist mit Mama diese Nacht wegge: Der kleine Friedrich Karl stammelt:
fahren!"
„ Aber Mama und Taß haben mir doch gar nicht Adien Papa auch nicht!"
gesagt!"
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Redaktion, Rotationsdrud und Verlag von Th. Süß, Wilhelmshaven. Telephon Nr. 16.
( Fortsetzung folgt.)
