Wilhelmshavener Tageblatt

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205.

Donnerstag, den 2. September 1909.

35. Jahrgang.

Sedan!

ministerium hat in der französischen Presse Eindruck gemacht. Irein familiären Charakter trug, dauerte etwa eine Stunde. Wenigstens beklagt ein Bericht des Gil Blas" die Tatsache, Nachdem ein Jmbiß eingenommen war, erfolgte die Abreise An diesem Donnerstage tehrt der Sedantag zum 39. Mal die den Wandel der Zeiten und der Gesinnungen deutlich er- des Kaisers nach Friedrichshafen. Das Großherzogspaar be­wieder; trotzdem hat er bei denen, die ihr Vaterland lieben, fennen läßt, mit beweglichem Wort. Daß die Elsässer in den gleitete ihn zur Landungsstelle. Ein zahlreiches Publikum noch nicht an Bedeutung verloren, sondern dieselbe Begeiste- deutschen Beamtendienst eintreten, daran hatte man sich in brachte begeisterte Hochrufe auf Kaiser Franz Josef aus. tung, die das ganze deutsche Volk durchbrauste, als die Kunde Frankreich allenfalls schon gewöhnt, aber das deutsche Offi- Friedrichshafen, 31. August. Die heutige Boden­tam ,,, das französische Heer und sein Kaiser gefangen", ist auch zierkorps hielt man für ein ihnen völlig unzugängliches Land. Seefahrt des Kaisers Franz Josef fand bei böigem Wetter heute noch in jedem Patrioten lebendig. Wird auch die Zahl Die Zahl der aus altelsässischen Kreisen hervorgehenden deut: statt. Um 1.30 Uhr hatte die Ehrenkompagnie am Schloß­der Sedankämpfer immer geringer, und schmilzt auch die Zahl schen Offiziere ist jedoch im allmählichen, wenn auch lang portal Aufstellung genommen, wo sich zahlreiche geladene derer immer mehr, denen es wenigstens vergönnt war, die samen Wachsen begriffen. Sie würde, wie man der Köln. Gäste, darunter die Fürstin von Fürstenberg mit Kindern, große Zeit mitzuerleben die Treue zu unserem angestamm- Stg." schreibt, wohl erheblicher sein, wenn nicht in einheimi- eingefunden hatten. Um 2 Uhr traten der König von Würt­ten Herrscherhause und die Liebe zu unserem ruhmreichen schen Kreiſen noch vielfach Vorurteile beſtänden wegen der temberg und Herzog Albrecht von Württemberg, beide in Vaterlande leben trotz der vielen Abtrünnigen im deutschen Ansprüche der Truppenteile bezüglich des Familienursprungs österreichischer Uniform, sowie der Fürst von Wied aus dem Volke weiter. Mögen sie nie erlöschen, möge es vielmehr ge- ihres Offiziererfazes, die so lange nicht beseitigt werden, als Schloßportal. Der König unterhielt sich längere Zeit auf das Volte weiter. Mögen sie nie erlöschen, möge es vielmehr ge- der Verkehr des so zahlreichen einheimischen Elements im lebhafteste mit dem Grafen Zeppelin. Um 2.15 Uhr traf das lingen, die verlorenen Söhne zu retten und zur Umkehr zu französischen Offizierkorps mit der reichsländischen Bevölke- Kaiserschiss ein. Die Begrüßung zwischen dem Kaiser und Was ruft uns denn der Sedantag zu? überwunden liegt rung anhält. dem Konig war eine äußerst herzliche. Auch der Kaiser unter­

bringen!

Kaiser Franz Josef am Bodensee.

Fürstin zu Wied ihren hohen Gast. Der Kaiser verweilte eine Stunde im Schloß. Nach Verabschiedung der beiderseitigen Gefolge geleitete der König seinen hohen Gast zum Dampfer, wo sie herzlich Abschied nahmen. Der Kaiser war Gegenstand

Konjervative gegen Konservative.

das französische Heer zu Boden, überwunden durch den Hel- Beuthen, 31. August. Die Polizei verbot die für hielt sich längere Zeit mit dem Grafen Zeppelin, der das denmut eurer Väter, die an Kühnheit, Tapferkeit, Todesver- morgen angesagte Freidenferversammlung, in der Professor Nichterscheinen des Luftschiffes lebhaft bedauerte. Am Ein­achtung, Ausdauer und Selbstüberwindung bei den zahllosen Schieler- Danzig über das Thema Der Ultramontanismus, gange in den Schloßgarten erwarteten die Königin und die Strapazen sowie Entbehrungen gewaltiges geleistet haben. der schlimmste Kulturfeind" sprechen wollte. Aufgerichtet ist das Deutsche Reich, und seine Säulen stehen fest auf den blutgetränkten Schlachtfeldern Frankreichs. Euch ist das Erbe überkommen, das eure Väter mit ihrem Blute teuer bezahlten. Ihr seid nicht wert, den Namen Deutscher Lindau, 31. August. Anläßlich der Zusammenkunft| lebhafter Ovationen. Die Kapelle des Infanterie- Regiments zu tragen, wenn ihr dies Erbe nicht heilig haltet. Wie eure des Kaisers Franz Josef mit dem Prinzen Ludwig von Nr. 122 brachte dem Grafen Zeppelin vor der Monarchen­Väter 1870/71 das Wohl des Vaterlandes über das eigene Bayern als Vertreter des Prinzregenten trägt die Stadt Fest- zusammenfunft ein Ständchen, wobei ihm vom Publikum stellten und lieber alles dahingaben, was sie besaßen, als daß schmuck. Vor dem Hauptzollamtsgebäude, wo die Landung lebhaft gehuldigt wurde. der Feind auch nur eine Hand voll Boden ihres geliebten des Kaiserschiffes Elisabeth" erfolgte, erhebt sich ein mit Bregenz, 31. August. Kaiser Franz Josef ist, von Vaterlandes eroberte, so sollt auch ihr festhalten in opfer- österreichischen und bayerischen Farben geschmüdtes Emp- Friedrichshafen kommend, um 5.34 Uhr hier eingetroffen und williger Liebe zum Vaterlande und in Treue zu eurem Lan- fangszelt. Der Dampfer mit dem Kaiser traf unter Böller- mit Hofsonderzug nach Wien zurückgereist. desherrn! schüssen und Hochrufen der am Safen versammelten Volks­Der Sedantag ist ein Markstein in der Geschichte des menge gegen 8.30 Uhr ein. Kaiser Franz Josef trug die deutschen Volkes, der unverrückbar feststeht und hineinragen Uniform seines bayerischen 13. Infanterie- Regiments, Prinz wird in unser Volksleben bis in den jüngsten Tag. Wehe uns, Ludwig die seines österreichischen Regiments. Die Begrüßung Der fonservative Reichsbote" veröffentlicht in einem wenn er jemals anders würde, denn wir müßten uns dann war sehr herzlich. Vom Hafen fuhr Prinz Ludwig mit dem Artikel ,, Was uns not tut!" eine Mahnung an die Parteien vor uns selbst schämen. Sind wir nicht allen denen, die Sedan Kaiser zur Villa am See, wo letzterer die Prinzessin Therese zur Selbstprüfung und Einkehr. Da es sich um ein. tonserva­herbeigeführt und Deutschland geeint haben, zu unendlichem begrüßte. Von hier begab der Kaiser sich zur Begrüßung der tives Blatt handelt, sind natürlich die Mahnungen an die Danke verpflichtet, und liegt nicht in der würdigen Sedanfeier Großherzogin von Toscana und deren Tochter nach der neben- konservative Partei von besonderem Interesse. Der Reichs­der Dank begründet? Ist es nicht heute mehr denn je ge- an liegenden Villa Toscana. Dann fuhr er mit dem Prinzen bote" schreibt da u. a.: boten, sich der Heldentaten unserer Väter zu erinnern, damit Ludwig zum Rathause, wo er vom Bürgermeister Hofrat Die tonservative Partei kann nicht verkennen, daß ihre wir uns zu immer neuem Opfermut, zu glühender Vater- Schüzinger im Namen der Stadt begrüßt wurde. Nach der kategorische Ablehnung der Erbanfallsteuer sehr viel zu der landsliebe und zu hingebender Treue an solchem Beispiel Begrüßung fuhr der Kaiser zum Hafen, wo sämtliche Dampfer eingetretenen Verwirrung und Verbitterung beigetragen hat, begeistern? Und endlich, ist es nicht geboten, in unserer geflaggt hatten. Beim Abschied war auch die Fürstin von weil man darin eine übertreibung der großagrarischen Inter­Jugend neue Männer erstehen zu lassen, die würdige Söhne Fürstenberg mit ihren Kindern anwesend, die der Kaiser essen sah. Das hat in weiten Kreisen lebhaften Widerspruch und Enkel ihrer Vorfahren werden? Wenn echte deutsche herzlich begrüßte. Der Abschied zwischen dem Prinzen Lud- gegen die einseitigen agrarischen Bestrebungen ausgelöst, und Männer, wie wir sie in den Kriegervereinen Schulter an wig und dem Kaiser trug gleichfalls einen sehr herzlichen Cha- gegen diese wendet sich jetzt alles: der Hansabund, der Bauern­Schulter nebeneinander stehen und siten sehen, in voller inne- rakter. Als der Kaiser unter Böllerschüssen abfuhr, brachte bund und auch die sezessionistischen Gedanken innerhalb der rer Begeisterung das Sedanfest feiern, so ist das für alle Teil- Hofrat Schüzinger ein Hoch auf ihn aus. Der Zusammen- Partei richten sich lediglich gegen die agrarischen über­nehmer erhebend, und wer sein Herz und seinen Sinn für funft zwischen dem Kaiser und dem Prinzen Ludwig wohnten treibungen, an denen aber der Bund der Landwirte mit wahre Ideale noch nicht ertötet hat, der wird selbst immer u. a. auch der österreichische Ministerpräsident Bienerth und seiner Agitation mehr beteiligt ist, als die konservative wärmer werden. So ist der Geist, der von solcher Feier aus der bayerische Ministerpräsident Podewils bei. Der Kaiser Partei. Da der Bund der Landwirte aber keine politische geht, Leben gebend; er ist eine Saat nationalen Denkens und und der Prinzregent verliehen eine große Anzahl Auszeich- Partei ist, sondern durch die Verbindung mit der konserva­Empfindens. tiven Partei seine Zwecke zu erreichen sucht, so ergießt sich Wenn wir uns nun heute tatsächlich oder auch nur im Rorschach, 31. August. Der Empfang des Kaisers das Odium gegen die agrarischen übertreibungen auf die Geiste zur Sedanfeier vereinigen, so wollen wir es tun, indem Franz Josef ist, ohne durch das Wetter beeinträchtigt zu tonservative Partei. Das kann dieselbe aber als große, poli­wir unsern Königen, Fürsten, großen Männern und Heer- werden, programmäßig verlaufen. Heute Vormittag lief tische, alle Staats- und Voltsinteressen umfassende Partei führern sowie den heldenmütigen Kämpfern von ganzem der Dampfer Kaiserin Elisabeth", mit dem Kaiser an Bord, nicht tragen... Es handelt sich für die konservative Partei Herzen danken und bei uns selbst das Gelübde ablegen, daß in den Hafen ein. Der Kaiser stand auf dem Hinterdeck und nicht um das Einlenken von einem Extrem in das andere, wir das uns überkommene Erbe hoch und heilig halten wollen, wurde von den Schweizer Behörden empfangen. Im Namen also keineswegs um die Aufgabe oder Vernachlässigung der allezeit bereit, es mit Gut und Blut, mit Leib und Leben des Bundesrats begrüßte Vizepräsident Comtesse in französi- Pflege der landwirtschaftlichen Interessen, sondern um Ab­zu schützen, zu bewahren, zu fördern und zu erhalten. scher Sprache den Kaiser und hob hervor, daß während der fehr von jener Einseitigkeit, welche die ganze Politik auf die Tag des Sieges ohnegleichen, 61jährigen Regierungszeit des Kaisers die Beziehungen übertriebene Pflege agrarischer Interessen zuspißt und andere Österreichs zur Schweiz nie die geringste Trübung erfahren vitale Interessen der Nation in den Hintergrund schiebt und hätten. Redner schloß mit dem Wunsch, dem Kaiser möge unfreundlich behandelt; sie ist erst in den letzten Jahren in ein ungetrübter Lebensabend inmitten der Liebe seiner Völ- die tonservative Partei eingedrungen..... Auch die beste fer beschieden sein. Kaiser Franz Josef verlas hierauf eine Sache fann an ihren übertreibungen zugrunde gehen. Es in französischer Sprache verfaßte Antwort, in welcher er be ist eine kritische Stunde für die konservative Partei und die tonte, er wünsche die guten Beziehungen mit der Schweiz fonfervative Politik, der wir so viel verdanken, angebrochen. weiter zu pflegen und zu entwickeln. Der Kaiser bedauerte Möchte sie die Aufforderung zur ernsthaften Selbstkritik nicht hierauf, daß die Kürze der Zeit ihm nicht gestatte, auf Schwei- mißachten; es hängt außerordentlich viel davon ab, sowohl zer Boden zu kommen. Alsdann überreichten sechs weißge- für die Partei wie für die Interessen des Vaterlandes, welche kleidete Mädchen mit Schärpen in österreichischen und Schwei- schwer geschädigt würden, wenn sie durch diese Kämpfe in den zer Farben Alpenrosen und Edelweißbufetts. Der Kaiser Strudel der liberalen Theorien getrieben würde. Berlin, 30. Aug. Am 12. und 13. September hält dankte jedem einzelnen Kinde sichtlich gerührt und ließ jedem der deutsche Richterbund in Nürnberg seine erste Tagung ab. ein goldenes Armband mit der Kaiserfrone oder eine Brosche Die Nordd. Allg. 3tg." über die Schiffahrtsabgaben. Aus der Tagesordnung seien nachstehende Themata hervor überreichen. Der Monarch unterhielt sich noch zehn Minuten gehoben: Verhandlungen über die Entwürfe der Reichs- mit den Anwesenden, worauf nach 20 Minuten Aufenthalt Berlin, 31. August. Die Nordd. Allg. 3tg." wendet strafprozeßordnung und der Abänderung des Reichsgerichts- das Echiff den Hafen verließ. Der Kaiser hatte das Oberdeck sich in einem längeren Artikel gegen den Generaldirektor der verfassungsgesetzes. Die Verhandlungen betreffen: 1. Die bestiegen und verließ salutierend unter den jubelnden Zu- Hamburg- Amerika- Linie Ballin, der in einer in den Ham­Besetzung der Strafgerichte.( Berichterstatter: Landgerichts- rufen der Menge den Hafen. Die straffe, aufrechte Haltung burger Beiträgen veröffentlichten Erklärung den Schiffahrts= präsident de Niem, Limburg.) 2. Die bedingte und unbe- des Monarchen fiel allgemein auf. abgaben gegenüber argumentiert hatte, daß abgabepflichtige

Tag, des höchsten Jubels voll,

Steigt empor, ihr Flammenzeichen

ni

Baum der Freiheit, Baum der Einheit,

Eines Volkes Opferzoll!

Breite schützend dein Geäft,

Wahre des Triumphes Reinheit,

Weihe uns das Sedanfest.

Deutsches Reich.

nungen.

99

dingte Strafverfolgungspflicht der Staatsanwaltschaft.( Be- Mainau, 31. August. Heute Mittag traf Kaiser Wasserstraßen ihren wirtschaftlichen Zweck verfehlt hätten, richterstatter: Landgerichsrat Kade, Berlin.) 3. Die Stel- Franz Josef auf dem Dampfer Kaiserin Elisabeth", von was sich insbesondere beim Dortmund- Ems- Kanal gezeigt lung des Richters zu den Parteien im Vorverfahren.( Be- Rorschach kommend, in Mainau ein. Der Kaiser, in der Uni- habe. Die Nordd. Allg. 3tg." erklärt, die deutschen Bundes­richterstatter: Landgerichtsrat und Privatdozent Dr. Fried form eines österreichischen Generalfeldmarschalls, wurde vom staaten fönnten nicht lediglich für Verkehrsinteressen ihre rich, Gießen.) 4. Die Gestaltung der Rechtsmittel.( Bericht- Großherzog, der Großherzogin, sowie dem Prinzen May von immerhin begrenzten finanziellen Kräfte einsehen, sondern erstatter: Oberamtsrichter Riß, München.) Baden begrüßt und geleitete die Großherzogin zu dem Wagen, müßten die Gesamtheit der in Betracht kommenden wirtschaft­Om Berlin, 30. Aug. Die Ernennung eines Elsässers, in dem die Fahrt zum Schloß erfolgte. Hier begrüßte der lichen Faktoren ausgleichend berücksichtigen. Auch Hamburg des Majors Scheuch, zum Abteilungschef im Berliner Kriegs: Kaiser die Großherzogin- Witwe Luise. Der Besuch, der einen sei weit entfernt, seine Safenbauten und Fahrwasser- Vers