Moderne Tafelzierkunft.

die Liebe zur Natur einzuflößen. Ich sah einmal bei einem Geburtstagsessen die Kindertafel als winzigen Garten ein­

( Ein Kapitel für Leute, die nicht nur gut, sondern auch schön gerichtet. Da gab es in diesem Miniaturgärtchen ganze Ra essen wollen.)

Von Oskar Wiener.

Vermischtes. Berlin, 24. Dez. Der am Dienstag in Schmar senflächen; Häschen aus Dragant machten sich im Grase zu gendorf aufgestiegene Ballon ,, Hildebrandt" ist Mittwoch Mit­schaffen und Papierschmetterlinge gaufelten auf echten Blu- tag 12 Uhr in Jlza, südlich Rabom, sehr glatt gelandet. über men. Und in der Mitte, dort, wo sonst der silberne Tafel- die Rückfahrt ist noch nichts bekannt. ( Nachdruck verboten.) B aufsatz zu prunken pflegt, stand ein Aquarium, darin ein* Berlin, 24. Dez. Der in der Manteuffelstraße Der echte Feinschmecker sieht in den Stunden, da er seinen richtiger Springbrunnen plätscherte, und wo sich flinke Gold- wohnhafte 32jährige Schuhmachermeister Schneider und die Hunger zu stillen pflegt, den Höhepunkt des Tages. Eine fische tummelten. Es war eine sehr bunte und wechselvolle 22jährige Schwester seiner Frau, die Schneiderin Konrad er festliche Stimmung bemächtigt sich seiner, wenn er an der Tafel, so recht dazu angetan, die Augen der kleinen Schwelger hängten sich in einem Hotel in der Klosterstraße. Schon am wohlbesetzten Tafel Plaz nimmt; aber sein Ehrgeiz verlangt vor Wonne leuchten zu machen. Die Erwachsenen lieben frei- 3. d. M. versuchten beide sich wegen aussichtsloser Liebe zu nach mehr als nach einem guten Bissen und trefflichen Tropfen: lich diskreteren Tafeldekor; das Gedämpftere, Maßvollllere töten. Ein waschechter Gourmand will nicht nur den verwöhnten im Zierrat wird vorgezogen. Vor allem hält man es für fein, Stolberg, 25. Dez. Heute Vormittag fuhren zwei Gaumen mit allerlei Leckerbissen figeln, er will auch neben die Tafel auf eine bestimmte Farbe abzustimmen, und so kann Güterzüge beim Zurücksetzen eines derselben aufeinander. dem Geschmack noch die anderen Sinne in angenehme Aufre- die Dame des Hauses ihrer Neigung für eine bestimmte Ku- Durch die Entgleisung des einen Zuges sind die beiden Haupt­gung versezen. Die Nase schnuppert, um die Bratendüfte auf- leur, die just Mode ist, Ausdruck geben. So ist der violette gleise der Bahn gesperrt. Um 1 Uhr war die Strecke wieder zunehmen oder das Bouquet des Weines verständnisvoll zu Tisch aufgekommen, wo die Teller und Schüsseln ein lila Or- betriebsfähig. Personen wurden nicht verlegt. Der Material­prüfen das Ohr lauscht der Tafelmusik oder dem muntern nament haben, die Gläser und Karaffen ein Monogramm, schaden ist unbedeutend. Ein Wagen wurde zerstört, 10 andere Geplauder der Tischnachbarin- und das Auge will gleich- oder wenn man es soweit gebracht hat das Wappen des wurden beschädigt. falls schwelgen. Schwelgen in Farben und Formen will das Hauses in der nämlichen Farbe eingeprägt; violett sind die- Gleimiz, 24. Dez. Gestern Nachmittag 5 Uhr Auge, in edlen Linien, und das Gesez der Ästhetik schlägt das Blumen in den lila emaillierten Vasen, violett die Bänder, stieß der Personenzug 585 auf den vor dem Abschlußsignal goldene Buch der Schönheit auf. Einem Leckermaul von vor die die Lampenschirme der kleinen elektrischen Tischlampen be- des Bahnhofes Borsigwerf haltenden Eilzug 33. Die beiden nehmer Gesinnung ist es nämlich durchaus nicht gleichgültig, fränzen. Solch eine Tafeldekoration wirkt vielleicht eintönig. letzten Wagen des Eilzuges wurden beschädigt, ebenso die daß der Fasan, der auf den Tisch fommt, trok der sorgfältigsten aber überaus vornehm. Bunte Tafeln gelten nu: bei den Lokomotive, der Packwagen und der erste Wagen des Per­Zubereitung, die ein sicheres Magenglück" verheißt, dürftig ländlichen Diners als elegant; wer sich in der Stadt Gäste zu sonenzuges. Nach bisheriger Feststellung sind fünf Personer und unbedeutend aussteht. Der zu verschlingende Gegenstand Tisch ladet, hat dafür zu sorgen, daß die Tafelzierde in ge- leicht verlegt worden. Der vordere Teil des Eilzuges fonnte muß auch äußerlich schon appetiterregend wirken, ja noch mehr, dämpften Afforden die Schmausenden umschmeichelt. Immer mit den Reisenden mit 45 Minuten Verspätung weiterfahren. er muß die Regeln der Schönheit in sich personifizieren. wird man grelle Gegensäge im Tafelschmuck vermeiden müssen, Der Personenverkehr wurde durch Umsteigen aufrechterhalten. Allein nicht nur die Speisen selbst, die auf den Tisch kommen, sonst läuft an Gefahr, als geschmacklos gescholten zu werden. Um 9 Uhr abends war die Strecke wieder frei. Die Ursache sollen neben dem letzten Zwed auch ein Augenschmaus sein, alles was zur Tafel gehört, muß die Wünsche des kultivierten Essers ästhetisch befriedigen. So wird der Tisch zu einem übungsfeld fünstlerischer Kultur und seine Deforation ein edles Rätsel, das zu lösen sich aller Mühe lohnt.

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Ein wesentlicher Bestandteil des Tafelgedecks ist das ist folgende: Der Eilzug 33 mußte aus Betriebsrücksichten vor Tischtuch. Einst genügte ein gut gebleichtes, handgewebtes dem Abschlußsignal des Bahnhofes Borsigwerf halten. Mitt Linnen; heute wird ein unerhörter Lurus mit der Tafeldede lerweile ließ der Fahrdienstleiter ves Bahnhofes Ludwigs: getrieben. Die amerikanischen Geldfürsten, die immer neue glüd den Personenzug nach Borsigwerk fahren, ohne bie Rüd Seltsamteiten erfinden, wenn es gilt, ihren lufullischen Ge- meldung von der Abfahrt des Eilzuges abzuwarten. Dadurch Die moderne Tafelzierkunst steht auf einer sehr hohen nüssen zu schmeicheln, haben die Tischwäsche überhaupt be- erfolgte der Zusammenstoß. Stufe; die raffiniertesten Augenfreuden umschmeicheln heute seitigt. Man speist auf einer Glasplatte, die die ganze Tafel Würzburg, 24. Dez. Wegen der in der letzten die Schmausenden. Dennoch ist die Kunst, den Speisetisch zu bedeckt, aber unter ihrer durchsichtigen Ebene ein goldgesticktes Generalversammlung vom 22. Dezember aufgedeckten Un dekorieren, nichts neues. Schon aus dem Nebel des Alter: Meßgewand hervorschimmern läßt, oder die irisierende Seide regelmäßigkeiten in der Geschäftsführung der Aktiengeſellſchaft tums funkeln tostbare Tafelgeräte, und wir wissen, daß die eines mongolischen Herrschermantels. In Paris ahmt man für landwirtschaftliche Maschinen, vorm. Gebr. Buxbaum, antifen Schwelger es liebten, die Tafel mit Rosen zu be- diesen absonderlichen Ersatz für unser altes biederes Tischtuch wurde heute früh Direktor Bernhard Burbaum verhaftet. Der fränzen. Eben jetzt ist wieder die Rose als Tischblume hoch bereits nach, allein es ist zu hoffen, daß jene groteske Neue- Bruder Leopold Buxbaum ist geflüchtet. modern; in langen Ketten schlingt man sie von Gedeck zu rung schnell wieder vergessen wird. Im Grunde genommen Paris, 21. Dez. In verschiedenen Gegenden Frank­Gedeck und wählt die kleinen rotblühenden Rosenarten, die

man zu zierlichen Sträußen bindet und Guirlanden, die von ist eine Glasplatte als Tischbelag sehr praktisch, wenn es gilt, reichs, namentlich in den Departements Haute- Garonne, man zu zierlichen Sträußen bindet und Guirlanden, die pon damit die Tafeltücher im Gasthause zu ersehen, denn eine pein- Ariege, Isere, Savoie, Rhone und Vogesen, herrschen überaus Porzellantänzerinnen getragen werden. Die Blume spielt

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überhaupt eine hervorragende Rolle als Tafelschmuck. Vor- fütterungsstätten selten gesichert. Für den Kreis einer Fa- wurde eine Frau durch einen herabstürzenden Schornſtein ge­überhaupt eine hervorragende Rolle als Tafelschmud. Vor- liche Sauberkeit der Tischwäsche ist in diesen öffentlichen Ab- heftige Stürme, die großen Schaden anrichteten. In Lyon nehme Leute lieben es auch, auf ihren Landsizen Gesellschaften milie doch hat das blütenweiße Damasttuch noch immer den tötet und mehrere Personen verwundet. Die Stürme waren zu geben; dann pflegt die Hausfrau den bunten Feldblumen Anspruch auf ehrliche Schäzung; dort wird man auch keine mit einer Sigwelle verbunden. Grenoble und Chambery die Aufgabe zuzuweisen, den blendenden Tafeldamast farbig Bapierserviette brauchen, wenn man sich den fetten Mund hatten 18 und 20 Grad Wärme. In den Vogesen herrscht zu belegen. Erfinderische Damen sinnen immer nach neuen überraschungen für ihre Gäste. Unlängst las ich von einem wischt. In Häusern, wo auf gute Tischwäsche Wert gelegt Frühlingswetter. Der Schnee ist auf den meisten Gipfeln des Tennistisch; der war durch ein Goldnet regelrecht in zwei wird, wählt die Hausfrau einen schweren Damast als Tafel- Gebirges geschmolzen. Barcelona, 24. Dez. Nach amtlichen Meldungen Teile geteilt, und die Damen saßen ihrem Tischherrn gegen zeug. Es ist Mode geworden, die Tischwäsche mit zierlichen über; bei jedem Kuvert aber lag ein winziges Rakett, das Spigen zu besehen und damit wird oft ein großer Aufwand find im Überschwemmungsgebiet zahlreiche Gebäude zerstört war mit Blumen umkränzt und trug die Speisenfolge, zierlich getrieben; Brüsseler Kanten und andere kostbare Guipuren worden. In der unteren Stadt von Ciudad und Rodrigo find etwa 50 Häuser eingestürzt. geschrieben, in der Mitte. Das sind Sonderdekorationen, die sind nichts Seltenes mehr als Rahmen für die Tafeldecke. Budapest, 24. Dez. Wie Pécsi Naplo"( Funf­ein bestimmtes Motiv versinnbildlichen. Ein Klubessen von In der Tafeldekoration hat die Beleuchtung die Rolle kirchner Tagblatt) berichtet, gebar in Balaton- Berény die Sportsmännern, die Festtafel eines Industriellenverbandes, eines gestrengen Herrn, der mit scharfen Augen überall hin- Bäuerin Barbara Szekeres ein Kind mit einem Schafskopf der Dinertisch eines Fachkongresses schöpft immer leicht die sieht und erbarmungslos alle Fehler aufdeckt. Man speist ja Das ganze Dorf umlagert von früh bis abends das Haus der Schmuckmotive aus dem Beruf der Tafelteilnehmer. Auch meist bei künstlichem Licht und da haben sich in der Tafel- Wöchnerin. Mutter und Mißgeburt befinden sich wohl. sonst finden sich stets Beziehungen oder zart anzudeutende An zierkunst bestimmte Geseze herausgebildet, die für jeden ein­* Algier, 24. Dez. Da der Dampfer Sambia pon pielungen, die in der Dekoration des Tisches zum Ausdruck zelnen Fall im vorhinein die Art der Beleuchtung festſezen: den Schleppern nicht flott zu machen war, begann man einen tommen fönnen. Bei zeremoniösen Diners und bei offiziellen Festtafeln wählt Noble Leute haben den Ehrgeiz, auch ihre Kinder als der Anordner hochbeinige Kandelaber oder elektrische Steh- Teil der Ladung zu löschen, um den Dampfer zu erleichtern. - Liebesgaben. Beschenken Sie sich denn immer Gastgeber zu sehen; so laden die kleinen Herrschaften ihre lampen als Tischleuchte; natürlich werfen außerdem noch die mit Ihrer Frau zu Weihnachten?"- O gewiß- diesmal Kameraden und Freundinnen zu Tische. Daß in solchen Fällen Deckenluster ihre Strahlenbündel in den blendenden Wirr:. B. bekomme ich von ihr einen Buff, und sie von mir einen der Tafelzierrat ein ganz anderer sein muß, als wenn sich Er- warr der Tafel, in das Silberzeug und Porzellan, in die 3. B. bekomme ich von ihr einen Buff, und sie von mir einen Fußtritt." wachsene zum Essen niedersehen, begreift sich leicht. Kinder Blumen und Schleifen und wecken tausende Funken in den haben an Näschereien ihr höchstes Genügen; darum steht vor blizenden Ordenssternen und edelsteinschweren Geschmeiden Das Kopfhaar und die Kopfhaut werden felbst von sonst reinlichen jebem Tellerchen zwischen Wasserglas und Sahnentöpfchen ein der Gäste. Ein schummeriges Dämmerlicht bevorzugt man Menschen oft in unverantwortlicher Weise vernachlässigt und eine Folge davon prächtiger Elefant, der auf seinem Rücken eine Kiste voll für kleine Gesellschaften; intime Diners lieben es nicht, durch ist, daß oft schon in den dreißiger Jahren der Kopf durch die Haare wächſt" Süßigkeiten trägt. Unter der Serviette aber liegt ein Spiel- ein Meer von Licht um ihre Vertraulichkeit gebracht zu wer- d. v. eine Glaze entsteht. Tägliche Reinigung des Haares und der Kopfhaut zeug für jeden der kleineren Gäste verborgen, ein Hampelmann den. Hier funkelt von der Decke aus zarten Glastelchen ein mit dem echten Peru Tanninwasser von E. A. Uhlmann& Co., Reichenbach oder ein Püpplein als hochwillkommene Extraüberraschung. gedämpftes Glühlicht, auf dem Tische selbst aber stehen in i. B., verhindert nicht nur das Ausfallen des Haares, sondern regt basselbe auch zu neuem Wachstum an. Das echte Beru Tanninwaffer ist seit 22 Jahren Freilich sollen auch bei der Kindertafel feine Blumen fehlen, Silberleuchtern schlanke Kerzen, deren Flammen durch rote bewährt und in allen einschlägigen Geschäften zu haben. Es ist fenntlich an denn es ist eine unserer edelsten Pflichten, den Kleinen früh Seidenschirme noch um einen Ton sanfter gestimmt sind. der Schußmarte Die Töchter des Erfinders".

Frage mich nicht, Mama!"

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XVIII.

föstlichsten Gerichten gegenüber Widerwillen und überdruß Wer hat denn größeres Recht, alles zu wissen, als ich, fühlt, so wandte der Freiherr sich nun von den raffiniertesten Geldsorgen, die immer drückender wurden, quälten den die ihr Leben für Dein Glück opfern würde? So sprich doch." Genüssen ab, denen er zeitlebens gehuldigt hatte, und suchte Majoratsherrn. Wie ein Brunnen, aus dem man beständig ,, Nein! Das muß ich mit mir allein durchkämpfen." mit besonderer Vorliebe Lokale auf, die von anständigen Per- schöpft, drohte auch seine Kasse zu versiegen. Verschiedene ,, Der Himmel gebe, daß nicht zutrifft, was ich ahne", sonen gemieden wurden. Wechsel konnten nicht eingelöst werden und die schwer er­preßte Jsabella mit flangloser Stimme hervor. ,, Deinetwegen Unter anderen war es eine einsam gelegene und berüch- rungene Verlängerungsfrist kostete immer wieder neue, große schloß ich diesen Ehebund- und er sollte Dir zum Verderben tigte Wirtschaft. Der Besizer hatte eine bildhübsche Tochter, Opfer und beschleunigte nur das unaufhaltsame Hetanschrei gereichen? Das wäre unmöglich. Mutterliebe bleibt doch ein fofettes Mädchen, das den Majoratsherrn anlockte und ten des finanziellen Zusammenbruchs. unter allen Umständen ein heiliges Gefühl. So grausam tann seine Leidenschaft durch Sprödigkeit zu schüren wußte. mich das Schicksal nicht verhöhnen. Sei offen, mein Kind. Eifrig suchte Stauffenbach Zerstreuung und Betäubung in Sprich Dich mir gegenüber ganz rückhaltlos aus! Wem galten iener Schenke. Deine Worte?"

Laß mich, ich will nicht antworten." Das Mädchen eilte aus dem Zimmer.

Die Baronin wollte ihr folgen, gab aber diese Absicht sofort wieder auf. Sie wußte, wie sehr sie in blinder Nach­giebigkeit ihr einziges Kind verzogen hatte. Ein piel

Der erfahrene, es mit dem Baron treu meinende Inspek tor hatte ihn oft, doch stets vergeblich gewarnt. Jezt schien Renée durchfämpfte alle Qualen des Zweifels. Zu- das ärgste fast unabwendbar, wenn nicht sofort tatkräftig ein­weilen war sie bis zur Raserei eifersüchtig auf Gertrud, dann geschritten wurde. Stauffenbach aber lehnte alle Vorschläge, aber tröstete sie sich wieder mit dem Gedanken: Sie haben die ihn gezwungen hätten, sich zu einer andern Lebensweise seit Kinderjahren wie Bruder und Schwester miteinander ver- 3u bequemen, entschieden und gereizt ab. Er konnte und tehrt, und Egon fühlt vielleicht nur eine verwandtschaftliche wollte sich zu Einschränkungen nicht entschließen und suchte auf jede Weise Geld aufzutreiben. Das war aber mit ungeheuren Buneigung für das anmutige Mädchen."

weniger intelligenter Kopf, als der ihrige, hätte den ganzen Sein Blick schien Fräulein d'Epinay doch so oft zu sagen: Sachverhalt längst begriffen. Man brauchte nur an Renées Du bist schön!" Und dennoch was sie in feinen Augen Schwärmerei vor dem Bilde des verstorbenen Freiherrn Eber- las, war jene Bewunderung, der man auch vor einer herr­hard zurückdenken. Als nun der Enkel in blühender Jugend- lichen Statue, vor einem prächtigen Bilde begeisterten Aus­kraft vor dem Mädchen stand, war es nicht ganz natürlich, drud gibt; aber nichts sagte ihr: Dieser Mensch verzehrt daß ihm das heiße Herz stürmisch entgegenschlug? sich in Verlangen nach Dir, wie Du Dich nach ihm. Hatte Egon solche Gewalt über sich? Beherrschte er sich In dem Stiefsohne mußte alſo Iſabella jezt den Herrn der Situation sehen, denjenigen, der über Glück und Unglück des Grolles megen, welcher zwischen ihm und der Baronin bestand? Fürchtete er eine Abweisung? Machte sich der Komtesse von Gernreich feindlicher Einfluß hier geltend? Oder hatte doch die kleine, eigentlich recht unbedeutende. Trude den Sieg davongetragen?

ihre Tochter zu entscheiden hatte.

Wie ein giftiger Natterbiß verlegte dieser Gedanke die Teidenschaftliche Frau. Sie hatte Egon, Karmelittas Neffen, immer gehaßt, tat es jetzt doppelt und begriff dennoch, daß Hilfe und Heil nur von ihm tommen könne.

Diese Fragen beschäftigten und quälten Renée und er­hielten sie beständig in einem fieberhaften Zustand. Ihr

Schwierigkeiten verknüpft, und bei den Darleihern erhielt er

nur abweisende Antworten.

* In wahrhaft verzweifelter Stimmung fehrte er heim. Ich habe Einladungen zu einem Gartenfeste, das brillant werden soll, erlassen", sagte Isabella, als er nach dem Zweck verschiedener Vorbereitungen fragte.

,, So? Da warst Du etwas voreilig", erwiderte Wolf, und wirst Dir die Mühe machen müssen, allen abzuschreiben." Sehr einfach! Die Zeit der Feste und Tollheiten ist vorüber."

,, Wieso denn?"

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Warum?"

Weil leider alles auf der Welt einmal ein Ende nimmt." Wie meinst Du das?"

,, Wenn Dir die Sache so rätselhaft scheint, will ich mich

Isabella ging sogar so weit, Wolf, von welchem sie sich blühendes Aussehen schwand, ihr Gesicht wurde blaß und kurz und bündig ausdrücken: Wir stehen vor dem Ruin!" in der legten Zeit zurückgezogen hatte, erneutes Entgegen- schmal und verlor seine Frische. tommen zu zeigen, um ihn für diese Angelegenheit zu er- Mit bitterer Sorge beobachtete Jsabella ihre Tochter. Es gewährte ihm eine Art boshafter Genugtuung, daß wärmen. Indes, das war verlorene Mühe. Was fragte der Des Mädchens Wunsch mußte erfüllt werden, um jeden Preis. dieser Schlag auch sie zermalmen mußte. Er sah sich jedoch in Majoratsherr nach Egon und Renée? Die Baronin mußte Gern hätte sie nochmals mit Wolf darüber Rücksprache der Erwartung, Isabella würde in leidenschaftliche Klagen bald erkennen, daß seine Leidenschaft für sie sich abgestumpft genommen, bemerkte aber, daß er unter dem Druck tiefster ausbrechen, getäuscht. hatte. Sie besaß nicht mehr den geringsten Teil jener Macht Berstimmung stand, und dab daher ihre Absicht bis auf Sie schien überrascht zu sein, sagte aber mit auffallender über ihn, der ihr einst in so hohem Grade eigen gewesen war. weiteres auf. Ruhe und Fassung: Wolf sant immer tiefer in den Pfuhl der Ausschweifungen. In der Tat wurde der Freiherr von Tag zu Tag ge= ,, So überschäßte man also das Stauffenbachsche Ber­Er war nur selten nüchtern und man sprach viel von galanten reizter. Trafen doch mit jeder Post Mahnbriefe ein und mögen?" Abenteuern, die er hatte. Ein unheilvoller Drang zog ihn manche Gläubiger drangen sehr energisch auf Erfüllung ihrer abwärts von Stufe zu Stufe. Wie ein Gourmand oft den Forderungen.

Reineswegs."

( Fortsetzung folgt.)

Redaktion, Rotationsdrud und Verlag von Th. Süß, Wilhelmshaven. Telephon Nr. 16.